Hauptgeschäftsführerin Arbeitgeberverband Mitte e. V.

Interview: Ulrich Drees | Foto: privat

Frau Weber, was hat Sie bewogen, Ihren Beruf zu ergreifen?
Nachdem ich auf der Uni scheinfrei war, habe ich gezweifelt, ob mein Jurastudium in Göttingen auf einen Beruf hinauslaufen würde, der meinen Neigungen entspräche. Während meine Kommilitonen konsequent in die Examensvorbereitung gingen, habe ich mich in der Wirtschaft umgeschaut und mir im Rahmen von mehreren freiwilligen Praktika die Tätigkeitsfelder von Juristen angeschaut. Unter anderem war ich bei der BASF in Ludwigshafen in der Abteilung Arbeits- und Betriebsverfassungsrecht tätig, wo der damalige Abteilungsleiter es sich dann auf die Fahnen schrieb, die Begeisterung für die Juristerei in mir zu wecken, und mich vorbildlich forderte und förderte. Danach bin ich nach Göttingen zurückgekommen und habe motiviert mein 1. Staatsexamen absolviert. Ich hatte jetzt  ein deutliches Ziel. Während des Referendariats habe ich dann eine Station beim Arbeitgeberverband absolviert, danach war mein Berufswunsch klar.
Hat Sie dieses Erlebnis geprägt?
Ganz klar ja! Meine Kollegen schmunzeln schon, wenn wir wieder die Bewerbung eines (Schüler)-Praktikanten oder Referendars auf dem Tisch haben. Heute bin ich diejenige, die fordert und fördert.
Über welche wichtigen Eigenschaften sollte man in Ihrem Beruf verfügen?
Nicht nur unter Rechtsanwälten sollte auch das berufliche Miteinander von Respekt, Empathie und Höflichkeit geprägt sein; eine Prise Humor schadet nie, und man sollte immer Win-win-Situationen anstreben.
Was betrachten Sie als wichtige Erkenntnis, Ihres bisherigen Berufslebens ergeben?
Dass man mit den lauten Tönen oft nicht weit kommt. Es lohnt sich, genau hinzuschauen und vor allem vielmehr aufmerksam zuzuhören. Das bringt den entscheidenden Vorsprung.
Schätzen Sie beruflich Menschen mit einem persönlichen Stil? Welches wäre Ihrer?
Wenn man Stil nicht snobistisch versteht, sondern bewusst auf Wertebewusstsein, Empathie und Respekt setzt, dann schätze ich das an anderen Menschen ebenso sehr, wie ich selbst danach strebe.
Gibt es einen guten Rat, den Sie jungen Frauen zum Start ihres Berufslebens geben würden?
In jedem Fall machen, wenn man für die Sache brennt. Man sollte sich aber im Klaren sein, dass „die Berufung“ und ich sage bewusst nicht der Job, sehr zeitintensiv ist, und das Privatleben sehr oft hinten anstehen muss.
Apropos Privatleben, womit beschäftigen Sie sich gern in Ihrer Freizeit?
Am Wochenende helfe ich meinen Lebensgefährten, ein Gastronom aus dem Sauerland, im Service und in der Küche und wenn dann noch Zeit bleibt, eine Runde mit dem Motorrad zu drehen und im Garten zu werkeln, habe ich den perfekten Ausgleich.

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