Rechtsanwältin, Kanzleikooperation Binkenstein und Lehmann

Interview: Ulrich Drees | Foto: Kristin Schild

Frau Binkenstein, Sie sind u. a. Fachanwältin für Arbeitsrecht. Hat sich die Corona-Krise mit ihren ja auch wirtschaftlichen Folgen in letzterem Bereich besonders bemerkbar gemacht?
Die Pandemie brachte viele arbeitsrechtliche Auswirkungen mit sich, weil sich die Arbeitssituation vieler Menschen veränderte. Ich habe jetzt eine ganze Reihe von arbeitsrechtlichen Fortbildungen absolviert, die sich mit den Veränderungen der Arbeitsbedingungen durch Corona auseinandersetzten. Dabei spielten das Thema Homeoffice und die Frage, wie ein Arbeitgeber Arbeitnehmer aus dem Homeoffice zurückholen kann, eine wichtige Rolle. Vielfach war gar nicht bekannt, dass man das nicht einfach wieder rückgängig machen kann und welche Pflichten sich für den Arbeitgeber ergeben können. Ebenso bedeutsam war das Thema Kurzarbeit. Ich rechne außerdem mit langfristigen Konsequenzen, weil die eine oder andere Firma die Krise vermutlich nicht überstehen wird.
Nehmen rechtliche Auseinandersetzungen in der Krise zu?
Ja, beispielsweise erlebte ich eine Reihe von Konflikten zwischen Arbeitnehmerinnen, die ihr Kind unverschuldet zu Hause betreuen mussten, deren Tätigkeit aber kein Homeoffice zuließ, und Arbeitgebern, die dafür kein Verständnis hatten. Da war es wichtig, eine Schlichtung zu finden, die beiden Seiten gerecht wurde. Leider hat die Corona-Pandemie das Rollenverhältnis im Wirtschafts- und Arbeitsleben vielfach um 30 Jahre zurückgeworfen.
Bringen Sie als Frau Eigenschaften mit, die für den Anwaltsberuf besonders nützlich sind?
Obwohl ich nicht weiß, ob das spezifisch weiblich ist, erlebe ich oft, dass ich mich gut in die jeweilige Lage meines Gegenübers versetzen kann. Das hilft, mögliche Lösungen zu finden.

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