KWS SAAT in Ein­beck

Alles deu­tet dar­auf hin, dass Süd­nie­der­sach­sen im Som­mer 2024 end­lich mit einem gemein­sa­men Stand­ort­mar­ke­ting auf­tre­ten wird. Im Cha­rak­ter-Inter­view spre­chen Astrid Klin­kert-Kit­tel, die Land­rä­tin des Krei­ses Nort­heim, und Mar­cel Rie­thig, Land­rat des Krei­ses Göt­tin­gen, über die aktu­el­le Ent­wick­lung.

Text: Ulrich Drees | Fotos: meh­le — hun­dert­mark foto­gra­fie, otto­bock, Roman Tho­mas, fsk pho­to­gra­phy, Kreis Nort­heim, create:hub

Herr Rie­thig, aktu­ell ist nach einem Sto­cken der Bemü­hun­gen im Jahr 2022 erneut Bewe­gung in den Auf­bau eines regio­na­len Stand­ort­mar­ke­tings in Süd­nie­der­sach­sen gekom­men. Wie stellt sich die Situa­ti­on gegen­wär­tig dar?
Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem für das kom­men­de Jahr ein kon­kre­tes Ergeb­nis ansteht. Den Start­punkt der Ent­wick­lung bil­de­te 2020 das durch Lan­des­mit­tel geför­der­te Pro­jekt der Süd­nie­der­sach­sen Stif­tung zum Regio­na­len Fach­kräf­te­mar­ke­ting. Die Land­krei­se Göt­tin­gen und Nort­heim unter­stütz­ten dies damals struk­tu­rell und finan­zi­ell, und von der Süd­nie­der­sach­sen­stif­tung kam dann auch ein ers­ter Auf­schlag in Rich­tung einer Mar­ken­bil­dung für das ange­streb­te regio­na­le Stand­ort­mar­ke­ting, der jedoch die Ver­ant­wort­li­chen nicht über­zeug­te.

Frau Klin­kert-Kit­tel, wie bewer­ten Sie die Ent­wick­lung bis zum heu­ti­gen Zeit­punkt? Gab es Momen­te, an zu denen für Sie frag­lich war, ob das Pro­jekt eines gemein­sa­men regio­na­len Mar­ke­tings Sinn hat und Erfolg haben kann?
Die Ent­wick­lung und Umset­zung eines gemein­sa­men regio­na­len Stand­ort­mar­ke­tings, ist zwei­fel­los ein kom­ple­xes Unter­fan­gen. Den­noch hal­te ich ein regio­na­les Stand­ort­mar­ke­ting für sinn­voll und erfolgs­ver­spre­chend. Die Unter­stüt­zung der loka­len Wirt­schaft, der regio­na­len Akteu­re und der poli­ti­schen Instan­zen ist ent­schei­dend. Es wird eine geschlos­se­ne Her­an­ge­hens­wei­se, eine kon­ti­nu­ier­li­che Eva­lu­ie­rung und die Bereit­schaft zur Anpas­sung erfor­dern. In Anbe­tracht des Poten­zi­als bin ich zuver­sicht­lich, dass wir mit einem kla­ren Ziel vor Augen einen erfolg­rei­chen Weg beschrei­ten kön­nen.“

Herr Rie­thig, was ist jetzt anders als 2022?
Wir sind wie im Tan­go einen Schritt zurück und zwei nach vorn gegan­gen. Statt das schwie­ri­ge The­ma einer Namens­fin­dung zuerst anzu­ge­hen, konn­ten wir die Poli­tik und die Stadt Göt­tin­gen ein­bin­den, indem wir zuvor ein inhalt­li­ches Ober­the­ma defi­nier­ten. Dazu sol­len Ideen und Kam­pa­gnen über einen Agen­tur­wett­be­werb ent­wi­ckelt wer­den, den wir im Janu­ar durch­füh­ren wol­len. Im März wer­den wir unter den ein­ge­reich­ten Vor­schlä­gen dann eine Aus­wahl tref­fen. Die­se Vor­ge­hens­wei­se wer­den wir noch im Dezem­ber 2023 den maß­geb­li­chen Gre­mi­en zur Ent­schei­dung vor­le­gen.

Wie lau­tet die­ses Ober­the­ma?
Wir wol­len die Life Sci­ence als Allein­stel­lungs­merk­mal unse­rer Regi­on in den Vor­der­grund stel­len.


Oster­ode 

War­um der Fokus auf „Life Sci­en­ces“?
In der Regi­on hängt jeder fünf­te Arbeits­platz mit der Bran­che zusam­men. Das ver­teilt sich auf „rote“ Life Sci­en­ces, das heißt Medi­zin und Bio­tech­no­lo­gie, und auf die „grü­nen“ Life Sci­en­ces, wie bei­spiels­wei­se Saat­gut­züch­tung. Selbst bei einer Fokus­sie­rung auf das The­ma Gesund­heits­we­sen kann Süd­nie­der­sach­sen punk­ten. Bei uns sind 12 % der Arbeits­plät­ze in die­sem Bereich ange­sie­delt, im Bun­des­durch­schnitt sind es nur 7 %. Wir ste­hen hier im Bran­chen­ver­gleich bun­des­weit auf Platz 1.

Hin­zu kommt, dass Nie­der­sach­sen vor allem zwei Zukunfts­the­men auf­wei­sen kann: die Quan­ten­tech­no­lo­gie in Han­no­ver und Braun­schweig und eben die Life Sci­en­ces hier in Süd­nie­der­sach­sen.

Frau Klin­kert-Kit­tel, hät­te es aus Ihrer Sicht auch ande­re Ober­the­men geben kön­nen?
Das Ober­the­ma „Life Sci­ence“ bie­tet eine star­ke Ver­bin­dung zwi­schen dem Ober­zen­trum und dem länd­li­chen Raum, ist weg­wei­send und weist zahl­rei­che regio­na­le Anknüp­fungs­punk­te auf. Obwohl wir uns für „Life Sci­ence“ ent­schie­den haben, gibt es natür­lich auch ande­re Berei­che, die poten­zi­ell als Ober­the­men betrach­tet wer­den könn­ten. Aller­dings hal­te ich „Life Sci­ence“ auf­grund sei­ner star­ken Prä­senz und sei­nes Poten­zi­als für eine klu­ge und viel­ver­spre­chen­de Wahl für die Posi­tio­nie­rung der Regi­on. Es spielt nicht nur eine bedeu­ten­de Rol­le in unse­rer regio­na­len Wirt­schaft, son­dern ist auch für die Zukunft unse­rer Gemein­schaft von gro­ßer Bedeu­tung.

Herr Rie­thig, wel­chen Namen soll die Regi­on tra­gen, für die dann die Kam­pa­gnen aus­ge­stal­tet wer­den?
Wir hof­fen hier auf Vor­schlä­ge aus dem Agen­tur-Wett­be­werb. Wenn bei­spiels­wei­se „Die Gesund-Regi­on“ in der Über­schrift stün­de, könn­te ein Unter­ti­tel lau­ten „Göt­tin­gen Süd­nie­der­sach­sen“, „Nort­heim Göt­tin­gen“, „Süd­nie­der­sach­sen“ oder „Göt­tin­gen“. Es gibt ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten. Zen­tral ist doch, dass spür­bar wird, wer hin­ter die­sem Namen steht. Und wenn das nicht gelingt, wird das Mar­ke­ting ja gar nicht funk­tio­nie­ren.

Trotz­dem war der Name in der Ver­gan­gen­heit bei den ver­schie­de­nen betei­lig­ten Kör­per­schaf­ten ja ein so heik­les The­ma, dass er regel­recht zum „Dealb­rea­k­er“ wur­de. Wird das dies­mal ver­mie­den wer­den kön­nen?
Ich glau­be schon. Hät­ten wir zuerst den Namen dis­ku­tiert, hät­te das ver­mut­lich erneut zu einem Schei­tern der Ver­hand­lun­gen füh­ren kön­nen. So, wie wir das jetzt kana­li­siert haben, wird dar­aus kein Poli­ti­kum ent­ste­hen, aus dem unüber­wind­ba­re Hür­den erwach­sen. Das sieht ins­be­son­de­re auch die regio­na­le Wirt­schaft in wei­ten Tei­len so, wie sich an dem von Hei­ko Kei­holz von HKS und IHK-Vize­prä­si­den­tin Bir­gitt Wit­ter-Wir­sam ver­öf­fent­lich­ten Schrei­ben zeigt, das von wei­te­ren 30 nam­haf­ten Unter­neh­men getra­gen wird. Der genaue Name ist nicht ent­schei­dend. Haupt­sa­che, er spricht die Ziel­grup­pe an – und das lie­ße sich ja bei­spiels­wei­se vor­ab über­prü­fen.


Das Fir­men­ge­län­de von otto­bock in Duder­stadt 

Frau Klin­kert-Kit­tel, was den­ken Sie zum The­ma Namen? Wird man in Nort­heim am Ende einer Bezeich­nung zustim­men, in der nur „Göt­tin­gen“ erwähnt wird?
Die Fra­ge nach dem Namen ist zwei­fel­los ein wich­ti­ger Aspekt bei der Schaf­fung einer ein­heit­li­chen und reprä­sen­ta­ti­ven Mar­ke für unse­re Regi­on. Es ist ent­schei­dend, dass wir einen Namen fin­den, der die gesam­te Regi­on reprä­sen­tiert und eine gemein­sa­me Iden­ti­tät schafft. Einen Namen, der vor allem auch neu­gie­rig macht, in unse­rer Regi­on leben und arbei­ten zu wol­len. Ein aus­ge­wo­ge­ner Ansatz dürf­te ent­schei­dend für die Akzep­tanz und den Erfolg eines sol­chen Namens sein. Wir soll­ten einen Namen anstre­ben, der die Ein­zig­ar­tig­keit und Viel­falt der gesam­ten Regi­on wider­spie­gelt und gleich­zei­tig die Iden­ti­tät und den Bei­trag jedes Part­ners wür­digt.

Herr Rie­thig, wel­che Part­ner betei­li­gen sich gegen­wär­tig an dem Pro­zess?
Neben den Land­krei­sen Göt­tin­gen und Nort­heim sind die Stadt Göt­tin­gen, die Wirt­schafts­för­de­rung Regi­on Göt­tin­gen (WRG) und die Gesell­schaft für Wirt­schafts­för­de­rung und Stadt­ent­wick­lung Göt­tin­gen (GWG) sowie natür­lich die Süd­nie­der­sach­sen­stif­tung betei­ligt. Die wird auch die Kam­pa­gnen durch­füh­ren. Dazu wird dort Per­so­nal ange­stellt, wobei wir auch freie Mit­ar­bei­ter beschäf­ti­gen wol­len. Teil des Kon­zep­tes sind auch Inter­net-Kam­pa­gnen, für deren Durch­füh­rung wir in der Regi­on ja bereits star­ke Part­ner hät­ten, die sich auf die Durch­füh­rung von Online-Kam­pa­gnen spe­zia­li­siert haben.

Was ist mit den Land­krei­sen Holz­min­den und Gos­lar? Sind die an den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen betei­ligt?
Seit dem Süd­nie­der­sach­sen­pro­gramm betrach­tet die Lan­des­re­gie­rung bei­de Krei­se ja als Teil Süd­nie­der­sach­sens. Obwohl die dor­ti­ge Wirt­schaft sich durch­aus in Rich­tung Göt­tin­gen ori­en­tiert, sieht sich Holz­min­den selbst auch zur Weser­berg­re­gi­on zuge­hö­rig, und Gos­lar ori­en­tiert sich in Rich­tung Braun­schweig. Des­halb haben wir das Süd­nie­der­sach­sen der zwei Geschwin­dig­kei­ten. Wir haben einer­seits Stadt und Land­kreis Göt­tin­gen sowie Nort­heim, die die Süd­nie­der­sach­sen­stif­tung sehr stark finan­zi­ell unter­stüt­zen, und dann eben den Land­kreis Gos­lar, der gar nichts zahlt, und den Land­kreis Holz­min­den, der in die­sem Jahr erst­mals und auch in den Fol­ge­jah­ren 5.000 Euro ein­zahlt. Was in Bezug auf die­se Krei­se das regio­na­le Stand­ort­mar­ke­ting angeht, sagen wir des­halb: Alles kann, nichts muss. Wir arbei­ten so, dass bei­de Krei­se bei die­ser und allen ande­ren süd­nie­der­säch­si­schen Initia­ti­ven, wie z. B. TOPAS Top-Arbeit­ge­ber Süd­nie­der­sach­sen, anschluss­fä­hig blei­ben, wenn sie sich betei­li­gen möch­ten.

Die Stadt Göt­tin­gen grün­de­te 2022 die Göt­tin­gen Mar­ke­ting GmbH, die sich auch mit regio­na­lem Stand­ort­mar­ke­ting befas­sen soll­te (vgl. Cha­rak­ter Som­mer-Edi­ti­on 2022) und lud die Land­krei­se Göt­tin­gen und Nort­heim ein, sich dar­an zu betei­li­gen. Wie ist sie jetzt in das neue Kon­zept ein­ge­bun­den?
Alle Betei­lig­ten woll­ten Dop­pel­struk­tu­ren ver­mei­den. Ich bin froh, dass die Geschäfts­füh­re­rin von Göt­tin­gen Mar­ke­ting zunächst kei­ne eige­ne Mar­ke ent­wi­ckeln will, son­dern sich auf die The­men Tou­ris­mus und Ein­zel­han­dels­mar­ke­ting kon­zen­triert und schaut, wel­che Akti­vi­tä­ten sich auf regio­na­ler Ebe­ne ent­fal­ten. Die Süd­nie­der­sach­sen­stif­tung wird die Kam­pa­gnen auf regio­na­ler Ebe­ne durch­füh­ren, und die Stadt wür­de dann ihre eige­ne Mar­ke­ting­ge­sell­schaft damit beauf­tra­gen, das auf städ­ti­scher Ebe­ne zu über­neh­men, alles in enger Abstim­mung. Wenn die Stadt eine Mes­se besucht, um mit der Regio­nal­mar­ke zu wer­ben, wür­de das mit der Süd­nie­der­sach­sen­stif­tung abge­spro­chen, und umge­kehrt genau­so. Im bes­ten Fal­le tre­ten bei­de gemein­sam auf. Ich wür­de es so beschrei­ben, dass wir, statt alles in einer Gesell­schaft zu bün­deln, unse­re Akti­vi­tä­ten mit zwei mul­ti­pli­zie­ren.


Live Sci­ence bei KWS SAAT in Ein­beck 

Frau Klin­kert-Kit­tel, wie wer­den die dies­be­züg­li­chen Akti­vi­tä­ten der Süd­nie­der­sach­sen­stif­tung finan­ziert?
Für die Finan­zie­rung des regio­na­len Stand­ort­mar­ke­tings ist ange­dacht, dass der Land­kreis Nort­heim in den Jah­ren 2024–2026 jeweils 75.000 Euro zur Ver­fü­gung stellt. Im sel­ben Zeit­raum bringt der Land­kreis Göt­tin­gen jähr­lich 150.000 Euro ein. Zudem will die Stadt Göt­tin­gen für die Jah­re 2025 und 2026 die städ­ti­sche Mar­ke­ting GmbH mit jeweils 75.000 Euro aus­stat­ten, um damit den gemein­sa­men Pro­zess zu unter­stüt­zen. In der Sum­me ste­hen inso­weit 825.000 Euro in drei Jah­ren zur Eta­blie­rung der Mar­ke zur Ver­fü­gung. Im Anschluss soll die Wirk­sam­keit des regio­na­len Stand­ort­mar­ke­tings eva­lu­iert wer­den.

Wel­ches Ergeb­nis wäre nötig, um die Poli­tik bei der Eva­lua­ti­on zu über­zeu­gen?
Um zu über­zeu­gen, benö­ti­gen wir kla­re Ergeb­nis­se, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Gewin­nung von Fach­kräf­ten für die Regi­on. Über­zeu­gen könn­ten sicher auch die Schaf­fung neu­er Arbeits­plät­ze und das Aus­lö­sen von Inves­ti­tio­nen. Die Stär­kung der Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten, die Anpas­sung von Bil­dungs­pro­gram­men an die Bedürf­nis­se der Wirt­schaft sowie die Schaf­fung attrak­ti­ver Lebens­räu­me soll­ten eben­falls über­zeu­gen.

Herr Rie­thig, Life Sci­ence klingt nicht zwin­gend nach Wohl­füh­len. Wie ergibt sich hier jen­seits der Aus­sicht auf Arbeits­plät­ze in der Bran­che für die erwünsch­ten Fach­kräf­te die Moti­va­ti­on, hier leben zu wol­len?
Life Sci­ence allein reicht nicht aus. Es braucht auch den Arbeits­platz für die Part­ne­rin oder den Part­ner, attrak­ti­ve Frei­zeit- und Bil­dungs­an­ge­bo­te, ver­füg­ba­re Kin­der­be­treu­ung – die wir im länd­li­chen Raum in den nächs­ten Jah­ren kon­zen­triert aus­bau­en wer­den – und ganz zen­tral auch ein Ange­bot an Wohn­raum, der indi­vi­du­ell anspre­chend, aber auch bezahl­bar sein muss.

Frau Klin­kert-Kit­tel, wie den­ken Sie, lie­ße sich unter dem Dach „Life Sci­ence“ das Image einer lebens­wer­ten Regi­on erschlie­ßen?
„Life Sci­ence“ ver­kör­pert einen Bereich, der sowohl wis­sen­schaft­li­che Inno­va­ti­on als auch das Gesund­heits­we­sen umfasst. Betont wird die Bedeu­tung einer hoch­wer­ti­gen Gesund­heits­ver­sor­gung und inno­va­ti­ver Tech­no­lo­gien, die das Leben der Men­schen ver­bes­sern. Das Kon­zept bie­tet auch eine Ver­bin­dung zwi­schen urba­nen Zen­tren und länd­li­chen Räu­men. Wir kön­nen die Attrak­ti­vi­tät eines aus­ge­wo­ge­nen Lebens­stils her­vor­he­ben: die Nähe zur Natur, hoch­wer­ti­ge Lebens­be­din­gun­gen in länd­li­chen Gebie­ten und gleich­zei­tig den Zugang zu einer dyna­mi­schen, inno­va­ti­ven Stadt. „Life Sci­ence“ steht für eine zukunfts­wei­sen­de Bran­che, die nicht nur Arbeits­plät­ze schafft, son­dern auch Talen­te anzieht und Bin­dun­gen in der Regi­on för­dert. Die Mög­lich­keit, in einer lebens­wer­ten Umge­bung zu leben und gleich­zei­tig in einem hoch­in­no­va­ti­ven Sek­tor zu arbei­ten, ist ein wesent­li­cher Bestand­teil des Images einer lebens­wer­ten Regi­on. ‚Life Sci­ence‘ bie­tet die Chan­ce, unse­re Regi­on als einen Ort zu posi­tio­nie­ren, an dem Men­schen ger­ne leben, arbei­ten und sich wei­ter­ent­wi­ckeln möch­ten.


Die Nort­hei­mer Seen­plat­te 

Herr Rie­thig, die WRG hat einen Betei­li­gungs­pro­zess koor­di­niert, bei dem ein Quer­schnitt aus­ge­wähl­ter regio­na­ler Akteu­re zum The­ma Stand­ort­mar­ke­ting befragt wur­de. Was ist dabei her­aus­ge­kom­men?
Befragt wur­den bewusst unter­schied­li­che Ziel­grup­pen, wie bei­spiels­wei­se Stu­die­ren­de, Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter von Ver­wal­tung und Wirt­schaft oder Grün­de­rin­nen und Grün­der. Dabei wur­de deut­lich, dass es aktu­ell kein regio­na­les Stand­ort­mar­ke­ting gibt. Es gibt vie­le gute Ange­bo­te in der Regi­on – die jedoch nicht bekannt sind. Trotz spe­zi­fi­scher Ange­bo­te für Grün­de­rin­nen und Grün­der fehlt außer­dem eine Platt­form, die die­sem Kreis ein the­men­über­grei­fen­des Netz­wer­ken ermög­li­chen wür­de. Wir wer­den die­se und ande­re Erkennt­nis­se berück­sich­ti­gen, denn es reicht natür­lich nicht, ein­fach nur eine Mar­ke zu ent­wi­ckeln. Sie muss auch hal­ten, was sie ver­spricht.

Was ergab sich zum The­ma Life Sci­ence?
Das The­ma war ja für den Betei­li­gungs­pro­zess bereits „gesetzt“. Des­halb waren wir vor allem auf die Reak­tio­nen dar­auf gespannt. Hier zeig­te sich, dass sich nicht jedem sofort erschloss, war­um wir das als Ober­the­ma gewählt haben. Da müs­sen wir also aktiv wer­den, um das deut­li­cher her­aus­zu­stel­len. Häu­fig schaut man in der Regi­on noch zu sehr auf loka­le Stär­ken, weil man sich noch nicht als Gan­zes begreift.

Frau Klin­kert-Kit­tel, wie wür­den Sie den Men­schen in Nort­heim erklä­ren, was Sie mit Life Sci­ence ver­bin­det?
Life Sci­ence betrifft vie­le Aspek­te des täg­li­chen Lebens. Es umfasst Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen, die in Berei­chen wie Bio­tech­no­lo­gie, Medi­zin­tech­nik, Gesund­heits­we­sen und moder­ner Land­wirt­schaft tätig sind. Die­se Unter­neh­men ent­wi­ckeln neue The­ra­pien, Medi­ka­men­te und inno­va­ti­ve Pro­duk­te, die unser Leben beein­flus­sen und ver­bes­sern kön­nen. Dabei bedeu­tet Life Sci­ence auch die Schaf­fung von Arbeits­plät­zen und Wachs­tum. Unter­neh­men hier vor Ort sind Teil die­ses Sek­tors und tra­gen zur Stär­kung unse­rer loka­len Wirt­schaft bei. Dar­über hin­aus reprä­sen­tiert Life Sci­ence auch die Attrak­ti­vi­tät unse­rer Regi­on für Talen­te und Fach­kräf­te. Es bie­tet Chan­cen für For­scher, Fach­leu­te und Inno­va­to­ren, sich in einer dyna­mi­schen und zukunfts­wei­sen­den Bran­che zu ent­fal­ten, ohne dabei die Vor­tei­le eines Lebens in einer lebens­wer­ten Umge­bung zu ver­nach­läs­si­gen. Life Sci­ence ver­kör­pert die dyna­mi­sche Ver­bin­dung zwi­schen Wis­sen­schaft, Wirt­schaft und dem Wohl­erge­hen der Gemein­schaft.

Herr Rie­thig, wann könn­te es aus Ihrer Sicht zum Start ers­ter Kam­pa­gnen kom­men?
Im Som­mer 2024.

Vir­tu­el­le Rund­flü­ge über Ein­beck und Nort­heim: www.einbeck.zoom360.de, www.northeim.zoom360.de

Der ers­te Auf­schlag
Für den Göt­tin­ger Land­rat Mar­cel Rie­thig war der ers­te Ver­such der Süd­nie­der­sach­sen­stif­tung, eine Mar­ke für ein regio­na­les Stand­ort­mar­ke­ting zu eta­blie­ren, eine „gute Vor­ar­beit“ für die gegen­wär­ti­ge Ent­wick­lung. Damals wur­de das Ober­the­ma Süd­nie­der­sach­sen durch eine Wort-Bild-Mar­ke ergänzt, die sich auf die gan­ze Viel­falt der Regi­on – vom Hand­werk über die Indus­trie und den Ein­zel­han­del bis zu den Kom­mu­nen – bezog. War­um dar­aus nichts wur­de? „Aus ver­schie­de­nen Grün­den“, so Mar­cel Rie­thig. „Die Stadt Göt­tin­gen war nicht ein­ge­bun­den, und die bei­den gro­ßen Akteu­re, die Land­krei­se Göt­tin­gen und Nort­heim, die das Gan­ze hät­ten finan­zie­ren müs­sen, waren nicht über­zeugt, dass die Kam­pa­gnen wir­ken wür­de. „Eine Mar­ke ist hier mit dem Köder beim Angeln ver­gleich­bar. Der muss dem Fisch schme­cken und nicht dem Ang­ler“, so Mar­cel Rie­thig.

Zuerst Arbeit­ge­ber­mar­ke­ting
„Stand­ort­mar­ke­ting kann nicht direkt dafür sor­gen, dass ein Unter­neh­men immer genug Fach­kräf­te fin­det“, erklärt Mar­cel Rie­thig. „Das ist Auf­ga­be des Arbeit­ge­ber­mar­ke­tings. Stand­ort­mar­ke­ting wird dann wich­tig, wenn sich Inter­es­sen­tin­nen und Inter­es­sen­ten für eine offe­ne Stel­le fra­gen, ob sie nach Süd­nie­der­sach­sen wol­len. Hier muss die Regi­on zei­gen, was sie zu bie­ten hat, was sie aus­zeich­net.

Life Sci­en­ces?
Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung, Wis­sen­schaft und For­schung fasst unter dem Begriff Life Sci­en­ces die wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen zusam­men, die sich mit Struk­tu­ren und Pro­zes­sen von Lebe­we­sen beschäf­ti­gen. Wegen ihrer rasan­ten Metho­den- und Tech­no­lo­gie­ent­wick­lun­gen gel­ten die Life Sci­en­ces als extrem dyna­mi­scher und inno­va­ti­ver For­schungs­be­reich. Anhand zahl­rei­cher bedeu­ten­der Unter­neh­men liegt ihre Bedeu­tung in Süd­nie­der­sach­sen zwar auf der Hand, doch das wirkt sich dar­über hin­aus in vie­le wei­te­re Wirt­schafts­be­rei­che aus. „Was Sar­to­ri­us, Otto Bock, KWS Saat oder die zahl­rei­chen Mit­tel­ständ­ler in der Regi­on her­stel­len“, erklärt Mar­cel Rie­thig, „wird in Ver­pa­ckun­gen von Thimm aus Nort­heim und von Spe­di­teu­ren wie Zufall in alle Welt ver­bracht. Auch die Mess- und Regel­tech­nik der Regi­on pro­fi­tiert von den Instru­men­ten, die von den Life-Sci­ence-Unter­neh­men nach­ge­fragt wer­den.“

Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung zum Regio­nal­mar­ke­ting am 10.11.2023 im create:hub, Holz­min­den.