In vie­len Län­de­ren (nicht in Deutsch­land) sind Tief­ga­ra­gen von vorn­her­ein als Schutz­räu­me kon­zi­piert.

Die aktu­el­le geo­po­li­ti­sche Lage mit Russ­land zeigt: Deutsch­land braucht einen moder­nen Zivil­schutz – des­sen Bedeu­tung wie­der wächst, gera­de weil es um ihn der­zeit kaum bes­ser steht als um die Bun­des­wehr.

Text: Ulrich Drees | Fotos: Ado­be Stock, Archiv, Poli­zei­di­rek­ti­on Göt­tin­gen

Seit 2022 geht der rus­si­sche Angriffs­krieg gegen die Ukrai­ne unge­bremst wei­ter. Dass die Welt seit­her eine ande­re ist, lässt sich nicht mehr igno­rie­ren. Es erscheint sogar mög­lich, dass der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Putin beschließt, die NATO her­aus­zu­for­dern. Neben dem Aus­bau der Bun­des­wehr steht damit plötz­lich auch der Zivil­schutz wie­der auf der Tages­ord­nung.

Zivil­schutz? >>> Obwohl es vie­le Über­schnei­dun­gen gibt, unter­schei­det sich Zivil­schutz deut­lich vom Kata­stro­phen­schutz. Wenn Kata­stro­phen­schutz ein Sprint ist, dann ist Zivil­schutz ent­lang der Eska­la­ti­ons­stu­fen Frie­den, hybri­de Bedro­hungs­la­ge, Kri­se und Krieg irgend­et­was zwi­schen Lang­stre­cke und Mara­thon. Für den Zivil­schutz zustän­dig ist das Bun­des­amt für Bevöl­ke­rungs­schutz und Kata­stro­phen­hil­fe, das für den Zivil­schutz den soge­nann­ten Zivi­len Alarm­plan als Grund­la­ge ent­wi­ckelt hat. Es defi­niert Zivil­schutz fol­gen­der­ma­ßen: „Zivil­schutz ist die Auf­ga­be des Bun­des, durch nicht­mi­li­tä­ri­sche Maß­nah­men die Bevöl­ke­rung, ihre Woh­nun­gen und Arbeits­stät­ten, lebens- oder ver­tei­di­gungs­wich­ti­ge zivi­le Dienst­stel­len, Betrie­be, Ein­rich­tun­gen und Anla­gen sowie das Kul­tur­gut vor Kriegs­ein­wir­kun­gen zu schüt­zen und deren Fol­gen zu besei­ti­gen oder zu mil­dern. Behörd­li­che Maß­nah­men ergän­zen die Selbst­hil­fe der Bevöl­ke­rung. Zum Zivil­schutz gehö­ren ins­be­son­de­re der Selbst­schutz, die War­nung der Bevöl­ke­rung, der Schutz­bau, die Auf­ent­halts­re­ge­lung, der Kata­stro­phen­schutz nach Maß­ga­be des § 11 ZSKG, Maß­nah­men zum Schutz der Gesund­heit, Maß­nah­men zum Schutz von Kul­tur­gut. (vgl. § 1 ZSKG).“
Nach­dem sich seit dem Ende des Kal­ten Krie­ges nie­mand mehr ernst­haft um den Zivil­schutz geküm­mert hat und vie­le Res­sour­cen im Rah­men der Frie­dens­di­vi­den­de sogar abge­baut wur­den, gibt es jetzt viel zu tun. Fragt man Zivil­schüt­zer nach der aktu­el­len Lage, wird klar, dass sie abge­se­hen von den Erfah­run­gen, die sie aus grö­ße­ren Natur­ka­ta­stro­phen oder der Coro­na-Pan­de­mie gewin­nen konn­ten, einen gehö­ri­gen Bat­zen lie­gen­ge­blie­be­ner Arbeit auf­ho­len müs­sen. Die Band­brei­te reicht vom Aus­bau effi­zi­en­ter Warn- und Infor­ma­ti­ons­sys­te­me für Bun­ker, über den Auf­bau von Vor­rä­ten bis zum Schutz kri­ti­scher Infra­struk­tur, die sowohl ana­log wie auch durch Cyber­an­grif­fe bedroht sein könn­te. Vor­ran­gi­ges Ziel der Zivil­schüt­zer ist dabei, die Hand­lungs­fä­hig­keit staat­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen so lan­ge wie mög­lich auf­recht­zu­er­hal­ten, denn ohne sie kann in Not­la­gen weder der Bevöl­ke­rung gehol­fen wer­den, noch kön­nen Ren­ten aus­ge­zahlt wer­den.

Zivil­schutz in Göt­tin­gen >>> Der Land­kreis Göt­tin­gen und die Stadt Göt­tin­gen sind als unte­re Kata­stro­phen­schutz­be­hör­den für die Zivil­schutz­maß­nah­men in der Regi­on zustän­dig. Kon­kret befas­sen sich im Rah­men des all­ge­mei­nen Bevöl­ke­rungs­schut­zes beim Land­kreis Patrick Moritz, Fach­be­reichs­lei­ter Öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung, und sein fünf­köp­fi­ges Team und bei der Stadt Jan Tino Demel, Fach­be­reich Feu­er­wehr, Fach­dienst Leit­stel­le, Tech­nik & Kata­stro­phen­schutz (KatS), und sein vier­köp­fi­ges Team mit dem The­ma.
Zu ihren zen­tra­len Auf­ga­ben gehört die Ver­net­zung mit allen ande­ren Insti­tu­tio­nen, die in irgend­ei­ner Form für Zivil­schutz­fra­gen rele­vant sind. Die Band­brei­te reicht von den ver­schie­de­nen Ver­wal­tungs­be­rei­chen, über die Gemein­den, benach­bar­te Land­krei­se bis zu den Län­dern und umfasst eben­so Ener­gie­ver­sor­ger, wie Hilfs­diens­te oder Bun­des­wehr und Poli­zei, Kran­ken­häu­ser und Apo­the­ken und vie­le mehr. Dabei ver­su­chen die Zivil­schüt­zer sich nicht nur einen all­ge­mei­nen Über­blick zu ver­schaf­fen, wo wie­viel Treib­stoff lagert, wer über Trans­port­ka­pa­zi­tä­ten oder spe­zi­fi­sches Fach­wis­sen ver­fügt, son­dern klä­ren oft auch ganz kon­kre­te The­men: „Bei einem all­ge­mei­nen Aus­tausch mit ande­ren Behör­den“, erin­nert sich bei­spiels­wei­se Mar­lies Dor­nie­den, „haben wir gehört, dass kürz­lich Per­so­nen mit aus­län­di­schem Akzent an Was­ser­wer­ken auf­ge­taucht sei­en, um „etwas zu repa­rie­ren“. Wor­auf­hin dann ent­spre­chen­de Kon­troll­me­cha­nis­men wie Aus­weis­kon­trol­len ein­ge­führt wur­den.“

Alarm­ka­len­der >>> Ganz direkt beschäf­ti­gen sich die regio­na­len Zivil­schüt­zer gegen­wär­tig mit dem soge­nann­ten Alarm­ka­len­der, der von Han­no­ver aus bereits 2022 beauf­tragt wur­de. „Das hat für uns gera­de Prio­ri­tät“, erklärt Patrick Moritz. „Es geht dar­um, im Ernst­fall Staats- und Regie­rungs­funk­tio­nen über einen län­ge­ren Zeit­raum auf­recht­zu­er­hal­ten.“ Natür­lich ist es aber unmög­lich, sich auf jedes vor­stell­ba­re Sze­na­rio vor­zu­be­rei­ten. „Wir kön­nen nicht für alles einen Plan haben, den wir nach­her gar nicht brau­chen“, sagt Patrick Moritz. Sei­ne Vor­ge­setz­te, die Göt­tin­ger Kreis­rä­tin Mar­lies Dor­nie­den, die unter ande­rem das Dezer­nat für Öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung lei­tet, sieht das genau­so. „In der Kri­se“, zitiert sie Moritz, „muss man Köp­fe ken­nen.“ Des­halb bau­en die Zivil­schüt­zer nicht zuletzt auch ein Sys­tem von Ruf- und Alarm­be­reit­schaf­ten auf. „Wäh­rend der Coro­na-Lock­downs wur­de sehr deut­lich, wie wich­tig es ist, bestimm­te Schlüs­sel­funk­tio­nen am Lau­fen zu hal­ten, auch wenn Ver­wal­tungs­per­so­nal für ande­re Auf­ga­ben her­an­ge­zo­gen wird“, erklärt Mar­lies Dor­nie­den. „Sonst läuft drum­her­um nichts mehr.“

Dreh­kreuz Deutsch­land >>> Zum Zivil­schutz gehört auch die Unter­stüt­zung der Bun­des­wehr, die soge­nann­te „zivi­le Ver­tei­di­gung“, die für die Göt­tin­ger Zivil­schüt­zer eng mit dem Ope­ra­ti­ons­plan Deutsch­land ver­bun­den ist. „Das Bun­des­ge­biet ist im Rah­men des Ope­ra­ti­ons­plans Deutsch­land die maß­geb­li­che Dreh­schei­be für NATO-Ver­bän­de, die in Rich­tung Osten unter­wegs sind“, erklärt Patrick Moritz. „Durch sei­ne Lage und die Nähe zu A7 und A38 könn­te Göt­tin­gen eine wich­ti­ge Rol­le spie­len, wes­halb wir hier beson­ders sen­si­bel sind.“ „Und weil Mili­tär­ver­bän­de nicht von Rot­ter­dam bis nach Polen durch­fah­ren kön­nen“, ergänzt Jan Tino Demel aus Sicht der Stadt, „müs­sen wir uns auch dar­auf vor­be­rei­ten, bei Bedarf ein gro­ßes Gelän­de ein­zu­rich­ten, auf dem Trup­pen über­nach­ten, sich ver­sor­gen und Fahr­zeu­ge instand set­zen kön­nen.“

Stadt oder Land >>> Bei­de Bereichs­lei­ter haben zudem spe­zi­fi­sche The­men im Blick, die oft eng mit­ein­an­der ver­wo­ben sind. Wo zum Bei­spiel hal­ten sich gera­de wie vie­le Men­schen auf? „Tritt in Deutsch­land bei­spiels­wei­se der Ver­tei­di­gungs­fall ein“, führt Moritz aus, „könn­ten vie­le Men­schen beschlie­ßen, sich mit ihrem Hab und Gut nach Spa­ni­en in Sicher­heit zu brin­gen. Auf der ande­ren Sei­te erle­ben wir in den Som­mer­mo­na­ten im Harz wie­der­um eine gro­ße Zahl von Tou­ris­ten aus ande­ren Län­dern. Hin­zu kommt eine wahr­schein­li­che Ver­schie­bung von Men­schen aus der Stadt aufs Land, weil dort die Mög­lich­kei­ten der Selbst­ver­sor­gung bes­ser sind.“ Da sein Zustän­dig­keits­be­reich die Stadt Göt­tin­gen wie ein Donut umschließt, küm­mert sich sein Team auch dar­um, die Ver­ant­wort­li­chen in den 18 Gemein­den des Land­krei­ses ange­mes­sen vor­zu­be­rei­ten. „Wenn der Strom aus­fällt“, so Moritz, „muss ich die ja immer noch errei­chen kön­nen. Wir arbei­ten an Kom­mu­ni­ka­ti­ons­er­satz­kon­zep­ten, um im Bedarfs­fall die Gemein­den errei­chen zu kön­nen. Hin­zu kommt, dass sich auch die Gemein­den oft über klei­ne­re Sied­lun­gen erstre­cken. Des­halb ent­wi­ckeln wir einen Plan mit Anlauf­punk­ten in jedem Orts­teil, wo sich die Bevöl­ke­rung erst­mal hin­wen­den kann, um wich­ti­ge Neu­ig­kei­ten zu erhal­ten oder bei­spiels­wei­se Not­ru­fe abzu­set­zen. In Herz­berg am Harz star­tet gera­de ein Modell­pro­jekt.“
Fragt man Jan Tino Demel nach den Beson­der­hei­ten des Zivil­schut­zes im Stadt­ge­biet Göt­tin­gen, kommt er sofort dar­auf zu spre­chen, dass sich städ­ti­sche Haus­hal­te häu­fig von jeder Vor­rats­hal­tung ver­ab­schie­det haben. „Es gibt kei­ne Spei­se­kam­mern, es fehlt an Lager­platz“, erklärt er. „Gleich­zei­tig lässt sich ja eigent­lich immer irgend­wo in der Nähe ein­kau­fen. Das macht es uns nicht leicht, die Men­schen für das The­ma Selbst­schutz zu sen­si­bi­li­sie­ren.“

Ohne Selbst­schutz geht es nicht >>> Damit spricht er eine der schwie­rigs­ten Auf­ga­ben des Zivil­schut­zes an, denn damit Zivil­schutz funk­tio­nie­ren kann, müs­sen wir alle auch für unse­ren Selbst­schutz vor­sor­gen. Wir haben uns dar­an gewöhnt, dass im Not­fall schnell staat­li­che Hil­fe ein­trifft. Das wird jedoch so nicht immer funk­tio­nie­ren. „Im Ernst­fall gibt es eine gan­ze Rei­he von Sze­na­ri­en, in denen wir uns zuerst dar­um küm­mern müs­sen, unse­re Struk­tu­ren im Sin­ne der All­ge­mein­heit funk­ti­ons­fä­hig zu hal­ten“, erklärt Patrick Moritz. „Des­halb soll­te sich jeder fra­gen, was er braucht, um sich eini­ge Tage mit allem Not­wen­di­gen zu ver­sor­gen.“ Und damit meint er nicht nur Göt­tin­gens Sin­gle-Haus­hal­te. „Bei­spiels­wei­se habe ich vor kur­zem gehört“, so Patrick Moritz, „dass der Land­kreis ja Not­strom­ag­gre­ga­te habe, sodass die Strom­ver­sor­gung der Schu­len gewähr­leis­tet sei. Da muss­te ich wirk­lich über­le­gen, wo wir die­se Aggre­ga­te haben. Es gibt zwar wel­che, aber ihre Zahl ist begrenzt und wir wer­den sie ver­mut­lich weder Schu­len noch den mehr als 50 Senio­ren- und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen im Land­kreis zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen.“ Was die Ver­sor­gung von Ein­zel­per­so­nen angeht, ori­en­tie­ren sich Zivil­schüt­zer an all­ge­mei­nen Richt­wer­ten, die davon aus­ge­hen, dass nur ein bis zwei Pro­zent der Bevöl­ke­rung so ver­letz­lich sind, dass sie ohne ihre Unter­stüt­zung nicht über­le­ben könn­ten.
Natür­lich muss sich nun nicht jeder gleich ein Not­strom­ag­gre­gat anschaf­fen, einen Bun­ker im Gar­ten anle­gen oder Satel­li­ten­te­le­fo­ne für die Ver­wandt­schaft besor­gen, aber ein Gas­ko­cher und ein ein­wö­chi­ger Vor­rat an unver­zicht­ba­ren Medi­ka­men­ten sind eben­so sinn­voll, wie sich mit dem engs­ten Kreis gelieb­ter Men­schen ein­mal dar­über zu ver­stän­di­gen, wo man sich tref­fen könn­te, wenn aus wel­chem Grund auch immer kei­ne Tele­fo­ne mehr funk­tio­nie­ren.

Wie vie­le Tage? >>> Wün­schens­wert wären für die Zivil­schüt­zer Vor­rä­te für zehn Tage, aber wenn wir uns auf drei Tage vor­be­rei­ten wür­den, wäre schon viel gewon­nen. Das klingt mach­bar, oder? Doch schau­en wir uns zuhau­se um, was, von dem, was wir täg­lich brau­chen, wür­de drei Tage lang rei­chen? Den­ken wir über­haupt an alles? Zumin­dest die­se Fra­ge lässt sich leicht beant­wor­ten. Erst kürz­lich wur­de vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um eine Bro­schü­re neu auf­ge­legt, in der die Grund­la­gen gut beschrie­ben sind.
Doch mit Vor­rats­hal­tung hört Selbst­schutz nicht auf. Zivil­schüt­zer wie Jan Tino Demel fügen hier gern einen sehr ernst gemein­ten „Wer­be­block“ fürs Ehren­amt ein. „Für einen funk­tio­nie­ren­den Zivil­schutz sind wir auf das Ehren­amt ange­wie­sen“, so Demel. „Ohne die­ses Enga­ge­ment kön­nen weder Feu­er­weh­ren noch das Deut­sche Rote Kreuz oder all die ande­ren Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen funk­tio­nie­ren. Gleich­zei­tig ver­mit­teln sie wich­ti­ge Fähig­kei­ten.“ „Lei­der nimmt die Bereit­schaft zum Ehren­amt immer mehr ab“, beschreibt Patrick Moritz. „Die­je­ni­gen, die sich enga­gie­ren, tun das oft in zwei oder noch mehr Funk­tio­nen und sind dar­über hin­aus oft auch beruf­lich in dem Bereich aktiv. Im Ernst­fall kön­nen die aber nur an einer Stel­le hel­fen.“
Auch die aktu­el­le Dis­kus­si­on um die Wie­der­ein­füh­rung des Wehr­diens­tes betrifft den Zivil­schutz. „Ich unter­stüt­ze hier aus­drück­lich die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen“, erklärt Dor­nie­den, „die par­al­lel zur Bun­des­wehr auch einen Ersatz­so­zi­al­dienst for­dern. Das war in der Ver­gan­gen­heit für vie­le Men­schen ein Ein­stieg in eine spä­te­re ehren­amt­li­che Mit­ar­beit.“
Momen­tan braucht es wohl vor allem eine groß­an­ge­leg­te und lang­fris­tig kon­zi­pier­te Sen­si­bi­li­sie­rungs­kam­pa­gne, um uns dazu zu brin­gen, unse­re Köp­fe aus dem sprich­wört­li­chen Sand zu heben. „Bei einer Über­flu­tung fül­len wir alle zusam­men Sand­sä­cke“, beschreibt Patrick Moritz die Lage. „Danach setzt aber schnell eine Art Kata­stro­phen­de­menz ein. Die müs­sen wir über­win­den.“ Die Göt­tin­ger Kreis­rä­tin Mar­lies Dor­nie­den schlägt bei­spiels­wei­se vor, mit ent­spre­chen­den Inhal­ten in den Poli­tik- oder Gemein­schafts­kun­de-Unter­richt der neun­ten oder zehn­ten Klas­sen zu gehen. „Kin­der sind gute Mul­ti­pli­ka­to­ren“, sagt sie. „Sie brin­gen das The­ma mit nach Hau­se.“
Am Ende läuft es für jeden Ein­zel­nen wohl auf die Fra­ge hin­aus: Wie wahr­schein­lich ist ein Sze­na­rio, in dem man dar­auf ange­wie­sen sein könn­te, sich selbst und die liebs­ten Men­schen eini­ge Tage lang selbst ver­sor­gen zu müs­sen? Unwahr­schein­li­cher ist die­ser Fall in den letz­ten Jah­ren ganz sicher nicht gewor­den.

In Deutsch­land größ­ten­teils abge­schafft: Lager­ka­pa­zi­tä­ten zur Vor­rats­hal­tung von Grund­nah­rungs­mit­teln für die Bevöl­ke­rung

Poli­zei im Zivil­schutz
Im Kon­text der Zivi­len Alarm­pla­nung zählt die Poli­zei­di­rek­ti­on (PD) Göt­tin­gen als soge­nann­te alarm­ka­len­der­füh­ren­de Stel­le, das heißt, sie trifft orga­ni­sa­to­ri­sche und per­so­nel­le Vor­keh­run­gen zur Umset­zung des Alarm­ka­len­ders, z. B. Maß­nah­men zur War­nung der Bevöl­ke­rung oder des Objekt­schut­zes. Für Poli­zei­be­am­tin­nen und Poli­zei­be­am­te, die auf kon­zep­tio­nel­ler Ebe­ne mit der Umset­zung poli­zei­li­cher Auf­ga­ben in der Zivi­len Ver­tei­di­gung bzw. des Zivil­schut­zes betraut sind, gibt es spe­zi­fi­sche Aus- und Fort­bil­dungs­for­ma­te. Außer­dem gibt es lan­des­wei­te Aus­tausch­for­ma­te, z. B. mit der Bun­des­wehr. Zum The­ma Zivil­schutz äußert sich Tan­ja Wulff-Bruhn, Prä­si­den­tin der Poli­zei­di­rek­ti­on Göt­tin­gen opti­mis­tisch: „Wir sind gemein­sam am Ball und pas­sen uns den sich ver­än­dern­den Rah­men­be­din­gun­gen in unse­ren Struk­tu­ren und Abläu­fen fort­lau­fend an. Die Regi­on ist gut auf­ge­stellt.“

Ope­ra­ti­ons­plan Deutsch­land
Als Reak­ti­on auf den Angriff Russ­lands auf die Ukrai­ne hat die Bun­des­re­gie­rung 2023 eine Natio­na­le Sicher­heits­stra­te­gie for­mu­liert, zu deren Inhal­ten auch der Ope­ra­ti­ons­plan Deutsch­land als wesent­li­cher mili­tä­ri­scher Anteil an der Gesamt­ver­tei­di­gung Deutsch­lands zählt. Feder­füh­rend bei sei­ner Umset­zung ist das Ope­ra­ti­ve Füh­rungs­kom­man­do der Bun­des­wehr. In dem mehr als 1.000 Sei­ten lan­gen, teils gehei­men Ope­ra­ti­ons­plan, des­sen ers­te Fas­sung Anfang 2024 vor­lag – die zwei­te wird Mit­te 2026 fer­tig­ge­stellt – spielt die Bereit­stel­lung ein­satz­be­rei­ter Streit­kräf­te an den NATO-Außen­gren­zen eine wich­ti­ge Rol­le, für die wie­der­um eine funk­tio­nie­ren­de zivil-mili­tä­ri­sche Zusam­men­ar­beit ent­schei­dend ist. Im Ernst­fall müs­sen näm­lich inner­halb von sechs Mona­ten bis zu 800.000 alli­ier­te Sol­da­ten und 200.000 Fahr­zeu­ge durch Deutsch­land ver­legt und ver­sorgt wer­den.

Rat­ge­ber zum The­ma Selbst­schutz
Der neue Rat­ge­ber Vor­sor­gen für Kri­sen und Kata­stro­phen fasst Vor­be­rei­tungs- und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für ver­schie­de­ne Not­si­tua­tio­nen zusam­men. Check­lis­ten unter­stüt­zen bei der Umset­zung.
www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Vorsorge/vorsorge_node

Wie viel brau­chen wir, wovon?
Über die­sen Kal­ku­la­tor lässt sich Vor­rats­hal­tung indi­vi­du­ell pla­nen.
www.ernaehrungsvorsorge.de/private-vorsorge/notvorrat/vorratskalkulator

Inter­view­part­ner:

Mar­lies Dor­nie­den, Land­kreis Göt­tin­gen
Kreis­rä­tin, u. a. Lei­te­rin Dezer­nat für Öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung

Patrick Moritz, Land­kreis Göt­tin­gen
Fach­be­reichs­lei­ter Öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung

Jan Tino Demel, Stadt Göt­tin­gen
Fach­be­reich Feu­er­wehr, Fach­dienst Leit­stel­le, Tech­nik & KatS

Tan­ja Wulff-Bruhn
Prä­si­den­tin der Poli­zei­di­rek­ti­on Göt­tin­gen