Schwimmen zu lernen, wird angesichts sanierungsbedürftiger Schwimmbäder mit hohen Betriebskosten und fehlenden Schwimmlehrern mehr und mehr zum Glücksfall. Wie ist die Lage vor Ort?
Text: Ulrich Drees | Fotos: Adobe Stock, Archiv
Dass es in einem Land voller Strandurlauber, Badesee-Fans und Freibad-Besucher immer mehr Nichtschwimmer gibt, mag zwar kein Weltuntergang sein, akzeptabel ist es jedoch nicht. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ertranken in Deutschland im Jahr 2024 mindestens 411 Menschen. Ein vorläufiger Höchstwert, der 2025 erst einmal wieder leicht zurückging, da die DLRG bis zum Ende der „Schwimmsaison“ im September 321 Ertrunkene zählte. Im wasserreichen Niedersachsen ertranken im Jahr 2024 laut DLRG 46 Menschen, bis September 2025 waren es 37 – was auf ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr hindeutet. Damit ist Niedersachsen im Bundesvergleich auf einem Spitzenplatz. Zur Einordnung dieser Zahlen ist jedoch wichtig, dass sie nicht nur „klassische Badeunfälle“ abbilden und auch unklar ist, wie viele Nichtschwimmer unter den Ertrunkenen waren. DLRG-Experten gehen sogar eher davon aus, dass es sich bei den meisten Toten um Menschen handelte, die sich als Schwimmer einschätzten, aber ihre Fähigkeiten überschätzten.
Schwimmen als Allgemeinbildung? >>> Unabhängig davon, wie häufig wir tatsächlich nennenswerte Strecken im Wasser zurücklegen, gilt die Schwimmfähigkeit in Deutschland heute ähnlich dem Radfahren als grundlegende Alltagsfähigkeit. Hinzu kommen noch die anerkannten positiven Gesundheitseffekte und der potenzielle Freizeitwert, den es mit sich bringen kann.
Deshalb verwundert es auch nicht, dass die Zahl der Mitglieder in den Vereinen des Deutschen Schwimmverbandes mit mehr als 600.000 zum 1. Januar 2025 einen historischen Höchststand erreichte. Parallel dazu diskutiert die Öffentlichkeit jedoch über die steigende Zahl von Nichtschwimmern und die zunehmenden Schwierigkeiten der Schulen, einen verlässlichen und funktionierenden Schwimmunterricht anzubieten. Passt das zusammen? Durchaus, denn vermutlich melden immer mehr Eltern ihre Kinder deshalb in Schwimmvereinen an, weil sie in der Schule nicht mehr schwimmen lernen. Entsprechend lange Wartelisten für die Schwimmkurse der Vereine sind die Folge.
Dass in der Tat immer weniger Menschen schwimmen können, geht dabei aus repräsentativen Umfragen der DLRG und des Meinungsforschungsinstituts forsa hervor. Gaben 2017 ca. 3 % der Bevölkerung an, nicht schwimmen zu können, waren es 2022/2023 bereits ca. 5 %. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Kinder im Grundschulalter, die nicht schwimmen konnten, von ca. 10 % im Jahr 2017 auf ca. 20 % im Jahr 2022.
Wer gibt Unterricht? >>> Ursachenforschung ist hier nicht allzu schwierig. Obwohl die Schulen theoretisch einen flächendeckenden Schwimmunterricht anbieten sollten, hängt das in der Praxis davon ab, wo und ob für die Schulen überhaupt Wasserzeiten verfügbar sind. Gerade im ländlichen Südniedersachsen ist Schwimmunterricht vielfach nur nach langen Busfahrten zu entsprechend ausgestatteten Hallenbädern möglich. 45 Minuten für eine Fahrt sind keine Seltenheit; rechnet man noch Umkleidezeiten und Organisation hinzu, bleibt dann kaum noch Wasserzeit übrig. Manche Schulen reduzieren den Schwimmunterricht deshalb auf zweiwöchentliche Termine oder bündeln ihn in Projektphasen, die wiederum kompliziert zu organisieren sind. Selbst qualifizierte Schwimmlehrer sind inzwischen häufig Mangelware.
Neben den Schulen zählen darum längst Schwimmvereine und die DLRG zu den unverzichtbaren Anbietern. Mit Anfängerkursen, Seepferdchen- und Bronze-Abzeichen bieten sie vieles, was die Schulen nicht mehr leisten können. Aber auch diese Akteure stoßen angesichts mangelnder Wasserzeiten, monatelanger Wartelisten für die verfügbaren Schwimmzeiten und nicht zuletzt immer weniger qualifizierter Übungsleiter an ihre Grenzen.
Ergänzend existieren längst auch private oder kommunale Kursangebote – in Göttingen beispielsweise im Badeparadies Eiswiese –, die professionell organisiert und gut nachgefragt, aber eben auch kostenpflichtig sind. So wird das Schwimmenlernen auch zur Frage der finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses und des Wohnorts.
Von der Eiswiese bis zum Schwimmcontainer >>> Wie angespannt die Situation auch im Landkreis Göttingen ist, zeigte sich Ende 2025 an der Diskussion über die Anschaffung eines Schwimmcontainers durch den Landkreis und zahlreichen Nachrichten über nötige Sanierungen sowie die Frage, wie mit der Situation umgegangen werden sollte.
Je nach Definition gibt es im Landkreis Göttingen zwar 15 bis 17 Schwimmbäder, darunter Hallenbäder, Lehrschwimmbecken und Freibäder. Für den Schwimmunterricht sind jedoch nur sechs bis sieben dieser Bäder geeignet – demgegenüber steht ein Landkreis mit einer Gesamtfläche von rund 1.755 km² und ca. 328.028 Einwohnern, unter denen sich vermutlich mehr als 6.000 Grundschulkinder befinden dürften.
Zentral für den regionalen Schwimmunterricht ist dabei das Badeparadies Eiswiese in der Stadt Göttingen. Hinzu kommen Lehrschwimmbecken in Gemeinden wie Rosdorf, Gieboldehausen, Hann. Münden und Adelebsen sowie Kursangebote in der Schwimmhalle des Hochschulsports der Universität Göttingen.
In den anderen Bädern ist ein systematischer Schwimmunterricht nur schwer zu verwirklichen. Freibäder sind beispielsweise nur saisonal nutzbar und im Schulalltag schwer einzuplanen. Hier finden deshalb eher Sommer- und Ferienkurse statt, die z. B. von Vereinen angeboten werden.
Schwimmen lernen in Göttingen >>> Wer in Göttingen schwimmen lernen möchte, kommt selten am Badeparadies Eiswiese vorbei. Als ganzjährig geöffnetes Hallenbad übernimmt es die wohl wichtigste Rolle der regionalen Schwimmausbildung.
Allein im vergangenen Jahr wurden in der Eiswiese im Schulschwimmen über 40.700 Eintritte gezählt – ein klarer Beleg dafür, dass die Göttinger Sport und Freizeit GmbH & Co. KG (GöSF), eine kommunale Tochter der Stadt Göttingen, hier ihren gesellschaftlichen Auftrag wahrnimmt. 40 bis 50 Schulen aus Stadt und Landkreis nutzen regelmäßig die Wasserflächen der Eiswiese für ihre 3. bis 10. Klassen. Auch die Berufsbildenden Schulen setzen vermehrt auf Schwimmtraining, das in den Sommermonaten dabei oft auch im Freibad stattfindet. Zusätzlich gestalten Vereine wie der ASC, der TWG oder die DLRG das Kursangebot für Kinder aktiv mit. Ergänzt wird dies durch das eigene Kursprogramm der GöSF, die als einziger Anbieter in Göttingen auch Schwimmkurse für Erwachsene durchführt. Da die GöSF bei ihren Angeboten besonderen Wert auf Qualität legt, werden Wasserzeiten ausschließlich an qualifizierte Anbieter vergeben, die entsprechende Nachweise vorlegen. Auf diese Weise wird die Umsetzung einer sicheren und fachlich fundierten Schwimmausbildung gewährleistet.
Die starke Nachfrage nach den Kapazitäten der Eiswiese, bei denen durch die Schulzeiten, Feierabendkurse und Vereinsangebote nur noch begrenzt Freiräume existieren, sorgt bei den Verantwortlichen darüber hinaus bereits für ein Nachdenken darüber, ob an einzelnen Vormittagen perspektivisch noch zusätzliche Formate denkbar sein könnten – etwa für Vorschulkinder oder integrative Gruppen.
Der ASC baut in Rosdorf >>> Die Bedeutung, die auch die Bewohner des Landkreises Göttingen dem Schwimmen beimessen, zeigt sich auch daran, dass es von ca. 2.000 der mehr als 13.000 Mitglieder des ASC Göttingen von 1846 e. V. – einem der größten Sportvereine Deutschlands – betrieben wird. Zusätzlich zur Nutzung des GöSF-Angebots auf der Eiswiese und des Schwimmbads des Sportinstituts der Universität Göttingen realisiert der ASC nun sein eigenes Hallenbad in Rosdorf. Dass der Göttinger ASC sein Bad nicht in der Stadt Göttingen, sondern in Rosdorf neben dem dortigen Freibad ansiedeln wird, liegt darin begründet, dass sich im Stadtgebiet schlicht kein Standort finden ließ, der die gewünschte energetische Nachhaltigkeit und eine gute Erreichbarkeit gewährleistet hätte. Hinzu kam, dass der ASC das Projekt als vereinseigenes Bad verwirklichen will. Um dort zu schwimmen oder schwimmen zu lernen, braucht es eine Vereinsbindung. Andere Vereine und Institutionen werden sich jedoch Zeit-Slots kaufen können; beispielsweise hat der Landkreis Göttingen bereits zehn Stunden in der Woche für schulisches Schwimmen gebucht. Verhandlungen mit der Gemeinde Rosdorf laufen, um deren Schulen, Kindergärten und Vereinen sowie den Dauerkarteninhabern des Freibads Möglichkeiten zu eröffnen.
Aus dem Konzept des Vereinsbades und damit dem Verzicht auf Sauna, Babybecken oder Sprungturm ergeben sich darüber hinaus vergleichsweise niedrige Investitionskosten für das geplante Hallenbad, was dem Projekt des ASC gerade in Sachen Gewährleistung eines Angebots für lokalen Schwimmunterricht echten Vorbildcharakter verleihen könnte. Insgesamt wird das Hallenbad dreieinhalb Millionen Euro kosten: Eine Million kommen aus ASC-Eigenmitteln, 1,6 Millionen aus Darlehen und eine weitere Million wird der Verein aus dem Verkauf von Schwimmstunden, Fördermitteln vom Landkreis Göttingen und Landessportbund sowie weiteren Förderern und Spenden realisieren. Bundes- oder Landesmittel waren für das Projekt leider nicht verfügbar, da sie nur in die Erhaltung von Schwimmbädern fließen und keine neuen innovativen Projekte fördern können.
Trübe Aussichten an der Uni >>> Auch der Hochschulsport der Universität Göttingen – dem übrigens auch Nicht-Studierende beitreten können – bietet Kurse an. Das Schwimmbad der Universität an der Zentralen Einrichtung für Sport und Gesundheit (ZESG) am Sprangerweg bietet neben einer 25-Meter-Bahn als einziges in Göttingen auch eine Tiefe von dreieinhalb Metern, wie sie beispielsweise für Unterwasser-Rugby benötigt wird. Neben der Möglichkeit zum Wassersport können hier jedoch auch Kinder und Erwachsene in spezifischen Kursangeboten das Schwimmen erlernen. Nicht nur in diesem Zusammenhang wird das Bad dabei schon seit Langem weniger von Studierenden oder Bediensteten der Universität, sondern vielmehr extern, z. B. von Vereinen, genutzt.
Dies könnte sich jedoch schon bald ändern, denn die aus den 70er-Jahren stammende Technik des Schwimmbades muss bald erneuert werden. Obwohl das Problem seit geraumer Zeit bekannt ist und die Universität und die Stadt Göttingen auch über Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht haben, fehlen die nötigen Mittel für eine Sanierung – vermutlich mehr als drei Millionen Euro – weiterhin.
Zwar mangelt es seitens der Ratsfraktionen nicht an Bekundungen zum Erhalt des Angebots, konkrete Lösungen sind jedoch nicht in Sicht. Und daran dürfte sich angesichts der desolaten Finanzlage der Stadt und ihrer Tochtergesellschaft GöSF auch kaum etwas ändern, weshalb die Schließung des Bades immer näher rückt. Die Universität selbst ist jebenfalls nicht daran interessiert, allein die nötigen Investitionen für eine Einrichtung zu tragen, die überwiegend extern genutzt wird.
Container gegen das Untergehen? >>> Nachdem klar wurde, dass die sanierungsbedürftige Schwimmhalle in Adelebsen in naher Zukunft für ein bis zwei Jahre als Angebot für den Schwimmunterricht ausfallen würde, begann im Westen des Landkreises Göttingen die Suche nach Alternativen. Schwimmanfänger aus den Adelebser Schulen mit Bussen zu anderen, ohnehin ausgelasteten Schwimmbädern zu bringen, war logistisch jedoch kaum zu realisieren. Auch der Vorschlag, vorhandene Schwimmbäder mit Überdachungen auszustatten, um sie zuverlässig nutzen zu können, wurde verworfen. Übrig blieb die Idee eines mobilen Schwimmcontainers.
Solche Schwimmcontainer werden in Deutschland bereits erfolgreich als Übergangslösungen eingesetzt, um Kindern erste Erfahrungen im Wasser oder Rehasport zu ermöglichen. Sie basierten ursprünglich auf umgebauten Hochseecontainern, mittlerweile werden eigens konzipierte Stahlgerüste verwendet. In beiden Fällen werden diese mit einer Heizung, Wasseraufbereitung und Strömungsgeneratoren ausgestattet. Umkleide und Technik werden dann jeweils in einem weiteren Container untergebracht. Das komplette Modul lässt sich per Lkw zu Einsatzorten transportieren, kann also flexibel eingesetzt werden.
Nach einer ganzen Reihe von Anträgen der FDP-Kreistagsfraktion versammelte sich schließlich eine politische Mehrheit hinter der Idee, das 3 m mal 13 m große Schwimmcontainer-Modell „Nawali“ eines Dürener Anbieters zu kaufen, das in Nordrhein-Westfalen bereits erfolgreich eingesetzt wird. Der Landkreis Göttingen sollte dafür 700.000 Euro sowie weitere 300.000 Euro für den zehnjährigen Betrieb der Anlage bereitstellen.
Zwar fiel „Nawali“ im Ausschreibungsverfahren zunächst durch – dem Vorsitzenden der FDP-Kreistagsfraktion Tom Stiller zufolge, weil beispielsweise eine Einstiegstreppe wenige Zentimeter zu kurz war –, doch nachdem unter anderem, unterstützt von Marcel Riethig, ein neues Finanzierungsmodell gefunden worden war, ging es trotzdem weiter. Statt des Landkreises sollte eine GmbH den Container anschaffen, und der Kreissportbund (KSB) sollte diesen dann mieten. Die im Haushalt des Landkreises für den Kauf eingestellten Mittel sollten für zehn Jahre die Miete garantieren, während die Betriebskosten vom Kreissportbund getragen werden sollten. Dieser sollte dabei durch Mittel des Landkreises, Spenden und Sponsoren sowie Nutzungsgebühren vor Ort unterstützt werden.
Sah es also Ende 2025 so aus, als könne das Projekt Realität werden, erteilte der Kreissportbund ihm in einer Pressemitteilung vom 6. Februar 2026 dann doch eine Absage. „Nach nochmaliger umfassender Abwägung der zu erwartenden Gesamtkosten erscheint das Projekt aktuell nicht umsetzbar, da weitere Folgekosten nicht abgesichert werden konnten“, so die Pressemitteilung. Zwar sei dank der Unterstützung mehrerer Sponsoren und Spender der Betrieb in Adelebsen für die ersten beiden Betriebsjahre sichergestellt worden – für die Folgejahre konnte eine Finanzierung jedoch nicht gesichert werden. „Der Schwimmcontainer ist ein interessantes Konzept, stellt unter den gegebenen Rahmenbedingungen für den Kreissportbund allerdings keine wirtschaftlich tragbare Lösung dar“, erklärte Dennis Dörner, Geschäftsführer und Vorstandssprecher des KSB, und dankte allen Beteiligten für ihr bisheriges Engagement.
Unverdrossen reichte die FDP-Kreistagsfraktion daraufhin Mitte Februar ihren inzwischen achten Antrag ein, im Rahmen einer erneuten gemeinsamen Anstrengung aller Parteien doch noch die nötigen Mittel für das Projekt zu gewährleisten, doch aktuell scheint das Projekt nicht realisierbar zu sein.
Adelebser Sanierung ist finanziert >>> Immerhin ist die umfassende Sanierung der Adelebser Schwimmhalle für voraussichtlich 7,3 Millionen Euro gesichert. Nachdem Ende 2025 im Rahmen des Sportstätteninvestitionsprogramms mit einem Gesamtfördervolumen von 25 Millionen Euro ein entsprechender Förderantrag des Landkreises Göttingen bewilligt worden war, übernimmt das Land Niedersachsen 1,37 Millionen Euro dieser Kosten. Ein echter Erfolg für das Projekt in Adelebsen, das sich bisher als einziges im Landkreis im Wettbewerb um die Fördermittel aus dem Landesprogramm und einem noch weitaus größeren Bundesförderprogramm durchsetzen konnte. Und wie zu hören ist, werden auch die „Sieben Pinguine“ auf den Kacheln am Beckenrand die Sanierung gut überstehen – schließlich sind sie für viele Adelebser so etwas wie das inoffizielle Wahrzeichen ihrer Schwimmhalle.
Duderstadt auf dem Weg zum Hallenbad >>> Seit 2019 das alte, marode Hallenbad Auf der Klappe geschlossen wurde, fehlt es auch in Duderstadt an einem verlässlichen ganzjährigen Angebot. Deshalb hat die Stadt nun einen Antrag auf Mittel aus dem deutlich überzeichneten Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ gestellt, um ein Hallenbad mit vier 25-Meter-Bahnen zu realisieren. Falls die nötigen Mittel hier nicht bewilligt werden, sollen weitere passende Möglichkeiten für eine Finanzierung – wie etwa die Landesgartenschau – ins Auge gefasst werden.
Die 50 Meter von Northeim >>> Auch im benachbarten Northeim geht es aktuell um die Zukunft des von der Northeimer Sport und Freizeit GmbH (NomSF) betriebenen Hallenbades. Als einziges Hallenschwimmbad in Südniedersachsen mit 50-m-Bahnen bietet es wichtige Trainingsmöglichkeiten für den regionalen Schwimmsport sowie für Vereine aus anderen Regionen bundesweit. Da im Northeimer Hallenbad jedoch der sogenannte Betonkrebs festgestellt wurde, eine chemische Reaktion im Beton, durch die Bauteile irreparabel beschädigt wurden, plant die Stadtverwaltung gegenwärtig den Neubau eines Hallenschwimmbades, der in einigen Jahren realisiert werden soll.
Nach einem grundsätzlichen Ratsbeschluss im Oktober 2025 sprach sich die Northeimer Politik für ein nach aktuellem Stand rund 50 Millionen Euro teures Projekt aus, das neben potenziellen Fördermitteln beispielsweise aus dem neuen Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ größtenteils durch die Stadt finanziert werden müsste. Dabei ist geplant, den Neubau auf dem Grundstück neben dem heutigen Hallenbad und der 2026 in Betrieb gehenden Schuhwallsporthalle entstehen zu lassen. Dadurch kann der Schwimmbetrieb und damit auch der Schwimmunterricht im Idealfall bis zur Inbetriebnahme eines neuen Bades ohne Unterbrechungen weitergeführt werden.
Was die Möglichkeiten zum Schwimmenlernen angeht, ist die Lage im Landkreis Göttingen also angespannt, aber nicht hoffnungslos. Die im Zusammenhang mit dem Hallenbad in Adelebsen angesprochene deutliche Überzeichnung der von Land und Bund aufgelegten Förderprogramme zeigt außerdem deutlich, dass die Lage an vielen anderen Orten ähnlich schwierig oder noch angespannter ist. Gleichzeitig wird bei genauerem Hinsehen deutlich, dass sich in der Region vom Landkreis über den Kreissportbund und die DLRG bis zu den Vereinen alle Akteure über die Bedeutung des Schwimmunterrichts einig sind. Ob das ausreicht, um eine weitere Verschlechterung der Lage zu verhindern, wird sich zeigen müssen.
Projektskizze für den geplanten Hallenbad-Neubau auf dem Gelände des Freibades in Duderstadt (Foto: VISION 12 ! Projektentwicklungs- und Planungs- GmbH)
Der ASC Göttingen von 1846 e. V. realisiert sein eigenes Hallenbad in Rosdorf (Foto: RSE + Architekten Ingenieure GmbH)
Mobile Schwimmcontainer als Übergangslösung? (Foto: Land NRW / Mark Hermenau)
Eiswiese Göttignen (Foto: GöSF)
Sanierung der Schwimmhalle in Adelebsen
Eine moderne Idee
Die organisierte Vermittlung von Schwimmfähigkeit begann sich in Europa erst im 19. Jahrhundert langsam durchzusetzen. Erst an dessen Ende hielt ein organisiertes Schulschwimmen Einzug in deutschen Großstädten. Trotzdem blieb das Schwimmen lange eine Spezialfertigkeit, über die z. B. Militärs oder bestimmte bürgerliche Schichten verfügten. Noch um 1900 konnten sich weniger als zehn Prozent der Bevölkerung einigermaßen sicher über Wasser halten. Schwimmen als etwas zu sehen, was alle Bürger eines Landes können sollten, ist eine sehr moderne Sichtweise, die sich auch in Deutschland erst in den 60er- und 70er-Jahren durchzusetzen begann, als parallel auch vielerorts neue Schwimm- und Hallenbäder entstanden.
Wann kann man schwimmen?
Was heißt es eigentlich, „schwimmen zu können“? Für die Sportwissenschaft ist das die Selbstrettungsfähigkeit, sich ohne Hilfsmittel in tiefem Wasser einige Minuten über Wasser halten und ca. 25 m fortbewegen zu können. Wer dazu fähig ist, ist kein Nichtschwimmer mehr – klassischerweise entspricht das dem Niveau eines „Seepferdchen“-Kurses. Das DLRG-Bronzeabzeichen verlangt dann bereits, 200 m in 15 min zu bewältigen.
Jörg Schnitzerling
Vorsitzender des ASC Göttingen von 1846 e. V.
„Schwimmen zu können ist lebensnotwendig und für viele Menschen in und um Göttingen eine Freude in ihrem Alltag. Wir wollen mit unserem innovativen Projekt dafür die Wasserfläche liefern – helfen Sie uns dabei!“
Dennis Dörner
Geschäftsführer und Vorstandssprecher Kreissportbund Göttingen-Osterode
„Uns liegt das Wohl der Kinder besonders am Herzen. Dazu gehört die Förderung der Schwimmfähigkeit. Denn das ist für die Kinder überlebenswichtig. Von daher müssen wir gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die Schwimmstätten im Landkreis erhalten bleiben und wenn möglich weiter ausgebaut werden.“
Jörn Lührs
Geschäftsführer der GöSF
„Unsere Verantwortung für die Schwimmausbildung ist groß. Im Zusammenspiel mit weiteren Einrichtungen sind wir ein zentraler Baustein, damit Kinder und Jugendliche in Göttingen sicher schwimmen lernen. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch politisch gewollt. Wenn die Stadt sagt: Alle sollen schwimmen lernen, braucht es starke Orte – und wir sind einer davon.“
Marcel Riethig
Vorläufig des Dienstes enthobener Landrat des Landkreises Göttingen
„Wir wollen, dass alle Kinder schwimmen lernen. Umso wichtiger ist die Investition des Landkreises Göttingen in die Adelebser Schwimmhalle. Leider dauert die Sanierung viele Monate, sodass in dieser Zeit eine Alternative benötigt wird. Der Schwimmcontainer ist eine pragmatische, flexible Zwischenlösung, die wir gemeinsam mit Kreissportbund, DLRG und anderen umsetzen. Der Container soll nach der Sanierung der Schwimmhalle in Adelebsen auch an anderen Orten zum Einsatz kommen, damit möglichst alle Kinder schwimmen lernen.“ (Foto: Landkreis Göttingen / Kimmel)
Tom Stiller
FDP-Kreistagsabgeordneter
„„Der Schwimmcontainer ist mehr als nur ein mobiler Ort des Schwimmenlernens und Aquafitness. Er kann ein verbindendes Element im Landkreis werden. Er bringt Menschen und Regionen zusammen. Er ist ein Beispiel für konstruktive, bürgernahe Politik – für alle, weil er über die Zeit alle erreicht. Ein Signal, dass Politik von Menschen auch für Menschen gemacht wird und nicht abgehoben vor sich hin verwaltet.“
