Schwim­men zu ler­nen, wird ange­sichts sanie­rungs­be­dürf­ti­ger Schwimm­bä­der mit hohen Betriebs­kos­ten und feh­len­den Schwimm­leh­rern mehr und mehr zum Glücks­fall. Wie ist die Lage vor Ort?

Text: Ulrich Drees | Fotos: Ado­be Stock, Archiv

Dass es in einem Land vol­ler Strand­ur­lau­ber, Bade­see-Fans und Frei­bad-Besu­cher immer mehr Nicht­schwim­mer gibt, mag zwar kein Welt­un­ter­gang sein, akzep­ta­bel ist es jedoch nicht. Laut der Deut­schen Lebens-Ret­tungs-Gesell­schaft (DLRG) ertran­ken in Deutsch­land im Jahr 2024 min­des­tens 411 Men­schen. Ein vor­läu­fi­ger Höchst­wert, der 2025 erst ein­mal wie­der leicht zurück­ging, da die DLRG bis zum Ende der „Schwimm­sai­son“ im Sep­tem­ber 321 Ertrun­ke­ne zähl­te. Im was­ser­rei­chen Nie­der­sach­sen ertran­ken im Jahr 2024 laut DLRG 46 Men­schen, bis Sep­tem­ber 2025 waren es 37 – was auf ein ähn­li­ches Ergeb­nis wie im Vor­jahr hin­deu­tet. Damit ist Nie­der­sach­sen im Bun­des­ver­gleich auf einem Spit­zen­platz. Zur Ein­ord­nung die­ser Zah­len ist jedoch wich­tig, dass sie nicht nur „klas­si­sche Bade­un­fäl­le“ abbil­den und auch unklar ist, wie vie­le Nicht­schwim­mer unter den Ertrun­ke­nen waren. DLRG-Exper­ten gehen sogar eher davon aus, dass es sich bei den meis­ten Toten um Men­schen han­del­te, die sich als Schwim­mer ein­schätz­ten, aber ihre Fähig­kei­ten über­schätz­ten.

Schwim­men als All­ge­mein­bil­dung? >>> Unab­hän­gig davon, wie häu­fig wir tat­säch­lich nen­nens­wer­te Stre­cken im Was­ser zurück­le­gen, gilt die Schwimm­fä­hig­keit in Deutsch­land heu­te ähn­lich dem Rad­fah­ren als grund­le­gen­de All­tags­fä­hig­keit. Hin­zu kom­men noch die aner­kann­ten posi­ti­ven Gesund­heits­ef­fek­te und der poten­zi­el­le Frei­zeit­wert, den es mit sich brin­gen kann.
Des­halb ver­wun­dert es auch nicht, dass die Zahl der Mit­glie­der in den Ver­ei­nen des Deut­schen Schwimm­ver­ban­des mit mehr als 600.000 zum 1. Janu­ar 2025 einen his­to­ri­schen Höchst­stand erreich­te. Par­al­lel dazu dis­ku­tiert die Öffent­lich­keit jedoch über die stei­gen­de Zahl von Nicht­schwim­mern und die zuneh­men­den Schwie­rig­kei­ten der Schu­len, einen ver­läss­li­chen und funk­tio­nie­ren­den Schwimm­un­ter­richt anzu­bie­ten. Passt das zusam­men? Durch­aus, denn ver­mut­lich mel­den immer mehr Eltern ihre Kin­der des­halb in Schwimm­ver­ei­nen an, weil sie in der Schu­le nicht mehr schwim­men ler­nen. Ent­spre­chend lan­ge War­te­lis­ten für die Schwimm­kur­se der Ver­ei­ne sind die Fol­ge.
Dass in der Tat immer weni­ger Men­schen schwim­men kön­nen, geht dabei aus reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­gen der DLRG und des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts for­sa her­vor. Gaben 2017 ca. 3 % der Bevöl­ke­rung an, nicht schwim­men zu kön­nen, waren es 2022/2023 bereits ca. 5 %. Gleich­zei­tig ver­dop­pel­te sich die Zahl der Kin­der im Grund­schul­al­ter, die nicht schwim­men konn­ten, von ca. 10 % im Jahr 2017 auf ca. 20 % im Jahr 2022.

Wer gibt Unter­richt? >>> Ursa­chen­for­schung ist hier nicht all­zu schwie­rig. Obwohl die Schu­len theo­re­tisch einen flä­chen­de­cken­den Schwimm­un­ter­richt anbie­ten soll­ten, hängt das in der Pra­xis davon ab, wo und ob für die Schu­len über­haupt Was­ser­zei­ten ver­füg­bar sind. Gera­de im länd­li­chen Süd­nie­der­sach­sen ist Schwimm­un­ter­richt viel­fach nur nach lan­gen Bus­fahr­ten zu ent­spre­chend aus­ge­stat­te­ten Hal­len­bä­dern mög­lich. 45 Minu­ten für eine Fahrt sind kei­ne Sel­ten­heit; rech­net man noch Umklei­de­zei­ten und Orga­ni­sa­ti­on hin­zu, bleibt dann kaum noch Was­ser­zeit übrig. Man­che Schu­len redu­zie­ren den Schwimm­un­ter­richt des­halb auf zwei­wö­chent­li­che Ter­mi­ne oder bün­deln ihn in Pro­jekt­pha­sen, die wie­der­um kom­pli­ziert zu orga­ni­sie­ren sind. Selbst qua­li­fi­zier­te Schwimm­leh­rer sind inzwi­schen häu­fig Man­gel­wa­re.
Neben den Schu­len zäh­len dar­um längst Schwimm­ver­ei­ne und die DLRG zu den unver­zicht­ba­ren Anbie­tern. Mit Anfän­ger­kur­sen, See­pferd­chen- und Bron­ze-Abzei­chen bie­ten sie vie­les, was die Schu­len nicht mehr leis­ten kön­nen. Aber auch die­se Akteu­re sto­ßen ange­sichts man­geln­der Was­ser­zei­ten, mona­te­lan­ger War­te­lis­ten für die ver­füg­ba­ren Schwimm­zei­ten und nicht zuletzt immer weni­ger qua­li­fi­zier­ter Übungs­lei­ter an ihre Gren­zen.
Ergän­zend exis­tie­ren längst auch pri­va­te oder kom­mu­na­le Kurs­an­ge­bo­te – in Göt­tin­gen bei­spiels­wei­se im Bade­pa­ra­dies Eis­wie­se –, die pro­fes­sio­nell orga­ni­siert und gut nach­ge­fragt, aber eben auch kos­ten­pflich­tig sind. So wird das Schwim­men­ler­nen auch zur Fra­ge der finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten des Eltern­hau­ses und des Wohn­orts.

Von der Eis­wie­se bis zum Schwimm­con­tai­ner >>> Wie ange­spannt die Situa­ti­on auch im Land­kreis Göt­tin­gen ist, zeig­te sich Ende 2025 an der Dis­kus­si­on über die Anschaf­fung eines Schwimm­con­tai­ners durch den Land­kreis und zahl­rei­chen Nach­rich­ten über nöti­ge Sanie­run­gen sowie die Fra­ge, wie mit der Situa­ti­on umge­gan­gen wer­den soll­te.
Je nach Defi­ni­ti­on gibt es im Land­kreis Göt­tin­gen zwar 15 bis 17 Schwimm­bä­der, dar­un­ter Hal­len­bä­der, Lehr­schwimm­be­cken und Frei­bä­der. Für den Schwimm­un­ter­richt sind jedoch nur sechs bis sie­ben die­ser Bäder geeig­net – dem­ge­gen­über steht ein Land­kreis mit einer Gesamt­flä­che von rund 1.755  km² und ca. 328.028 Ein­woh­nern, unter denen sich ver­mut­lich mehr als 6.000 Grund­schul­kin­der befin­den dürf­ten.
Zen­tral für den regio­na­len Schwimm­un­ter­richt ist dabei das Bade­pa­ra­dies Eis­wie­se in der Stadt Göt­tin­gen. Hin­zu kom­men Lehr­schwimm­be­cken in Gemein­den wie Ros­dorf, Gie­bol­de­hau­sen, Hann. Mün­den und Ade­leb­sen sowie Kurs­an­ge­bo­te in der Schwimm­hal­le des Hoch­schul­sports der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen.
In den ande­ren Bädern ist ein sys­te­ma­ti­scher Schwimm­un­ter­richt nur schwer zu ver­wirk­li­chen. Frei­bä­der sind bei­spiels­wei­se nur sai­so­nal nutz­bar und im Schul­all­tag schwer ein­zu­pla­nen. Hier fin­den des­halb eher Som­mer- und Feri­en­kur­se statt, die z. B. von Ver­ei­nen ange­bo­ten wer­den.

Schwim­men ler­nen in Göt­tin­gen >>> Wer in Göt­tin­gen schwim­men ler­nen möch­te, kommt sel­ten am Bade­pa­ra­dies Eis­wie­se vor­bei. Als ganz­jäh­rig geöff­ne­tes Hal­len­bad über­nimmt es die wohl wich­tigs­te Rol­le der regio­na­len Schwimm­aus­bil­dung.
Allein im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den in der Eis­wie­se im Schul­schwim­men über 40.700 Ein­trit­te gezählt – ein kla­rer Beleg dafür, dass die Göt­tin­ger Sport und Frei­zeit GmbH & Co. KG (GöSF), eine kom­mu­na­le Toch­ter der Stadt Göt­tin­gen, hier ihren gesell­schaft­li­chen Auf­trag wahr­nimmt. 40 bis 50 Schu­len aus Stadt und Land­kreis nut­zen regel­mä­ßig die Was­ser­flä­chen der Eis­wie­se für ihre 3. bis 10. Klas­sen. Auch die Berufs­bil­den­den Schu­len set­zen ver­mehrt auf Schwimm­trai­ning, das in den Som­mer­mo­na­ten dabei oft auch im Frei­bad statt­fin­det. Zusätz­lich gestal­ten Ver­ei­ne wie der ASC, der TWG oder die DLRG das Kurs­an­ge­bot für Kin­der aktiv mit. Ergänzt wird dies durch das eige­ne Kurs­pro­gramm der GöSF, die als ein­zi­ger Anbie­ter in Göt­tin­gen auch Schwimm­kur­se für Erwach­se­ne durch­führt. Da die GöSF bei ihren Ange­bo­ten beson­de­ren Wert auf Qua­li­tät legt, wer­den Was­ser­zei­ten aus­schließ­lich an qua­li­fi­zier­te Anbie­ter ver­ge­ben, die ent­spre­chen­de Nach­wei­se vor­le­gen. Auf die­se Wei­se wird die Umset­zung einer siche­ren und fach­lich fun­dier­ten Schwimm­aus­bil­dung gewähr­leis­tet.
Die star­ke Nach­fra­ge nach den Kapa­zi­tä­ten der Eis­wie­se, bei denen durch die Schul­zei­ten, Fei­er­abend­kur­se und Ver­eins­an­ge­bo­te nur noch begrenzt Frei­räu­me exis­tie­ren, sorgt bei den Ver­ant­wort­li­chen dar­über hin­aus bereits für ein Nach­den­ken dar­über, ob an ein­zel­nen Vor­mit­ta­gen per­spek­ti­visch noch zusätz­li­che For­ma­te denk­bar sein könn­ten – etwa für Vor­schul­kin­der oder inte­gra­ti­ve Grup­pen.

Der ASC baut in Ros­dorf >>> Die Bedeu­tung, die auch die Bewoh­ner des Land­krei­ses Göt­tin­gen dem Schwim­men bei­mes­sen, zeigt sich auch dar­an, dass es von ca. 2.000 der mehr als 13.000 Mit­glie­der des ASC Göt­tin­gen von 1846 e. V. – einem der größ­ten Sport­ver­ei­ne Deutsch­lands – betrie­ben wird. Zusätz­lich zur Nut­zung des GöSF-Ange­bots auf der Eis­wie­se und des Schwimm­bads des Sport­in­sti­tuts der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen rea­li­siert der ASC nun sein eige­nes Hal­len­bad in Ros­dorf. Dass der Göt­tin­ger ASC sein Bad nicht in der Stadt Göt­tin­gen, son­dern in Ros­dorf neben dem dor­ti­gen Frei­bad ansie­deln wird, liegt dar­in begrün­det, dass sich im Stadt­ge­biet schlicht kein Stand­ort fin­den ließ, der die gewünsch­te ener­ge­ti­sche Nach­hal­tig­keit und eine gute Erreich­bar­keit gewähr­leis­tet hät­te. Hin­zu kam, dass der ASC das Pro­jekt als ver­eins­ei­ge­nes Bad ver­wirk­li­chen will. Um dort zu schwim­men oder schwim­men zu ler­nen, braucht es eine Ver­eins­bin­dung. Ande­re Ver­ei­ne und Insti­tu­tio­nen wer­den sich jedoch Zeit-Slots kau­fen kön­nen; bei­spiels­wei­se hat der Land­kreis Göt­tin­gen bereits zehn Stun­den in der Woche für schu­li­sches Schwim­men gebucht. Ver­hand­lun­gen mit der Gemein­de Ros­dorf lau­fen, um deren Schu­len, Kin­der­gär­ten und Ver­ei­nen sowie den Dau­er­kar­ten­in­ha­bern des Frei­bads Mög­lich­kei­ten zu eröff­nen.
Aus dem Kon­zept des Ver­eins­ba­des und damit dem Ver­zicht auf Sau­na, Baby­be­cken oder Sprung­turm erge­ben sich dar­über hin­aus ver­gleichs­wei­se nied­ri­ge Inves­ti­ti­ons­kos­ten für das geplan­te Hal­len­bad, was dem Pro­jekt des ASC gera­de in Sachen Gewähr­leis­tung eines Ange­bots für loka­len Schwimm­un­ter­richt ech­ten Vor­bild­cha­rak­ter ver­lei­hen könn­te. Ins­ge­samt wird das Hal­len­bad drei­ein­halb Mil­lio­nen Euro kos­ten: Eine Mil­li­on kom­men aus ASC-Eigen­mit­teln, 1,6 Mil­lio­nen aus Dar­le­hen und eine wei­te­re Mil­li­on wird der Ver­ein aus dem Ver­kauf von Schwimm­stun­den, För­der­mit­teln vom Land­kreis Göt­tin­gen und Lan­des­sport­bund sowie wei­te­ren För­de­rern und Spen­den rea­li­sie­ren. Bun­des- oder Lan­des­mit­tel waren für das Pro­jekt lei­der nicht ver­füg­bar, da sie nur in die Erhal­tung von Schwimm­bä­dern flie­ßen und kei­ne neu­en inno­va­ti­ven Pro­jek­te för­dern kön­nen.

Trü­be Aus­sich­ten an der Uni >>> Auch der Hoch­schul­sport der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen – dem übri­gens auch Nicht-Stu­die­ren­de bei­tre­ten kön­nen – bie­tet Kur­se an. Das Schwimm­bad der Uni­ver­si­tät an der Zen­tra­len Ein­rich­tung für Sport und Gesund­heit (ZESG) am Spran­ger­weg bie­tet neben einer 25-Meter-Bahn als ein­zi­ges in Göt­tin­gen auch eine Tie­fe von drei­ein­halb Metern, wie sie bei­spiels­wei­se für Unter­was­ser-Rug­by benö­tigt wird. Neben der Mög­lich­keit zum Was­ser­sport kön­nen hier jedoch auch Kin­der und Erwach­se­ne in spe­zi­fi­schen Kurs­an­ge­bo­ten das Schwim­men erler­nen. Nicht nur in die­sem Zusam­men­hang wird das Bad dabei schon seit Lan­gem weni­ger von Stu­die­ren­den oder Bediens­te­ten der Uni­ver­si­tät, son­dern viel­mehr extern, z. B. von Ver­ei­nen, genutzt.
Dies könn­te sich jedoch schon bald ändern, denn die aus den 70er-Jah­ren stam­men­de Tech­nik des Schwimm­ba­des muss bald erneu­ert wer­den. Obwohl das Pro­blem seit gerau­mer Zeit bekannt ist und die Uni­ver­si­tät und die Stadt Göt­tin­gen auch über Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten nach­ge­dacht haben, feh­len die nöti­gen Mit­tel für eine Sanie­rung – ver­mut­lich mehr als drei Mil­lio­nen Euro – wei­ter­hin.
Zwar man­gelt es sei­tens der Rats­frak­tio­nen nicht an Bekun­dun­gen zum Erhalt des Ange­bots, kon­kre­te Lösun­gen sind jedoch nicht in Sicht. Und dar­an dürf­te sich ange­sichts der deso­la­ten Finanz­la­ge der Stadt und ihrer Toch­ter­ge­sell­schaft GöSF auch kaum etwas ändern, wes­halb die Schlie­ßung des Bades immer näher rückt. Die Uni­ver­si­tät selbst ist jeben­falls nicht dar­an inter­es­siert, allein die nöti­gen Inves­ti­tio­nen für eine Ein­rich­tung zu tra­gen, die über­wie­gend extern genutzt wird.

Con­tai­ner gegen das Unter­ge­hen? >>> Nach­dem klar wur­de, dass die sanie­rungs­be­dürf­ti­ge Schwimm­hal­le in Ade­leb­sen in naher Zukunft für ein bis zwei Jah­re als Ange­bot für den Schwimm­un­ter­richt aus­fal­len wür­de, begann im Wes­ten des Land­krei­ses Göt­tin­gen die Suche nach Alter­na­ti­ven. Schwimm­an­fän­ger aus den Ade­lebser Schu­len mit Bus­sen zu ande­ren, ohne­hin aus­ge­las­te­ten Schwimm­bä­dern zu brin­gen, war logis­tisch jedoch kaum zu rea­li­sie­ren. Auch der Vor­schlag, vor­han­de­ne Schwimm­bä­der mit Über­da­chun­gen aus­zu­stat­ten, um sie zuver­läs­sig nut­zen zu kön­nen, wur­de ver­wor­fen. Übrig blieb die Idee eines mobi­len Schwimm­con­tai­ners.
Sol­che Schwimm­con­tai­ner wer­den in Deutsch­land bereits erfolg­reich als Über­gangs­lö­sun­gen ein­ge­setzt, um Kin­dern ers­te Erfah­run­gen im Was­ser oder Reha­sport zu ermög­li­chen. Sie basier­ten ursprüng­lich auf umge­bau­ten Hoch­see­con­tai­nern, mitt­ler­wei­le wer­den eigens kon­zi­pier­te Stahl­ge­rüs­te ver­wen­det. In bei­den Fäl­len wer­den die­se mit einer Hei­zung, Was­ser­auf­be­rei­tung und Strö­mungs­ge­ne­ra­to­ren aus­ge­stat­tet. Umklei­de und Tech­nik wer­den dann jeweils in einem wei­te­ren Con­tai­ner unter­ge­bracht. Das kom­plet­te Modul lässt sich per Lkw zu Ein­satz­or­ten trans­por­tie­ren, kann also fle­xi­bel ein­ge­setzt wer­den.
Nach einer gan­zen Rei­he von Anträ­gen der FDP-Kreis­tags­frak­ti­on ver­sam­mel­te sich schließ­lich eine poli­ti­sche Mehr­heit hin­ter der Idee, das 3 m mal 13 m gro­ße Schwimm­con­tai­ner-Modell „Nawa­li“ eines Düre­ner Anbie­ters zu kau­fen, das in Nord­rhein-West­fa­len bereits erfolg­reich ein­ge­setzt wird. Der Land­kreis Göt­tin­gen soll­te dafür 700.000 Euro sowie wei­te­re 300.000 Euro für den zehn­jäh­ri­gen Betrieb der Anla­ge bereit­stel­len.
Zwar fiel „Nawa­li“ im Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren zunächst durch – dem Vor­sit­zen­den der FDP-Kreis­tags­frak­ti­on Tom Stil­ler zufol­ge, weil bei­spiels­wei­se eine Ein­stiegs­trep­pe weni­ge Zen­ti­me­ter zu kurz war –, doch nach­dem unter ande­rem, unter­stützt von Mar­cel Rie­thig, ein neu­es Finan­zie­rungs­mo­dell gefun­den wor­den war, ging es trotz­dem wei­ter. Statt des Land­krei­ses soll­te eine GmbH den Con­tai­ner anschaf­fen, und der Kreis­sport­bund (KSB) soll­te die­sen dann mie­ten. Die im Haus­halt des Land­krei­ses für den Kauf ein­ge­stell­ten Mit­tel soll­ten für zehn Jah­re die Mie­te garan­tie­ren, wäh­rend die Betriebs­kos­ten vom Kreis­sport­bund getra­gen wer­den soll­ten. Die­ser soll­te dabei durch Mit­tel des Land­krei­ses, Spen­den und Spon­so­ren sowie Nut­zungs­ge­büh­ren vor Ort unter­stützt wer­den.
Sah es also Ende 2025 so aus, als kön­ne das Pro­jekt Rea­li­tät wer­den, erteil­te der Kreis­sport­bund ihm in einer Pres­se­mit­tei­lung vom 6. Febru­ar 2026 dann doch eine Absa­ge. „Nach noch­ma­li­ger umfas­sen­der Abwä­gung der zu erwar­ten­den Gesamt­kos­ten erscheint das Pro­jekt aktu­ell nicht umsetz­bar, da wei­te­re Fol­ge­kos­ten nicht abge­si­chert wer­den konn­ten“, so die Pres­se­mit­tei­lung. Zwar sei dank der Unter­stüt­zung meh­re­rer Spon­so­ren und Spen­der der Betrieb in Ade­leb­sen für die ers­ten bei­den Betriebs­jah­re sicher­ge­stellt wor­den – für die Fol­ge­jah­re konn­te eine Finan­zie­rung jedoch nicht gesi­chert wer­den. „Der Schwimm­con­tai­ner ist ein inter­es­san­tes Kon­zept, stellt unter den gege­be­nen Rah­men­be­din­gun­gen für den Kreis­sport­bund aller­dings kei­ne wirt­schaft­lich trag­ba­re Lösung dar“, erklär­te Den­nis Dör­ner, Geschäfts­füh­rer und Vor­stands­spre­cher des KSB, und dank­te allen Betei­lig­ten für ihr bis­he­ri­ges Enga­ge­ment.
Unver­dros­sen reich­te die FDP-Kreis­tags­frak­ti­on dar­auf­hin Mit­te Febru­ar ihren inzwi­schen ach­ten Antrag ein, im Rah­men einer erneu­ten gemein­sa­men Anstren­gung aller Par­tei­en doch noch die nöti­gen Mit­tel für das Pro­jekt zu gewähr­leis­ten, doch aktu­ell scheint das Pro­jekt nicht rea­li­sier­bar zu sein.

Ade­lebser Sanie­rung ist finan­ziert >>> Immer­hin ist die umfas­sen­de Sanie­rung der Ade­lebser Schwimm­hal­le für vor­aus­sicht­lich 7,3 Mil­lio­nen Euro gesi­chert. Nach­dem Ende 2025 im Rah­men des Sport­stät­ten­in­ves­ti­ti­ons­pro­gramms mit einem Gesamt­för­der­vo­lu­men von 25 Mil­lio­nen Euro ein ent­spre­chen­der För­der­an­trag des Land­krei­ses Göt­tin­gen bewil­ligt wor­den war, über­nimmt das Land Nie­der­sach­sen 1,37 Mil­lio­nen Euro die­ser Kos­ten. Ein ech­ter Erfolg für das Pro­jekt in Ade­leb­sen, das sich bis­her als ein­zi­ges im Land­kreis im Wett­be­werb um die För­der­mit­tel aus dem Lan­des­pro­gramm und einem noch weit­aus grö­ße­ren Bun­des­för­der­pro­gramm durch­set­zen konn­te. Und wie zu hören ist, wer­den auch die „Sie­ben Pin­gui­ne“ auf den Kacheln am Becken­rand die Sanie­rung gut über­ste­hen – schließ­lich sind sie für vie­le Ade­lebser so etwas wie das inof­fi­zi­el­le Wahr­zei­chen ihrer Schwimm­hal­le.

Duder­stadt auf dem Weg zum Hal­len­bad >>> Seit 2019 das alte, maro­de Hal­len­bad Auf der Klap­pe geschlos­sen wur­de, fehlt es auch in Duder­stadt an einem ver­läss­li­chen ganz­jäh­ri­gen Ange­bot. Des­halb hat die Stadt nun einen Antrag auf Mit­tel aus dem deut­lich über­zeich­ne­ten Bun­des­för­der­pro­gramm „Sanie­rung kom­mu­na­ler Sport­stät­ten“ gestellt, um ein Hal­len­bad mit vier 25-Meter-Bah­nen zu rea­li­sie­ren. Falls die nöti­gen Mit­tel hier nicht bewil­ligt wer­den, sol­len wei­te­re pas­sen­de Mög­lich­kei­ten für eine Finan­zie­rung – wie etwa die Lan­des­gar­ten­schau – ins Auge gefasst wer­den.

Die 50 Meter von Nort­heim >>> Auch im benach­bar­ten Nort­heim geht es aktu­ell um die Zukunft des von der Nort­hei­mer Sport und Frei­zeit GmbH (NomSF) betrie­be­nen Hal­len­ba­des. Als ein­zi­ges Hal­len­schwimm­bad in Süd­nie­der­sach­sen mit 50-m-Bah­nen bie­tet es wich­ti­ge Trai­nings­mög­lich­kei­ten für den regio­na­len Schwimm­sport sowie für Ver­ei­ne aus ande­ren Regio­nen bun­des­weit. Da im Nort­hei­mer Hal­len­bad jedoch der soge­nann­te Beton­krebs fest­ge­stellt wur­de, eine che­mi­sche Reak­ti­on im Beton, durch die Bau­tei­le irrepa­ra­bel beschä­digt wur­den, plant die Stadt­ver­wal­tung gegen­wär­tig den Neu­bau eines Hal­len­schwimm­ba­des, der in eini­gen Jah­ren rea­li­siert wer­den soll.
Nach einem grund­sätz­li­chen Rats­be­schluss im Okto­ber 2025 sprach sich die Nort­hei­mer Poli­tik für ein nach aktu­el­lem Stand rund 50 Mil­lio­nen Euro teu­res Pro­jekt aus, das neben poten­zi­el­len För­der­mit­teln bei­spiels­wei­se aus dem neu­en Bun­des­pro­gramm „Sanie­rung kom­mu­na­ler Sport­stät­ten“ größ­ten­teils durch die Stadt finan­ziert wer­den müss­te. Dabei ist geplant, den Neu­bau auf dem Grund­stück neben dem heu­ti­gen Hal­len­bad und der 2026 in Betrieb gehen­den Schuh­wall­sport­hal­le ent­ste­hen zu las­sen. Dadurch kann der Schwimm­be­trieb und damit auch der Schwimm­un­ter­richt im Ide­al­fall bis zur Inbe­trieb­nah­me eines neu­en Bades ohne Unter­bre­chun­gen wei­ter­ge­führt wer­den.
Was die Mög­lich­kei­ten zum Schwim­men­ler­nen angeht, ist die Lage im Land­kreis Göt­tin­gen also ange­spannt, aber nicht hoff­nungs­los. Die im Zusam­men­hang mit dem Hal­len­bad in Ade­leb­sen ange­spro­che­ne deut­li­che Über­zeich­nung der von Land und Bund auf­ge­leg­ten För­der­pro­gram­me zeigt außer­dem deut­lich, dass die Lage an vie­len ande­ren Orten ähn­lich schwie­rig oder noch ange­spann­ter ist. Gleich­zei­tig wird bei genaue­rem Hin­se­hen deut­lich, dass sich in der Regi­on vom Land­kreis über den Kreis­sport­bund und die DLRG bis zu den Ver­ei­nen alle Akteu­re über die Bedeu­tung des Schwimm­un­ter­richts einig sind. Ob das aus­reicht, um eine wei­te­re Ver­schlech­te­rung der Lage zu ver­hin­dern, wird sich zei­gen müs­sen.

Pro­jekt­skiz­ze für den geplan­ten Hal­len­bad-Neu­bau auf dem Gelän­de des Frei­ba­des in Duder­stadt (Foto: VISION 12 ! Pro­jekt­ent­wick­lungs- und Pla­nungs- GmbH)

Der ASC Göt­tin­gen von 1846 e. V. rea­li­siert sein eige­nes Hal­len­bad in Ros­dorf (Foto: RSE + Archi­tek­ten Inge­nieu­re GmbH)

Mobi­le Schwimm­con­tai­ner als Über­gangs­lö­sung? (Foto: Land NRW / Mark Her­men­au)

Eis­wie­se Göt­tig­nen (Foto: GöSF)

Sanie­rung der Schwimm­hal­le in Ade­leb­sen

Eine moder­ne Idee
Die orga­ni­sier­te Ver­mitt­lung von Schwimm­fä­hig­keit begann sich in Euro­pa erst im 19. Jahr­hun­dert lang­sam durch­zu­set­zen. Erst an des­sen Ende hielt ein orga­ni­sier­tes Schul­schwim­men Ein­zug in deut­schen Groß­städ­ten. Trotz­dem blieb das Schwim­men lan­ge eine Spe­zi­al­fer­tig­keit, über die z. B. Mili­tärs oder bestimm­te bür­ger­li­che Schich­ten ver­füg­ten. Noch um 1900 konn­ten sich weni­ger als zehn Pro­zent der Bevöl­ke­rung eini­ger­ma­ßen sicher über Was­ser hal­ten. Schwim­men als etwas zu sehen, was alle Bür­ger eines Lan­des kön­nen soll­ten, ist eine sehr moder­ne Sicht­wei­se, die sich auch in Deutsch­land erst in den 60er- und 70er-Jah­ren durch­zu­set­zen begann, als par­al­lel auch vie­ler­orts neue Schwimm- und Hal­len­bä­der ent­stan­den.

Wann kann man schwim­men?
Was heißt es eigent­lich, „schwim­men zu kön­nen“? Für die Sport­wis­sen­schaft ist das die Selbst­ret­tungs­fä­hig­keit, sich ohne Hilfs­mit­tel in tie­fem Was­ser eini­ge Minu­ten über Was­ser hal­ten und ca. 25 m fort­be­we­gen zu kön­nen. Wer dazu fähig ist, ist kein Nicht­schwim­mer mehr – klas­si­scher­wei­se ent­spricht das dem Niveau eines „Seepferdchen“-Kurses. Das DLRG-Bron­ze­ab­zei­chen ver­langt dann bereits, 200 m in 15 min zu bewäl­ti­gen.

Jörg Schnit­zer­ling
Vor­sit­zen­der des ASC Göt­tin­gen von 1846 e. V.

„Schwim­men zu kön­nen ist lebens­not­wen­dig und für vie­le Men­schen in und um Göt­tin­gen eine Freu­de in ihrem All­tag. Wir wol­len mit unse­rem inno­va­ti­ven Pro­jekt dafür die Was­ser­flä­che lie­fern – hel­fen Sie uns dabei!“

Den­nis Dör­ner
Geschäfts­füh­rer und Vor­stands­spre­cher Kreis­sport­bund Göt­tin­gen-Oster­ode

„Uns liegt das Wohl der Kin­der beson­ders am Her­zen. Dazu gehört die För­de­rung der Schwimm­fä­hig­keit. Denn das ist für die Kin­der über­le­bens­wich­tig. Von daher müs­sen wir gemein­sam dafür Sor­ge tra­gen, dass die Schwimm­stät­ten im Land­kreis erhal­ten blei­ben und wenn mög­lich wei­ter aus­ge­baut wer­den.“

Jörn Lührs
Geschäfts­füh­rer der GöSF

„Unse­re Ver­ant­wor­tung für die Schwimm­aus­bil­dung ist groß. Im Zusam­men­spiel mit wei­te­ren Ein­rich­tun­gen sind wir ein zen­tra­ler Bau­stein, damit Kin­der und Jugend­li­che in Göt­tin­gen sicher schwim­men ler­nen. Das ist nicht nur prak­tisch, son­dern auch poli­tisch gewollt. Wenn die Stadt sagt: Alle sol­len schwim­men ler­nen, braucht es star­ke Orte – und wir sind einer davon.“

Mar­cel Rie­thig
Vor­läu­fig des Diens­tes ent­ho­be­ner Land­rat des Land­krei­ses Göt­tin­gen

„Wir wol­len, dass alle Kin­der schwim­men ler­nen. Umso wich­ti­ger ist die Inves­ti­ti­on des Land­krei­ses Göt­tin­gen in die Ade­lebser Schwimm­hal­le. Lei­der dau­ert die Sanie­rung vie­le Mona­te, sodass in die­ser Zeit eine Alter­na­ti­ve benö­tigt wird. Der Schwimm­con­tai­ner ist eine prag­ma­ti­sche, fle­xi­ble Zwi­schen­lö­sung, die wir gemein­sam mit Kreis­sport­bund, DLRG und ande­ren umset­zen. Der Con­tai­ner soll nach der Sanie­rung der Schwimm­hal­le in Ade­leb­sen auch an ande­ren Orten zum Ein­satz kom­men, damit mög­lichst alle Kin­der schwim­men ler­nen.“ (Foto: Land­kreis Göt­tin­gen / Kim­mel)

Tom Stil­ler
FDP-Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­ter

„„Der Schwimm­con­tai­ner ist mehr als nur ein mobi­ler Ort des Schwim­men­ler­nens und Aqua­fit­ness. Er kann ein ver­bin­den­des Ele­ment im Land­kreis wer­den. Er bringt Men­schen und Regio­nen zusam­men. Er ist ein Bei­spiel für kon­struk­ti­ve, bür­ger­na­he Poli­tik – für alle, weil er über die Zeit alle erreicht. Ein Signal, dass Poli­tik von Men­schen auch für Men­schen gemacht wird und nicht abge­ho­ben vor sich hin ver­wal­tet.“