Prof. Dr. Shiv K. Singh, Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie
Forschungen an der UMG zeigen, wie entscheidend innovative Ansätze für die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen sind. Sie ebnen den Weg für personalisierte Therapien und bessere Heilungschancen.
Text: Prof Dr. Volker Ellenrieder, Dr. Sabrina Sulzer | Fotos: Lab Singh, Mirko Plha, Johann-Jesko Lange
Die Viszeralmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen gehört zu den nationalen Referenzzentren Deutschlands für Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse.
Dies umfasst gleichermaßen eine exzellente interdisziplinäre Behandlung von Menschen mit entzündlichen sowie bösartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse als auch eine international sichtbare Forschungskompetenz der Kliniken der Allgemein-, Viszeral und Kinderchirurgie (Leitung Herr Prof. M. Ghadimi) und der Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie (Leitung Prof. V. Ellenrieder). Dies spiegelt sich in zahlreichen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Deutsche Krebshilfe geförderten Projekten sowie Publikationen in international führenden Wissenschaftsjournalen wider.
Hohe Auszeichnung durch die Deutsche Krebshilfe (DKH) >>> Ein besonderer Erfolg für die Göttinger Pankreasforschung ist die Verleihung der renommierten Mildred-Scheel-Professur der DKH an Prof. Dr. Shiv K. Singh, Mitarbeiter der Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie. Die Professur mit dem Titel „Targeting Tumor Heterogeneity“ wird über fünf Jahre mit einer Million Euro gefördert.
Im Zentrum seiner Forschung steht ein besseres Verständnis der komplexen Wechselwirkungen zwischen Krebszellen, Immunzellen und entzündlichen Signalstoffen beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ziel ist es, diese Interaktionen gezielt zu beeinflussen und damit neue Therapieansätze zu entwickeln. Durch die Blockade spezifischer Signalwege könnten Tumoren künftig empfindlicher auf personalisierte Therapien reagieren. Die Förderung ermöglicht es Prof. Singh, seine Arbeiten der ebenfalls durch die DKH geförderten Max-Eder-Nachwuchsgruppe zu innovativen und individualisierten Behandlungsstrategien auszubauen und neue Perspektiven für Patientinnen und Patienten mit dieser aggressiven Tumorerkrankung zu eröffnen.
Identifikation eines besonders aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs bietet Chancen für eine gezielte Therapie >>> Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Göttinger Pankreasforschung liegt in der Identifikation molekularer Subgruppen des Bauchspeicheldrüsenkrebses, die für personalisierte Therapien zugänglich sind. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Volker Ellenrieder konnte kürzlich eine neue Subgruppe des Bauchspeicheldrüsenkrebs identifizieren, die für etwa 15 Prozent verantwortlich und durch einen besonders aggressiven Krankheitsverlauf gekennzeichnet ist.
Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal GUT veröffentlicht. Dabei ist es den Forschern gelungen, die Mechanismen des raschen Tumorprogresses und die therapeutische Relevanz dieses neuen Subtyps zu identifizieren. Die Forschergruppe konnte zeigen, dass die Tumorzellen sich besonders schnell und effektiv von DNA-Schädigung erholen und deshalb eine hohe Resistenz aufweisen. Diese für den Tumor eigentlich günstigen Eigenschaften machen den Tumor jedoch für spezifische Therapieansätze empfänglich, wie Prof. Latif aus der Arbeitsgruppe von Prof. Ellenrieder berichtet.
Europaweite Studie aus Göttingen belegt Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Langzeitschäden nach akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung >>> Neben der Krebsforschung widmen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der UMG auch intensiv der Erforschung entzündlicher Bauchspeicheldrüsenerkrankungen. Aktuelle Studien zeigen, dass Menschen nach einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung ein erhöhtes Risiko für langfristige gesundheitliche Folgen haben.
Eine europaweite Studie, ebenfalls in GUT publiziert, unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Albrecht Neeße und PD Dr. Christoph Ammer-Herrmenau konnte erstmals einen Zusammenhang zwischen Veränderungen des Mikrobioms und Langzeitfolgen nach einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung nachweisen. Insgesamt nahmen knapp 300 Patientinnen und Patienten aus 15 Krankenhäusern in acht europäischen Ländern an der Studie teil. Bereits kurz nach Diagnosestellung wurden Darm- und Mundproben analysiert und die Teilnehmenden anschließend über einen Zeitraum von drei Jahren nachbeobachtet.
Besonders bemerkenswert ist die Identifikation eines spezifischen Musters aus elf Darmbakterien, das mit hoher Genauigkeit vorhersagen konnte, welche Patientinnen und Patienten Monate später einen Diabetes entwickeln würden. Die Ergebnisse könnten künftig dazu beitragen, individuell angepasste Nachsorgeprogramme zu entwickeln und Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Neues Kompetenzzentrum für neuroendokrine Tumoren in Niedersachsen >>> Das Comprehensive Cancer Center Niedersachsen baut seine spezialisierte onkologische Versorgung weiter aus: An den Standorten der UMG unter Leitung von PD Dr. A. O. König und der Medizinischen Hochschule Hannover unter Leitung von PD Dr. T. Wirth wurde ein gemeinsames Kompetenzzentrum für die Behandlung von Patienten mit neuroendokrinen Tumoren aufgebaut. Neben der spezialisierten Diagnostik und Therapie dieser komplexen Erkrankung widmet sich das Zentrum auch der Erforschung innovativer Behandlungskonzepte mit dem Ziel, die Versorgung von Patientinnen und Patienten in der Region nachhaltig zu verbessern.
Neuroendokrine Neoplasien sind seltene Tumoren hormonbildender Zellen, die in nahezu allen Organen des Körpers entstehen können – am häufigsten im Magen-Darm-Trakt, in der Bauchspeicheldrüse oder in der Lunge. In Deutschland werden jährlich rund 8.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Charakteristisch ist ihr sehr unterschiedlicher Verlauf: Während manche Tumoren langsam wachsen, zeigen andere eine deutlich aggressivere Entwicklung. Eine individuell abgestimmte Diagnostik und Therapie sind daher besonders wichtig.
Daher arbeiten Experten verschiedener medizinischer Fachdisziplinen aus beiden Universitätskliniken eng zusammen. Ziel ist es, für jede Patientin und jeden Patienten ein individuell abgestimmtes und möglichst personalisiertes Therapiekonzept zu entwickeln.
Im Januar dieses Jahres wurde das gemeinsame Zentrum nach den Kriterien der europäischen Fachgesellschaft ENETS erfolgreich begutachtet und zertifiziert. Damit trägt es nun das Gütesiegel eines europäischen „Center of Excellence“.
Neben der medizinischen Versorgung legt das Zentrum großen Wert auf Information und Beteiligung von Patientinnen und Patienten. Deshalb arbeitet das NEN-Zentrum eng mit dem deutschlandweit aktiven Netzwerk Neuroendokrine Tumoren (NeT) e.V. zusammen. Die Regionalgruppe Göttingen-Hannover organisiert regelmäßige Treffen und informiert über aktuelle Entwicklungen in Diagnostik und Therapie. Für viele Betroffene stellt der Austausch mit anderen Patientinnen und Patienten eine wichtige Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung dar.
Das Forschungsteam AG Neeße bei einer Laborbesprechung
Forschungsteam AG Ellenrieder
Team des Kompetenzzentrum neuroendokrine Tumore
Prof. Dr. Volker Ellenrieder
Direktor der Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie
Dr. Sabrina Sulzer
Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie
Universitätsmedizin Göttingen
Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie
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