Im Cha­rak­ter-Inter­view spricht Ste­fan Ber­tels­mann, seit Jah­res­be­ginn neu­er Geschäfts­füh­rer des AGAPLESION Kran­ken­hau­ses Neu Beth­le­hem, über anste­hen­de Her­aus­for­de­run­gen und sei­ne Per­spek­ti­ve auf die Zukunft.

Inter­view: Ulrich Drees | Foto: AGAPLESION

Herr Ber­tels­mann, wel­che Her­aus­for­de­run­gen sehen Sie aktu­ell für Ihr Kran­ken­haus?
Die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen lie­gen in der bevor­ste­hen­den Kran­ken­haus­re­form, die grund­le­gen­de Ver­än­de­run­gen in den Struk­tu­ren und der Finan­zie­rung mit sich brin­gen wird. Ins­be­son­de­re stellt die Ein­füh­rung der neu­en hybri­den Abrech­nungs­sys­te­ma­tik (Hybrid-DRGs) im Zuge der Ambu­lan­ti­sie­rung eine wesent­li­che Umstel­lung dar.

Was ver­birgt sich hin­ter der hybri­den Abrech­nungs­sys­te­ma­tik?
Für uns bedeu­tet die hybri­de Abrech­nungs­sys­te­ma­tik, dass wir iden­ti­sche medi­zi­ni­sche Leis­tun­gen künf­tig für deut­lich gerin­ge­re Ver­gü­tun­gen erbrin­gen müs­sen. Aus die­sem Grund müs­sen wir sämt­li­che Behand­lungs­pro­zes­se opti­mie­ren, ohne dass die Ver­sor­gungs­qua­li­tät für unse­re Pati­en­ten lei­det.

Wo legen Sie zu Beginn Ihre Schwer­punk­te?
Unse­re Frau­en­heil­kun­de steht klar im Fokus, denn hier sehen wir eben­so wie in den Beleg­ab­tei­lun­gen das größ­te Wachs­tums­po­ten­zi­al. Ins­be­son­de­re im Bereich der onko­lo­gi­schen Erkran­kun­gen haben wir mit der Zer­ti­fi­zie­rung des Brust­zen­trums einen wich­ti­gen Mei­len­stein umge­setzt. Etwas, wofür ich mich bei allen Betei­lig­ten noch ein­mal bedan­ken möch­te. Dane­ben liegt mir die Sta­bi­li­sie­rung der Geburts­hil­fe nach den Ver­än­de­run­gen durch den Heb­am­men­hil­fe­ver­trag sehr am Her­zen. Sie ist ein zen­tra­les Stand­bein unse­res Hau­ses, und wir möch­ten wei­ter­hin die hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung anbie­ten, die unse­re Pati­en­ten von uns gewohnt sind.

Wirt­schaft­lich­keit ist ein zen­tra­les The­ma Ihrer Arbeit. Wel­che Rol­le spielt dabei die Zusam­men­ar­beit mit dem ärzt­li­chen Team und den Pfle­ge­kräf­ten?
Hier ist es von Vor­teil, dass wir zum grö­ße­ren Teil als Beleg­kran­ken­haus orga­ni­siert sind, in dem die nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te unse­re OP- und Bet­ten­ka­pa­zi­tä­ten nut­zen und wir gemein­sam eine sek­tor­über­grei­fen­de Ver­sor­gung anbie­ten, von der die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten unmit­tel­bar pro­fi­tie­ren. Dabei ist es ent­schei­dend, dass wir gemein­sam für eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge und effi­zi­en­te Behand­lung Sor­ge tra­gen.

Alle reden von Digi­ta­li­sie­rung und KI im Gesund­heits­we­sen. Wie ste­hen Sie dazu?
Wir haben das kla­re Ziel, unse­ren Behand­lungs­pro­zess von Anfang bis zum Ende voll­stän­dig digi­tal abzu­bil­den und sind auch auf einem guten Weg. Künst­li­che Intel­li­genz kann hier eine wich­ti­ge Unter­stüt­zung bie­ten und Men­schen ent­las­ten, um ihnen mehr Zeit für die Ver­sor­gung zu ermög­li­chen. Von Vor­teil ist, dass wir als Kon­zern die Viel­falt unse­rer Stand­or­te für eine effek­ti­ve Erpro­bung nut­zen kön­nen.

Was kön­nen Ihre Mit­ar­bei­ten­den von Ihnen erwar­ten, und was erwar­ten Sie von ihnen?
Ich lege Wert dar­auf, offen, ehr­lich und sym­pa­thisch auf­zu­tre­ten. Ein Kran­ken­haus braucht gewis­se Hier­ar­chien, aber ich bin dafür, sie sehr flach zu leben. Wech­sel­sei­tig erwar­te ich eigent­lich das­sel­be, gepaart mit dem Ver­trau­en in einen offe­nen Umgang und der Bereit­schaft, sich auf Ver­än­de­run­gen ein­zu­las­sen. Neu Beth­le­hem war immer ein auch wirt­schaft­lich erfolg­rei­ches Kran­ken­haus und kann das auch in Zukunft sein.

Ste­fan Ber­tels­mann
Der 44-jäh­ri­ge Geschäfts­füh­rer des AGAPLESION Kran­ken­hau­ses Neu Beth­le­hem blickt bereits auf zahl­rei­che Erfah­run­gen in der Göt­tin­ger Klinik­bran­che zurück. Nach zehn­jäh­ri­ger Tätig­keit für das Evan­ge­li­sche Kran­ken­haus Göt­tin­gen-Ween­de, zuletzt als kauf­män­ni­scher Direk­tor, wech­sel­te er zunächst als Geschäfts­füh­rer der dor­ti­gen Kreis­kli­ni­ken nach Kas­sel zur Gesund­heit Nord­hes­sen Hol­ding AG. Seit fünf Jah­ren ist er nun für den AGA­P­LE­SI­ON-Kon­zern tätig, wo er als Geschäfts­füh­rer von Kran­ken­häu­sern in Holz­min­den, Bad Pyr­mont, Hei­del­berg, Wup­per­tal und Hagen arbei­te­te, bevor er nach Göt­tin­gen zurück­kehr­te. Der gelern­te Betriebs­wirt bezeich­net sich als „Zah­len­mensch“ und lebt mit sei­ner Fami­lie seit Lan­gem in Nör­ten-Har­den­berg.

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