Die Wechseljahre spielten in der Arbeitsmedizin kaum eine Rolle. Aktuelle Studien zeigen jedoch ihre Relevanz. Folgerichtig greift BG prevent das Thema nun als einer der ersten Dienstleister im Bereich der Prävention in der Arbeitswelt auf.
Text: Ulrich Drees | Fotos: BG prevent, Adobe Stock, Ulrich Drees
Momentan befinden sich in Deutschland potenziell rund 7,5 Mio. berufstätige Frauen zwischen 45 und 59 Jahren in der Perimenopause, den sogenannten Wechseljahren. Gleichzeitig sind rund 80 Prozent der über 50‑jährigen Frauen erwerbstätig. Basierend auf diesen Zahlen dürften jährlich ca. 40 Mio. Fehltage von Arbeitnehmerinnen darauf zurückzuführen sein, dass Frauen auf Grund von Wechseljahresbeschwerden nicht arbeiten können. Das läuft in der Summe auf volkswirtschaftliche Kosten von 9,4 Mrd. Euro hinaus.
Zwischen Fachkräftemangel und Privatsache >>> Nicht nur angesichts des noch immer bestehenden Fachkräftemangels dürfte kein Unternehmen Interesse daran haben, dass Frauen in der Lebensmitte aus dem Beruf aussteigen, weil ihre Wechseljahre in ihrem Arbeitsalltag zur Belastung werden. Denn diese Frauen sind oftmals erfahrene, gut ausgebildete Leistungsträgerinnen, die eigentlich noch für viele Jahre gute Arbeit leisten wollen. Natürlich sind die Belastungen in den Wechseljahren für jede Frau unterschiedlich stark, doch die Perimenopause ist noch immer ein schambesetztes Thema, das im Arbeitsumfeld nur ungern thematisiert wird. Um Frauen zu halten, die darüber nachdenken, aus dem Job auszusteigen, ist neben der Wahrnehmung des Themas deshalb auch eine Unternehmenskultur nötig, die einen offenen und tabufreien Umgang mit den Auswirkungen der Wechseljahre zulässt.
Von Hitzewallung bis Reizbarkeit >>> Die Wechseljahre haben viele Gesichter: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Erschöpfung, depressive Verstimmungen oder erhöhte Reizbarkeit, Gelenkschmerzen bis zum Herzstolpern oder -rasen. Das Forschungsprojekt „MenoSupport“ mit mehr als 2.000 Teilnehmerinnen zeigt, wie stark Wechseljahresbeschwerden den Arbeitsalltag beeinflussen können. Ein Viertel der betroffenen Frauen reduzierte in der Folge die Arbeitszeit, fast jede Dritte ließ sich bei entsprechend starken Symptomen krankschreiben oder nahm unbezahlten Urlaub. Jede Sechste wechselte die Stelle, zehn Prozent erwogen einen vorzeitigen Ruhestand – bei den über 55‑Jährigen war das bei fast jeder fünften Frau der Fall.
Gleichzeitig spielt die Perimenopause in Unternehmen noch kaum eine Rolle. Auch für Dr. med. Daniela Kegel, Arbeitsmedizinerin bei BG prevent, waren diese Zahlen zunächst schwer zu glauben. „Ich habe die Quellen geprüft – sie sind valide. Das Thema ist absolut relevant“, sagt sie. Kegel kennt die Perspektive doppelt: als Ärztin und als Frau, die selbst durch die Wechseljahre gegangen ist. „Viele Frauen versuchen, die Symptome zu kaschieren. Keine sagt einfach, dass sie wegen einer Hitzewallung eine Pause braucht.“
Damit verweist die Arbeitsmedizinerin auf einen kulturellen Aspekt des Problems. In vielen Betrieben wird über „Befindlichkeiten“ dieser Art nicht gesprochen, gerade in Berufsfeldern, die noch immer von Männern und männerdominierten Führungsebenen geprägt sind, fehlt häufig das nötige Bewusstsein. „Doch die wirtschaftlichen Fakten sprechen für sich“, so Daniela Kegel. „Wir haben allgemein alternde Belegschaften, und Frauen sind wertvolle Fachkräfte.“
Was Unternehmen tun können >>> Angesichts der Relevanz des Themas hat BG prevent den Umgang mit den Wechseljahren nun systematisch in sein betriebliches Gesundheitsmanagement integriert. Um Unternehmen zu sensibilisieren und bei sinnvollen Maßnahmen zu unterstützen, setzen die BG prevent Expert:innen zunächst auf Aufklärung. Beispielsweise werden im jeweiligen Arbeitssicherheitsausschuss (ASA) Zahlen und Zusammenhänge vorgestellt. Danach folgt wie bei anderen Themengebieten eine spezifische Bedarfsanalyse, denn nicht jede Maßnahme passt überall.
Effektive Maßnahmen lassen sich oftmals unschwer umsetzen. Flexible Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten, Rückzugsmöglichkeiten bei akuten Beschwerden, Tischventilatoren, atmungsaktive Arbeitskleidung, ausgewogenes Kantinenessen, gezielte Pausenregelungen oder allgemeine Maßnahmen aus dem Bereich der Betrieblichen Gesundheitsfürsorge – entsprechende Anpassungen sind oft pragmatisch und unkompliziert umzusetzen. Und wenn nicht, beraten die Arbeitsmediziner bei individuellen Lösungen, die organisatorische Spielräume nutzen helfen.
Ergänzend bietet BG prevent seinen Kunden Sprechstunden mit Betriebsärzt:innen an, in denen sich Betroffene vertraulich beraten lassen können. Zusätzlich stehen Fachkräfte aus dem Gesundheitsmanagement bereit, um Workshops, Vorträge oder spezielle Bewegungsangebote wie Yoga‑Programme für Frauen in den Wechseljahren zu organisieren. Dabei geht es nicht darum, Frauen in den Wechseljahren eine Sonderrolle zuzuweisen, sondern um Normalität im Umgang mit einem natürlichen Lebensabschnitt.
Eine Frage der Haltung >>> Auch ohne große Investitionen können die BG prevent Fachleute so zu einer Unternehmenskultur beitragen, die Frauen in der Perimenopause wichtige Unterstützung anbietet, ohne sie in eine unerwünschte Lage zu drängen. „Es braucht Vertrauen“, erklärt Daniela Kegel. „Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, offen sprechen zu können, profitieren am Ende alle.“
Mit seinen Angeboten in denen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch in Beratungskonzepte übersetzt werden, bietet BG prevent wichtige Impulse in einem bisher arbeitsmedizinisch häufig unterschätzten Gebiet. Da sich zugleich mehr als 70 Prozent der befragten Frauen eine Wechseljahre-freundlichere Arbeitskultur und sensibilisierte Führungskräfte wünschen, können Unternehmen hier in die Erfahrung, Loyalität und Zukunftsfähigkeit dieser Fachkräfte investieren.

Weitere Informationen
Deutsche Menopausegesellschaft (DMG): www.menopause-gesellschaft.de
Volkswirtschaftliche Kostenschätzung: www.hwr-berlin.de/aktuelles/neuigkeit/detail/4510-deutsche-volkswirtschaft-leidet-unter-den-wechseljahren
Dr. med. Daniela Kegel
Arbeitsmedizinerin im BG prevent Gesundheitszentrum Göttingen und Fachärztin für Arbeitsmedizin und Psychiatrie
BG prevent GmbH
Die BG prevent GmbH ist der bundesweit größte überbetriebliche Dienstleister für Prävention in der Arbeitswelt. Das Unternehmen mit seinen mehr als 3.700 Expert:innen für Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement verfolgt mit seinen Produkten und Dienstleistungen ein Ziel: einen besseren Return on Prevention. Vorbeugende Maßnahmen für mehr Gesundheit, Sicherheit und Motivation in der Arbeitswelt bieten Unternehmen nachweisbar einen spürbaren Mehrwert. BG prevent betreut über 210.000 Unternehmen, Betriebsstätten und öffentliche Einrichtungen aller Größen und Branchen – bundesweit und flächendeckend an über 150 Standorten.
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