Bei einem Besuch im Forum Wissen sprach die Geschäftsführerin der GOe FUTURE Management GmbH mit dem Charakter-Chefredakteur Ulrich Drees über Startup-Kultur, Seelenbalsam und darüber, was Handpuppen mit schönen Wohnungen zu tun haben.
Interview: Ulrich Drees | Fotos: Stephan Beuermann
Frau Zeisberg, mögen Sie uns ein wenig von sich erzählen?
Gebürtig stamme ich aus Regensburg in Bayern, von wo aus ich nach dem Abitur zum Medizinstudium nach Hamburg wechselte. Vor 35 Jahren habe ich dort gleich im ersten Semester auch meinen heutigen Mann kennengelernt. Im Verlauf meines Studiums haben wir dann an verschiedenen Orten wie Würzburg, Boston in den USA und auch Göttingen gelebt, wo ich als junge Ärztin an der Klinik für Kardiologie und Pneumologie anfing.
Ebenso wie mein Mann war ich dabei von Beginn an auch wissenschaftlich tätig. Als sich 2003 dann die Möglichkeit bot, für ein Jahr an die Harvard Medical School nach Boston zu wechseln, haben wir sie natürlich genutzt. Aus dem einen Jahr wurden allerdings acht. Auch unsere ersten drei Kinder kamen in Boston zur Welt. Sowohl was meine beruflichen Interessen als auch was meine persönliche Entwicklung anging, war das eine prägende Zeit. Da wir beide zuletzt in Faculty-Positionen arbeiteten, gab es sogar die Perspektive, für immer in den USA zu bleiben. 2010 haben wir uns jedoch entschieden, wieder nach Deutschland zurückzukehren, und sind dann wieder nach Göttingen gekommen.
Seit 2011 forsche ich nun an der Universitätsmedizin Göttingen und leite eine Arbeitsgruppe zum Thema Herz- und Organfibrose, die sich vereinfacht ausgedrückt mit den Ursachen für Vernarbungen des Bindegewebes beschäftigt, die zu Funktionsstörungen von Organen führen können.
Vor drei Jahren haben wir darüber hinaus die Avocet Bio GmbH gegründet, ein Biotech-Startup, das sich vorwiegend mit der Entwicklung antiviraler Medikamente befasst. Als die Universitätsmedizin Göttingen dann ein Dekanat für Transfer initiierte, wurde ich zu dessen Dekanin gewählt. Was wiederum dazu führte, dass ich den Göttinger Beitrag „GOe FUTURE“ zum bundesweiten Leuchtturmwettbewerb „Startup Factories“ federführend begleitet habe.
Und das sehr erfolgreich. Im vergangenen Jahr fiel die Entscheidung, dass Niedersachsen mit GOe FUTURE eine dieser Startup-Factories bekommen wird. Sie haben nun deren Geschäftsführung übernommen. Worum geht es genau?
Wir wollen ein Gründungsökosystem schaffen, das wissenschaftliche Erkenntnisse der roten und grünen Life Sciences und der Medizintechnik in transformative Innovationen umwandelt.
In den USA, wo Sie lange geforscht haben, gibt es eine sehr viel ausgeprägtere Gründungskultur als in Deutschland. Profitieren Sie als Dekanin des Transferbereichs und als GOe FUTURE-Geschäftsführerin von Ihren dortigen Erfahrungen?
Die haben mich sogar maßgeblich auf diese Aufgabe vorbereitet. Mein Interesse an Wirtschaft war allerdings schon davor vorhanden. Beispielsweise habe ich schon als junge Ärztin ein Unternehmen gegründet, über das ich einige Jahre lang kalifornische Handpuppen verkauft habe.
Wie kam es dazu?
Ich hatte eine entfernte Verwandte aus den USA – eigentlich eine Apothekerin –, die diese Puppen verkaufte, die Tiere und Personen darstellten. Ich half ihr einmal bei einem Psychologiesymposium in Hamburg, wo sie an vier Tagen so viel verdiente wie ein Arzt im Praktikum im ganzen Jahr. Als ich gerade nach Göttingen gezogen war und eine schöne, aber eigentlich zu große Drei-Zimmer-Wohnung finanzieren musste, wollte sie dann in die USA zurückkehren. Da habe ich beschlossen, eines der drei Zimmer zu nutzen, um diese Figuren selbst zu verkaufen und mir so die Wohnung zu finanzieren.
Trotz dieser Affinität zum Unternehmertum ist Ihre Laufbahn maßgeblich von Ihrer Arbeit in der Forschung geprägt. Wann haben Sie sich für diesen Schwerpunkt entschieden und beispielsweise nicht eine Arztpraxis eröffnet?
Für mich gehörten Patientenversorgung und wissenschaftliches Arbeiten immer zusammen. Als ich meine Doktorarbeit im Bereich der Hämatologie schrieb, sah ich jedoch, dass es hier nicht ausreichende Therapien für alle Patienten gab. Da kamen dann mein ärztliches Ethos und meine wissenschaftliche Neugier zusammen: Ich wollte herausfinden, wie man den Patienten besser helfen könnte.

Wie kommt man zu dem Gebiet, in dem man dann forscht?
Manchmal verfolgt man sehr bewusst ein Ziel, manchmal spielen aber auch Zufälle eine Rolle: Man findet einen Mentor, der einen fördert, oder sieht überraschende Daten. Auch unerwartete Laborergebnisse können einen in eine bestimmte Richtung lenken.
Gab es solche Zufälle bei Ihnen?
In gewisser Weise. Als ich 2003 nach Boston ging, hatte ich ein Angebot von einem angesehenen kardiologischen Forschungslabor und eines aus der Industrie. Nachdem der Harvard-Professor, der die Einrichtung leitete, mir jedoch eine zweiseitige E-Mail geschrieben hatte, warum ich für ihn und nicht für die Industrie arbeiten sollte, entschied ich mich für das Labor. Einen Monat nachdem ich dort angefangen hatte, eröffnete uns derselbe Professor allerdings, dass er das Labor verlassen werde, um einen der ganz großen Posten in der Pharmaindustrie zu besetzen. Das war damals schon ein Einschnitt, bei dem ich mich fragte, wie es nun für mich weitergehen sollte.
Glücklicherweise konnte ich zum ersten Zentrum für extrazelluläre Matrix wechseln, das der damalige Chef meines Mannes in Boston leitete. Er war einer der Ersten, der diese Matrix – also die Bereiche zwischen den Zellen – erforschte, denn er hatte ihre Bedeutung für alle Organe erkannt und damit auch für die Kardiologie, die sich damals noch ganz auf die Herzmuskelzellen selbst konzentrierte.
Ein weiterer Zufall bestärkte mich dann in meinem heutigen Fachgebiet. Durch ein überraschendes Laborergebnis sah ich nämlich, dass sich die Zellen, die Blutgefäße von innen auskleiden, die sogenannten Endothelzellen, in Fibroblasten umwandeln können. Und diese können die Vernarbungen hervorrufen, die zu Fibrose-Erkrankungen beitragen. Das war zu diesem Zeitpunkt noch nie zuvor beschrieben worden. Ein ganz neuer Mechanismus.
Ist solch eine Entdeckung ein Garant für eine wissenschaftliche Karriere?
Zunächst musste ich lernen, wie schwierig es ist, ein solches ganz neues Konzept zu publizieren und zu verbreiten. Als junge Wissenschaftlerin, die aus Sicht der etablierten Wissenschaftler in ihrem Leben noch nichts geleistet hatte und nun plötzlich etwas völlig Neues vorstellte, begegnete man mir und meinen Ergebnissen mit großer Skepsis. Es dauerte lange, bis ich anerkannt wurde. Doch heute – zwanzig Jahre später – ist aus unseren Ergebnissen ein etabliertes Forschungsfeld entstanden.
Welche Rolle spielen angesichts Ihrer Erlebnisse persönliche Kontakte in der Wissenschaft?
Die persönliche Ebene ist auf jeden Fall wichtig. Gerade zu Beginn braucht es Fürsprecher. Die hatte ich auch immer an der UMG. Außerdem spielen internationale Netzwerke eine große Rolle. Doch es hat mir immer sehr gefallen, auf dieser Ebene Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn erst, wenn sich viele internationale Kollegen mit unseren Ideen auseinandersetzen, stellt sich ja heraus, ob wir richtig lagen oder uns getäuscht haben.
Es scheint auch ein sehr spezielles Verhältnis zwischen der Industrie und der Wissenschaft zu geben?
Das ist überall ein wenig anders. Gerade bei uns in Deutschland gibt es in der Wissenschaft durchaus Vorbehalte gegenüber der Industrie – früher vielleicht noch mehr als heute. Beispielsweise ist da diese Vorstellung, dass die wirklich klugen Köpfe quasi automatisch in der Wissenschaft bleiben. Dass das nicht zutrifft, habe ich in den USA schnell gelernt.
Wirken sich diese Vorurteile gegenüber der Industrie hierzulande auch auf das Thema Gründungskultur aus?
Dass die Startup-Kultur bei uns weniger ausgeprägt ist als beispielsweise in den USA, hat aus meiner Sicht unterschiedliche Gründe. Während bei uns ein Scheitern inakzeptabel ist, steht man in den USA danach einfach wieder auf und beginnt das nächste Projekt, solange bis eines klappt. Hinzu kommt, dass in Deutschland viel weniger Venture Capital verfügbar ist, um eine Idee bis zur Markteinführung zu entwickeln, weil hier eher das Risiko als die Chance gesehen wird. Auch die Form unseres Ausbildungssystems spielt eine Rolle. In den fast zehn Jahren in Boston habe ich an der Universität nahezu niemanden kennengelernt, der nicht entweder selbst schon mal ein Startup gegründet oder in den Sand gesetzt hatte oder mit Gründerinnen und Gründern zu tun hatte. Das war ganz normal.
Aktuell wird in den USA die Freiheit der Wissenschaft ja aktiv eingeschränkt. Kann Europa bzw. Deutschland möglicherweise davon profitieren, dass Wissenschaftler, die sich in ihrer Forschung behindert sehen, künftig an hiesigen Universitäten oder Einrichtungen arbeiten wollen?
Mein Eindruck ist, dass die wirklichen Spitzenwissenschaftler in den USA die Entwicklung über sich ergehen lassen und hoffen, dass es sich um eine temporäre Angelegenheit handelt. Gleichwohl hören wir von unseren zahlreichen Freunden dort täglich neue Horrorgeschichten. Beispielsweise durfte man ein Weile in Anträgen oder Publikationen das Wort „trans“ nicht mehr verwenden. Für mich als Dekanin für Transfer ist das schon mal schlecht. Aber beispielsweise sind auch die bisher verbreiteten Studien mit transgenen Mäusen nicht mehr möglich. Manchmal denke ich, das ist zu skurril, als dass es wirklich passieren kann. Doch ich bin nicht sicher, dass es zu einer nachhaltigen Abwanderung der dortigen Wissenschaftler führt.
Die Forschungsgruppe, Ihr Startup, das Dekanat, GOe FUTURE und nicht zu vergessen: Sie sind auch verheiratet, Mutter von vier Kindern und haben einen Zwergdackel namens Peppo – brauchen Sie die Herausforderung?
Da kommt zwar viel zusammen, aber das sind alles Sachen, die ich gern mache. Allen voran liebe ich natürlich die Zeit mit meiner Familie. Das Dekanat und GOe FUTURE zu übernehmen, hat vor allem damit zu tun, dass ich es sehr mag, wissenschaftliche Exzellenz mit unternehmerischem Denken so zu verbinden, dass Patienten davon profitieren.
Dieser Ansatz ist nicht neu, sondern geht hier in der Region insbesondere auf die gemeinsame Vision von Joachim Kreuzburg, dem ehemaligen CEO von Sartorius, und des Dekans der UMG Wolfgang Brück zurück. Sie haben die Live Science Valley GmbH als gemeinsame Tochtergesellschaft von Sartorius und UMG gegründet, um diese Vision umzusetzen. Und ich freue mich darüber, dass mir die Geschäftsführung anvertraut wurde.
Darüber hinaus geht es dabei ja zugleich darum, dass Göttingen und die Region, in der ich nun schon lange lebe und in der ich mich sehr verankert fühle, davon profitieren sollen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir noch nicht alles aus unseren vorhandenen Stärken herausholen. Und jetzt habe ich das Gefühl, an einem Punkt zu sein, an dem ich hier spürbar Wirkung zeigen kann.

Es scheint manchmal wirklich so, als würde sich Südniedersachsen immer noch schwer tun, sein lange gepflegtes „Kirchturmdenken“ abzulegen. Wie sehen Sie das?
Die Region hinter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen, betrachte ich als eine unserer wichtigsten Aufgaben. Bei zahlreichen Besuchen während der Wettbewerbsphase habe ich sehr schnell erfahren, wie gut hier vieles zusammenpassen würde, wenn es zu einer Zusammenarbeit käme. Wenn in Braunschweig geforscht wird, wie Medikamente günstig hergestellt werden können, in Göttingen und Hannover neue Medikamente erforscht werden und es ein Primatenzentrum gibt, das die Regularien zur Überprüfung der Sicherheit eines Medikaments erfüllt – dann bedeutet das doch: Wir haben von Anfang bis Ende alles, was es braucht, um ein neues Medikament zu entwickeln und damit zum Beispiel Kresbs-, Alzheimer-, Herz- oder Nierenerkrankungen zu heilen.
Meine Glaubwürdigkeit als Wissenschaftlerin hilft mir bei diesem Prozess. Ich weiß, wovon ich spreche. Genauso wie ich als Gründerin weiß, wo der Schuh drückt. Deshalb hoffe ich, dass ich die beiden Bereiche von den Vorteilen einer Zusammenarbeit überzeugen kann. Und warum nicht? Ich habe in den Lebenswissenschaften noch keinen Gründer erlebt, der nicht vorrangig davon angetrieben wurde, wissenschaftliche Ergebnisse zum Wohl der Patienten verfügbar zu machen. Dasselbe treibt doch auch die Wissenschaft an.
Gelingt es uns, die akademischen Einrichtungen – die das in der Vergangenheit nie als eine ihrer Aufgaben gesehen haben – von einer Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu überzeugen, wird unsere Region davon ganz direkt wirtschaftlich profitieren. Es wird allen besser gehen.
Dazu braucht es auch Fachkräfte. Ist die Region attraktiv genug, um diese anzuziehen?
Meiner Erfahrung nach werden Fachkräfte von Inhalten angezogen. Sie gehen dorthin, wo spannende Sachen passieren und man am Cutting Edge einer Innovation arbeitet. In unserem Startup Avocet Bio arbeiten Mitarbeiter aus sieben verschiedenen Ländern – das sind Top-Leute. Einige davon hatten zuvor gute Stellen in Frankfurt und München. Wenn sie die Chance haben, an etwas Neuem mitzuarbeiten, kommen sie dafür auch nach Göttingen.
Bei GOe FUTURE geht es um erhebliche finanzielle Mittel, die jetzt Wirkung erzielen sollen. Was steht da aktuell auf Ihrer Agenda?
Ehrlich gesagt sind das gerade ganz banale Dinge. Als die Förderung für GOe FUTURE am 1. Januar begann, bestand das Projekt aus mir und einer Mitarbeiterin. Wir mussten zuerst einmal Stellen ausschreiben und eine Geschäftsadresse suchen, die wir dann gestern (Anm. d. Redaktion: 4. Februar) im Max-Planck-Institut gegenüber der Universitätsmedizin Göttingen beziehen konnten. Im Anschluss an unser Gespräch muss ich zum Notar und die Adresse ändern. Das Postsystem, die Buchhaltung und das Personalwesen müssen eingerichtet und rechtliche Aspekte geklärt werden. So etwas prägt gerade meinen Alltag.
Gleichzeitig haben die Beteiligten jetzt natürlich die Erwartung, dass wir direkt loslegen. Doch ich brauche jetzt gerade erst einmal die Mitarbeiter, um überhaupt arbeiten zu können. Wir haben einen Plan, wo wir hinwollen und wie wir dahin kommen. Nichtsdestotrotz versuche ich gleichzeitig weiter nach außen hin zu erklären, wo wir im Moment stehen und dass es eben noch ein wenig dauert, bevor wir da ankommen.
Es ist spürbar, dass Sie sich all diesen „banalen“ Details mit derselben Leidenschaft widmen, mit der Sie auch den Wettbewerb vorangetrieben haben.
Ich glaube, dass es nur so funktioniert. Wobei ich sehr von dem Netzwerk profitiere, das mein Mann und ich in den vergangenen 20 Jahren hier in Göttingen aufbauen konnten. Das beginnt beim Notar, der uns dazwischenschiebt, statt uns einen Termin in einem Monat zu geben, und reicht über die Steuerkanzlei, die uns berät, bis zur Bank, zur Politik und vielen anderen Institutionen und Menschen. Ich bin froh, wirklich sehr viele Handynummern zu haben und zu wissen, dass die Leute auch rangehen. Beispielsweise gab es bei der GOe FUTURE-Bewerbung einmal einen überraschenden, aber entscheidenden Termin, um Mitglieder der Jury von unserem Potenzial überzeugen zu können. Da konnte ich mich einfach bei einem unserer Nobelpreisträger melden und sagen: Du, ich brauche dich morgen. Und er hat sich sofort von Florida aus zu einem Zoom dazugeschaltet. Genauso wie ein junger Gründer, der meinte, er habe keinen Babysitter. Ich sagte: Besorg dir bitte einen, ich brauche dich hier für zwei Stunden. Und er war dabei.
Angesichts der Größe des Projekts und der übersichtlichen Ausgangsinfrastruktur, die Sie beschrieben haben, brauchte es Mut, die GOe FUTURE-Geschäftsführung zu übernehmen?
Um Mut ging es vor allem in der Woche, in der ich mich entscheiden musste. Das Projekt durch den Wettbewerb zu begleiten, entwickelte sich eher Schritt für Schritt. Es jedoch dauerhaft zu übernehmen, war ein großer, aber auch natürlicher Schritt. Selbstverständlich habe ich dabei auch meine Familie einbezogen, denn mir war klar: Wenn ich das jetzt mache, wird das Auswirkungen für uns alle haben. Glücklicherweise ist mein Mann so etwas wie ein Sechser im Lotto. Wir haben uns schon immer gegenseitig unterstützt und er gab mir sofort den nötigen Rückhalt – auch weil er sah, wie viel Spaß mir diese Aufgabe macht und was ich jetzt alles bewegen kann.
Natürlich habe ich mich aber auch schon während des Wettbewerbs einmal gefragt: Warum mache ich das jetzt? Das war ja eine unentgeltliche Zusatztätigkeit, für die im Privatleben so manches andere auf der Strecke blieb. Doch irgendwann wurde mir dieses Warum bewusst: Ich erlebe so viele junge Gründer und gleichzeitig private Geldgeber, die selbst oft schon Enormes geleistet haben und sich dann vom Optimismus dieser Gründer anstecken lassen. Sie alle eint dieser Tatendrang, die Probleme unserer Zeit zu lösen. Mit solchen Menschen zusammenzutreffen, ist wirklich Balsam für die Seele – ganz besonders angesichts all der Krisen, die uns heute beschäftigen. Für dieses Warum lohnt es sich.

Elisabeth Zeisberg, Ulrich Drees
Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg
Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg ist Professorin für Kardiologie und Pneumologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Sie wurde 1971 in Regensburg geboren, studierte Medizin in Hamburg, Würzburg, Göttingen und Boston und promovierte in Göttingen. Seit vielen Jahren leitet sie eine Forschungsgruppe, die sich mit molekularen Mechanismen von Herz- und Gefäßerkrankungen beschäftigt, insbesondere mit Herzfibrose und dem endothelial-mesenchymalen Übergang. Teil ihrer wissenschaftlichen Laufbahn war ein mehrjähriger Forschungsaufenthalt als Postdoc und Teamleiterin als „Junior Faculty“ am Beth Israel Deaconess Medical Center / Harvard Medical School. Zusätzlich engagiert sie sich in der Entwicklung neuartiger antiviraler Therapien: Sie ist Mitgründerin und Leiterin des Biotech-Start-ups Avocet Bio, das auf schnelle Therapieansätze für RNA-Virusinfektionen zielt. Darüber hinaus arbeitet Prof. Zeisberg als Dekanin für Transfer der Universitätsmedizin Göttingen sowie als Geschäftsführerin der Life Science Valley GmbH, der GOe FUTURE Management GmbH und der GOe FUTURE gGmbH.
Startup Factories
Der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) initiierte EXIST-Leuchtturmwettbewerb „Startup Factories“ fördert den Aufbau von zehn exzellenten, privatwirtschaftlich kofinanzierten Gründungszentren an deutschen Hochschulen. Ziel des Wettbewerbs ist die signifikante Steigerung von Hightech-Ausgründungen („Made in Germany“) durch eine enge Verzahnung von Forschung, Industrie und Kapital. Neben rund 110 Mio. Euro privaten Geldern stellt das BMWK bis zu 10 Mio. Euro pro Startup Factory in Aussicht, sofern private Akteure dieselbe Summe einbringen.
Faculty-Positionen
Faculty-Positionen bezeichnen im US-amerikanischen Hochschulsystem Professuren mit zunächst befristeten Gehaltszusagen. Einer Berufung geht in der Regel ein sehr kompetitives nationales oder internationales Auswahlverfahren voraus. Sie münden gewöhnlich in eine unkündbare Festanstellung und bringen hohe Erwartungen an Forschungspublikationen und Lehre mit sich.
Von Null auf Zwei an einem Tag!
Auf die Frage nach dem Schönsten, was ihr am Tag vor unserem Gespräch passierte, antwortete Elisabeth Zeisberg ohne zu zögern: „Gestern war zufällig ein ganz besonderer Tag. Nachdem ich in den letzten Jahren eigentlich immer ohne irgendeine Assistenz auskommen musste, konnte ich zuerst vormittags die neu eingestellte Assistentin für GOe FUTURE offiziell begrüßen und ganz überraschend am Nachmittag gleich noch eine weitere, die mir von der Klinik für Kardiologie zugeteilt worden war. Und gleich am nächsten Tag war dann auch schon die erste Aufgabe tippitoppi erledigt, mit der ich mich sonst hätte beschäftigen müssen.“
