Unter dem Mot­to „Balan­ce­akt Pfle­ge: Das stil­le Risi­ko für Ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit“ lud der Unter­neh­mens­ver­bund „Frau & Betrieb“ zu einem gemein­sa­men Früh­stück ein.

Text: Kris­tin Schild | Foto: Ado­be Stock, „Frau & Betrieb”

Pfle­ge ist für vie­le Men­schen längst kein Rand­the­ma mehr, son­dern Teil des All­tags – oft still, oft im Ver­bor­ge­nen und meist neben dem Beruf. Wer Ange­hö­ri­ge beglei­tet, orga­ni­siert, auf­fängt und ver­sorgt, trägt nicht sel­ten eine dop­pel­te Ver­ant­wor­tung. Für Unter­neh­men wird genau dar­in zuneh­mend eine Her­aus­for­de­rung sicht­bar, die weit über den pri­va­ten Bereich hin­aus­reicht: die Fra­ge, wie sich Pfle­ge und Beruf so ver­ein­ba­ren las­sen, dass Beschäf­tig­te dem Arbeits­le­ben erhal­ten blei­ben und zugleich in ihrer fami­liä­ren Situa­ti­on nicht allein gelas­sen wer­den.
Um über funk­tio­nie­ren­de betrieb­li­che Lösun­gen ins Gespräch zu kom­men, hat­te der Vor­stand des Unter­neh­mens­ver­bun­des „Frau & Betrieb“ Göt­tin­gen zu einem Früh­stück unter dem Mot­to „Balan­ce­akt Pfle­ge: Das stil­le Risi­ko für Ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit“ ein­ge­la­den. Die Ver­an­stal­tung fand am 29. Janu­ar in der Kan­ti­ne des Neu­en Rat­hau­ses statt und brach­te Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che, Füh­rungs­kräf­te und wei­te­re Inter­es­sier­te zu einem The­ma zusam­men, das vie­le Men­schen betrifft, aber im Unter­neh­mens­all­tag noch immer zu sel­ten offen ange­spro­chen wird.
Eröff­net wur­de das Unter­neh­mer­früh­stück vom Ver­bunds­vor­stand, ver­tre­ten durch Hei­ke Hamel und Dr. Nata­lia Hefe­le. Jut­ta Stein­ke, stell­ver­tre­ten­de Bür­ger­meis­te­rin der Stadt Göt­tin­gen, hob in ihrer Begrü­ßung die hohe Aktua­li­tät des The­mas her­vor und ver­wies auf die wach­sen­de gesell­schaft­li­che Bedeu­tung fami­liä­rer Pfle­ge­ver­ant­wor­tung.
Einen pra­xis­na­hen Impuls lie­fer­te Kirs­ten Froh­nert vom Netz­werk­bü­ro „Erfolgs­fak­tor Fami­lie“. Sie mach­te deut­lich, wie viel­schich­tig Pfle­ge­si­tua­tio­nen im All­tag tat­säch­lich sind: Es geht nicht nur um Ver­sor­gung im enge­ren Sin­ne, son­dern eben­so um Orga­ni­sa­ti­on, Beglei­tung, emo­tio­na­le Unter­stüt­zung und die lau­fen­de Abstim­mung mit Ärz­ten, Diens­ten und Ange­hö­ri­gen. Gera­de die­se Viel­zahl an Auf­ga­ben führt dazu, dass pfle­gen­de Beschäf­tig­te häu­fig unter erheb­li­chem Druck ste­hen. Vie­le erle­ben den Spa­gat zwi­schen Beruf und pri­va­ter Ver­ant­wor­tung als per­ma­nen­te Belas­tung – ver­bun­den mit schlech­tem Gewis­sen, Pla­nungs­un­si­cher­heit und der Sor­ge, den Anfor­de­run­gen auf kei­ner Sei­te wirk­lich gerecht wer­den zu kön­nen.
Umso wich­ti­ger ist eine Unter­neh­mens­kul­tur, die Pfle­ge nicht als pri­va­ten Aus­nah­me­fall betrach­tet, son­dern als rea­le Lebens­si­tua­ti­on von Mit­ar­bei­ten­den aner­kennt. In der Dis­kus­si­on wur­de deut­lich, dass pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge vor allem Ver­läss­lich­keit, Offen­heit und fle­xi­ble Lösun­gen benö­ti­gen. Dazu gehö­ren sen­si­bi­li­sier­te Füh­rungs­kräf­te, ansprech­ba­re Struk­tu­ren im Betrieb, gute Infor­ma­ti­ons- und Bera­tungs­an­ge­bo­te sowie Arbeits­mo­del­le, die auf spon­ta­ne Ver­än­de­run­gen reagie­ren kön­nen.
In der anschlie­ßen­den Aus­tausch­run­de ent­wi­ckel­ten die Teil­neh­men­den kon­kre­te Ansät­ze für eine pfle­ge­sen­si­ble Arbeits­welt. Im Mit­tel­punkt stan­den eine offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on, geziel­te Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te im Unter­neh­men und fle­xi­ble Arbeits­be­din­gun­gen, die Betrof­fe­nen im Ernst­fall tat­säch­lich hel­fen. Zusätz­lich nah­men die Gäs­te aus­führ­li­che Check­lis­ten zur Ver­ein­bar­keit von Pfle­ge und Beruf für die direk­te Anwen­dung im eige­nen Betrieb mit.
Das The­ma „Ver­ein­bar­keit von Pfle­ge und Beruf” bleibt wei­ter­hin auf der Agen­da des Unter­neh­mens­netz­wer­kes „Frau & Betrieb”. Am 22. April laden die Unter­neh­mens­netz­wer­ke Göt­tin­gen und Nort­heim zu einer Fach­ver­an­stal­tung „Wenn Arbeit auf Pfle­ge trifft: die unter­schät­ze Her­aus­for­de­rung für Unter­neh­men” ein. Eben­so ist eine Aus­bil­dung von betrieb­li­chen Pfle­ge­lot­sin­nen- und lot­sen in der Stadt und im Land­kreis Göt­tin­gen ist in Pla­nung.

Hei­ke Hamel (2. Vor­sit­zen­de),
Dr. Nata­lia Hefe­le (Geschäfts­füh­re­rin)

Koor­di­nie­rungs­stel­le „Frau­en & Wirt­schaft” / „Ver­bund Frau und Betrieb” e. V.
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Zim­mer 922/923
Hiro­shi­ma­platz 1-4
37083 Göt­tin­gen
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