Die beiden Geschäftsführer: Jochen Seidler und Nils Reich
Wie die ETT Verpackungstechnik aus Fredelsloh in fünf turbulenten Jahren gewachsen ist – und warum laut den beiden Geschäftsführern inhabergeführte Unternehmen genau dafür gemacht sind.
Text: Stefan Remmers | Fotos: ETT
Fünf Jahre. Fünf Jahre, in denen sich die Welt des deutschen Maschinenbaus mehrfach neu sortiert hat. Pandemie, Krieg in der Ukraine, explodierende Energiepreise, kollabierte Lieferketten, der Chipmangel, Zollstreitigkeiten mit den USA – und nun neue geopolitische Spannungen im Nahen Osten. „Das ständige Auf und Ab ist das neue Normal – die ruhigen Zeiten der 2010er-Jahre gibt es einfach nicht mehr“, sagt Jochen Seidler, der seit 2020 als zweiter Geschäftsführer gemeinsam mit Nils Reich das Unternehmen lenkt. Wer in dieser Zeit nicht nur überlebt, sondern gewachsen ist, hat etwas richtig gemacht. Die ETT Verpackungstechnik GmbH aus Fredelsloh bei Moringen hat genau das getan.
Das Unternehmen, das 2024 sein 40-jähriges Jubiläum feierte und heute an vier europäischen Standorten über 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, gehört zu jenen mittelständischen Sondermaschinenbauern, die man in Südniedersachsen nicht übersehen kann – wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Denn ETT arbeitet im Verborgenen der Regale und Supermarktgänge: Die Endverpackungsmaschinen aus Fredelsloh sorgen weltweit dafür, dass Produkte des täglichen Bedarfs sicher, effizient und ansprechend verpackt beim Endverbraucher ankommen.
Krisenjahre als Wachstumsjahre >>> Als im Frühjahr 2020 die Welt aufgrund der Pandemie stillstand, war auch für ETT nichts mehr wie zuvor. Lieferketten, die über Jahrzehnte zuverlässig funktioniert hatten, brachen innerhalb von Wochen zusammen. Halbleiter wurden zur Mangelware, Stahl zur Kostenfrage, und Planbarkeit zum Luxusgut. „Wir haben in dieser Zeit an vielen Fronten gleichzeitig gekämpft“, sagt Nils Reich. „Aber genau das ist die Stärke eines eigentümergeführten Unternehmens: Wir können schnell entscheiden und wir stehen mit unserem Namen für das, was wir tun.“
Die Zahlen geben ihm recht. Nach wirtschaftlichen Krisenjahren in 2021 und 2022 hat ETT sich stetig verbessert und im Jahr 2025 das beste Ergebnis seit Bestehen erwirtschaftet. Bereits 2024 verzeichnete das Unternehmen ordentliche Wachstumsraten – in einem Umfeld, das dem deutschen Maschinenbau insgesamt alles andere als freundlich gesonnen war. Dass diese Entwicklung kein Zufall ist, betont auch Seidler: „Wir haben die schwierigen Jahre genutzt, um tief in unsere Prozesse zu investieren – Qualitätsverbesserungen, Standardisierung unserer Maschinenplattformen, Kostenoptimierung. Das war harte Arbeit, aber heute sind wir dadurch preislich wettbewerbsfähiger und gleichzeitig technisch führender als zuvor.“ Seinen Kurs zu halten und das eigene Ding zu machen – das sei die einzig richtige Antwort auf ein Umfeld, das sich nicht mehr beruhigen werde. „Wir haben in den letzten 5 Jahren sehr viel in Personal, Aus- und Weiterbildungbildung, Digitalisierung und Struktur investiert, mehr als jemals zuvor“ erklären Reich und Seidler.
Die Mannschaft als Fundament >>> Wachstum lässt sich verbuchen. Aber was trägt es? Bei ETT ist die Antwort eindeutig: die Belegschaft. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen nicht nur aktiv rekrutiert, sondern auch konsequent in die eigene Ausbildung investiert. Die Ausbildungsquote liegt heute bei deutlich über zehn Prozent – ein Wert, der in der Branche Aufmerksamkeit verdient. „Fachkräfte fallen nicht vom Himmel“, so Reich. „Wir bilden sie selbst aus, und wir tun das mit Überzeugung – weil wir wissen, dass unsere Zukunft von diesen Menschen abhängt.“ Gleichzeitig hat ETT seine Kooperationen mit regionalen Partnern wie der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen weiter vertieft.
Dass dieser Spirit mehr als Unternehmensrhetorik ist, zeigt ein Beispiel aus dem Alltag: Als kurzfristig 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen Wochenendeinsatz gesucht wurden, hatten sich innerhalb von zehn Minuten genügend Freiwillige gemeldet. ETT setzt weiter auf junge Talente, die man gezielt fördern und entwickeln will, auch um Themen wie Künstliche Intelligenz intern voranzubringen. Dass die Strategie fruchtet, zeigt die interne Mitarbeiterbefragung: Bei der ersten Befragung vor ein paar Jahren gaben 62 Prozent der Beschäftigten an, ETT als Arbeitgeber weiterzuempfehlen, 2025 waren es bereits 82 Prozent.
Neue Horizonte: Amerika und KI >>> Mit dem Blick nach vorn hat ETT begonnen, sein Geschäft auch jenseits des Atlantiks zu verankern. Die ursprünglich für 2024 geplante Gründung einer US-Gesellschaft musste zunächst pausieren – Trumps Zollankündigungen zwangen zum Innehalten. Doch die Zollpolitik wurde teilweise zurückgenommen, und die strategische Überzeugung hat Bestand. „Wir wollen in Regionen wachsen, die ihre eigene Dynamik haben“, erklärt Seidler. „Der Wachstumsmotor in Deutschland stottert – wir brauchen andere Regionen, um weiter wachsen und Arbeitsplätze auch hier sichern zu können.“ Die europäischen und deutschen Märkte gibt ETT dabei ausdrücklich nicht auf, wie Reich betont. Parallel hat ETT sein Produktportfolio erweitert: Für das wachsende Segment der Nachfüllbeutel wurde eine effiziente Verpackungslösung entwickelt. Und auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz – intern wie in den Maschinen selbst – ist im Alltag von Fredelsloh längst angekommen.
Verwurzelt und weltoffen >>> Was ETT von vielen anderen unterscheidet, ist diese Kombination: tief verwurzelt in Südniedersachsen, mit einem klaren regionalen Identitätsgefühl – und gleichzeitig weltoffen, technologisch auf Augenhöhe mit den Besten der Branche. Der Standort Deutschland werde laut Seidler zu Unrecht oft schlechtgeredet: „Wir können uns auch hier richtig aufstellen.“ Für die Zukunft bedeutet das: „Kurs halten, auch wenn der Sturm nicht aufhört – das ist keine Phrase bei uns“, sagt Nils Reich. „Das ist Haltung.“
Ausbildungsberufe bei ETT (m/w/d)
• Elektroniker der Betriebstechnik
• Fachkraft für Lagerlogistik
• Industriekaufmann
• Industriemechaniker
• Mechatroniker
• Technischer Produktdesigner
• Technischer Systemplaner
• Zerspanungsmechaniker
Neuentwicklung einer vollautomatischen Highspeed Wraparoundmaschine für 50 Kartons/Minute – ein Meilenstein für ETT.
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