Auf Initiative von Sartorius entstand in Kooperation mit der Heinz Sielmann Stiftung sowie der Stadt Göttingen ein ca. 16 Hektar großes Feuchtbiotop hinter dem Kiessee.
Familienunternehmen und inhabergeführte Betriebe sind oft tief in ihrer Region verwurzelt. Sie schaffen Arbeit, übernehmen Verantwortung und stärken das Leben vor Ort weit über den eigenen Betrieb hinaus.
Text: Ulrich Drees | Fotos: Sartorius, Julia Lormis, Göttingen Marketing GmbH, Tabalugahaus
Dass Familienunternehmen und inhabergeführte Unternehmen in Generationen denken, ist ein oft verwendetes Bild – was das konkret bedeutet, zeigt sich auch in Südniedersachsen insbesondere in Krisenzeiten. Nicht wenige dieser Unternehmen in der Region haben bereits einen oder zwei Weltkriege überstanden. Konjunkturdellen, politische Verwerfungen und Technologiewechsel sind Herausforderungen, die Familienunternehmen vielfach schon mehr als einmal erfolgreich bewältigt haben.
Von dieser Widerstandskraft profitieren jedoch nicht nur die Unternehmerfamilien und ihre Angestellten, sondern auch die Städte und Regionen, in denen sie sich angesiedelt haben. Dort sorgen sie nämlich nicht nur für Jobs, die je nach Konjunkturlage zu- und abnehmen, sie bieten verlässliche Arbeitsplätze für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Familien manchmal selbst über Generationen mit diesen Unternehmen verbunden sind. Natürlich reagieren auch sie auf wirtschaftliche Zwänge, aber nie, ohne dabei auch daran zu denken, wie es nach der Krise wieder weitergeht. So ermöglichen sie einen nachhaltigen Wohlstand, der sich in den Städten und Kommunen an ihren Standorten nicht allein in verlässlichen Gewerbesteuereinnahmen bemerkbar macht. Auch darüber hinaus wachsen rings um etablierte Familienunternehmen und inhabergeführte Unternehmen häufig eigene, ebenso verwurzelte wirtschaftliche Strukturen heran: Dienstleister, Zulieferer und Logistikunternehmen, die wiederum selbst Arbeitsplätze schaffen.
Die oft über Jahrzehnte währende Standorttreue dieser Unternehmen bringt den Kommunen auch über wirtschaftliche Aspekte hinaus weitere Vorteile. Denn wer mit seiner eigenen Familie an einem Ort lebt, der wünscht sich nicht nur im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitnehmer eine Umgebung, in der Menschen ein gutes Leben führen können.
Die großen Drei >>> Mit Sartorius – einem international agierenden, börsennotierten Unternehmen, das 1870 als feinmechanische Werkstatt gegründet wurde – findet sich in Göttingen ein klassisches Beispiel eines Familienunternehmens, das seinen Standort inzwischen fast eineinhalb Jahrhunderte mitgeprägt hat. Heute sind rund 3.800 seiner weltweit mehr als 14.000 Beschäftigten in Göttingen tätig, und noch immer hält die Gründerfamilie Sartorius über eine Erbengemeinschaft 50,09 Prozent der Stammaktien. Dass Sartorius seinen Hauptsitz weiter in Göttingen sieht, dafür spricht unter anderem, dass in den letzten Jahren mehrere hundert Millionen Euro in den ca. 23 Fußballfelder großen Sartorius Campus im Westen der Stadt investiert wurden.
Angesichts der Situation der Stadtkasse dürften die Verantwortlichen im Neuen Rathaus schon darüber mehr als erfreut sein. Ganz konkret können sich jedoch alle Göttingerinnen und Göttinger darüber freuen, dass Sartorius zum Ausgleich für die versiegelte Fläche in Kooperation mit der Heinz Sielmann Stiftung ein ca. 16 Hektar großes Feuchtbiotop an der Leine erschuf. Das bereichert heute nicht nur das Naherholungsgebiet des Kiessees um eine weitere Facette, es dient ebenso dem Hochwasserschutz. Auch mit seinem alten Werksgelände nahe des Göttinger Stadtzentrums ging das Unternehmen verantwortlich um. Heute gibt es im Sartorius Quartier Wohnungen, ein Hotel, eine Kita, ein Gründungszentrum und neue Gewerbeansiedlungen. Nicht zu vergessen: Die historische Sheddachhalle, in der bis zu 620 Menschen Platz finden, ergänzt die Bandbreite der Göttinger Veranstaltungsräume in einem wichtigen Bereich und wird inzwischen auch für den Göttinger Literaturherbst und die Händel-Festspiele genutzt.
Ähnlich agiert auch der Saatguthersteller KWS in Einbeck. Zwar siedelte das 1856 in Sachsen-Anhalt gegründete Unternehmen 1945 nicht freiwillig in die südniedersächsische Stadt um, doch heute ist der ebenfalls international aufgestellte Konzern dort nicht mehr wegzudenken. Mehr als 2.000 Beschäftigte und ein Firmengelände, in das kontinuierlich weiter investiert wird, sind auch hier nur zwei Punkte auf einer langen Liste, die KWS und seinen Standort verbinden. Darüber hinaus engagiert sich das Unternehmen nämlich beispielsweise mit der KWS Art Lounge, einer Galerie in der historischen Innenstadt Einbecks, oder seiner Mitwirkung bei den KULTURKRAFTTAGEN im Einbecker PS.SPEICHER. Auch den MINTmachRaum im PS. Speicher, in dem sich Kinder und Jugendliche in einer modern ausgestatteten Lernumgebung mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) beschäftigen können, hat KWS mit initiiert und ist dauerhaft Förderer.
Ohne Ottobock wäre ein Beitrag zur Bedeutung von Familienunternehmen und inhabergeführten Unternehmen in Südniedersachsen natürlich unvollständig. Die Wurzeln des Prothetik-Weltmarktführers liegen zwar im Jahr 1919 in Berlin, doch aus dem Standort, der 1947 von der Familie Näder in Duderstadt gegründet wurde, entwickelte sich über inzwischen vier Generationen hinweg das heutige Unternehmen. Mit heute über 1.600 Beschäftigten am Standort prägt Ottobock Duderstadt über regelmäßige Investitionen in die kulturelle Infrastruktur, Beteiligungen an Wohnbauprojekten und Jugendprojekten. Aussagekräftige Beispiele wie die strategische Stadtentwicklungsinitiative Duderstadt 2030 oder das von Ottobock finanziell unterstützte Tabalugahaus, das Firmenchef Prof. Hans Georg Näder und der Musiker Peter Maffay 2012 in einem historischen Fachwerkhaus als Schutzraum für Kinder eröffneten, unterstreichen die Bandbreite dieser Wirkung.
Tiefe Wurzeln >>> Auch jenseits der großen Drei finden sich in Südniedersachsen zahlreiche inhabergeführte Unternehmen und Familienunternehmen, von deren Aktivitäten die Region auch über wirtschaftliche Belange hinaus profitiert.
So engagieren sich beispielsweise die Verantwortlichen des Verpackungstechnikspezialisten ETT am Firmenstandort in Fredelsloh bewusst für das gesellschaftliche Miteinander in ihrer Umgebung und unterstützen die Kindergärten vor Ort, den heimischen Sportverein oder die Feuerwehr mit Spenden für das nächste Fest oder eine neue Drohne. Die Firma PILLER in Osterode setzt andere, aber ebenso positive Akzente. Der Hersteller von Verdichtern für die Prozessindustrie fördert mit seinem Engagement im Niedersachsen-Technikum gezielt weiblichen MINT-Nachwuchs mit einem Programm aus Praxis und Schnupperstudium, das jungen Frauen Perspektiven in Technik und Naturwissenschaft aufzeigt.
Eine weitere Facette eröffnet das Engagement der HARDENBERG DISTILLERY, einem Unternehmen der gräflichen Familie von Hardenberg. Da wesentliche Zutaten für deren VON HALLERS GIN aus dem Alten Botanischen Garten der Universität Göttingen stammen, unterstützt das Unternehmen den Unterhalt des geschichtsträchtigen Besuchermagneten im Nordosten der Göttinger Innenstadt mit regelmäßigen Spenden.
Wie positiv sich die beinahe schon klassische Kooperation von Sport und unternehmerischem Engagement auswirken kann, zeigt seit vielen Jahren der leitec®-CUP im Eichsfeld. Mit den Einnahmen aus dem Hallenfußballturnier unterstützt der im Heilbad Heiligenstadt ansässige Spezialist für Energie- und Gebäudetechnik unter anderem regionale Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie das Hospiz in Göttingen. 2026 profitierte davon beispielsweise die Villa Lampe, ein soziales Netzwerk für junge Menschen und eine feste Anlaufstelle für offene Kinder- und Jugendarbeit im Eichsfeld.
Mehr als ein Logo auf dem Trikot >>> Auch jenseits bekannter Namen gibt es zahlreiche weitere Beispiele für kleinere Familienunternehmen und inhabergeführte Unternehmen, Handwerksbetriebe und Dienstleister, die sich in ihrer Nachbarschaft, ihrem Dorf oder ihrer Gemeinde engagieren. Hier geht es um kleine Summen, Marketingerwägungen spielen kaum noch eine Rolle, es geht darum, dass man sich kennt. Wenn die eigene Tochter im Fußballverein spielt, ist es Ehrensache, die Trikots zu finanzieren. Wenn der Onkel bei der Freiwilligen Feuerwehr ist und fragt, ob er sich den Firmentransporter leihen kann, um Material zum Dorffest zu bringen, sagt man gern Ja. Ohne diese Hilfs- und Spendenbereitschaft kleiner und kleinster inhabergeführter Unternehmen, an ihrem Stand- oder Wohnort unkompliziert und sehr praktisch zu helfen, wäre ehrenamtliches Engagement heute kaum noch vorstellbar.
Dabei geht es nicht darum, diese Unternehmen romantisch zu verklären. Auch sie müssen wirtschaftlich arbeiten und deshalb manchmal schmerzhafte Entscheidungen treffen. Aber sie verstehen ihren Standort eben viel mehr als Heimat denn als Kostenstelle, und das bringt eine Verantwortung mit sich, von der die Menschen in Südniedersachsen auf vielerlei Weise profitieren.
MIt der Art Lounge bereichert KWS das kulturelle Leben in Einbeck.
Die HARDENBERG DISTILLERY unterstützt den Alten Botanischen Garten am Rande der Göttinger Innenstadt.
Das Tabalugahaus in Duderstadt wird von Ottobock unterstützt.
