Erfahrung, neue Perspektiven und gemeinsame Werte: Das Führungsteam treibt die Weiterentwicklung von LaVision als weltweit führenden Anbieter optischer Messtechnik voran.
Zwei Jahre nach dem Generationswechsel in der Geschäftsführung zieht LaVision Bilanz und blickt nach vorne. Das Göttinger Unternehmen für optische Messtechnik steht vor dem nächsten großen Schritt: raus aus der akademischen Nische, rein in die Industrie.
Text: Kristin Schild | Fotos: LaVision
Das Göttinger Unternehmen LaVision entwickelt und fertigt hochpräzise optische Messsysteme, ihr Kerngeschäft ist die Strömungsvisualisierung, die sie zum weltweiten Marktführer gemacht hat. Weitere Anwendungsfelder wie die Qualitätssicherung in der Automobilindustrie oder die Reinraummesstechnik gewinnen zunehmend an Bedeutung, gelten intern aber noch als Marktpotentiale, die es zu erschließen gilt. Rund 40 Jahre lang war LaVision ein inhabergeführtes Unternehmen, geprägt vom Geist der Gründer, die 1989 ohne konkreten Businessplan eine Firma aus einer wissenschaftlichen Idee heraus entstehen ließen. Heute sind Thomas Berg und Stefan Ilse als angestellte Geschäftsführer die erste Generation, die dieses Erbe weiterträgt. „Wir müssen über die angestammten Themen, die die Grundlage des heutigen Erfolges sind, hinauswachsen und etwas Neues schaffen“, sagt Thomas Berg. Der Gründergeist, betonen beide, ist dabei noch spürbar präsent. Die Gesellschafter im Hintergrund sind nach wie vor die Gründerfamilien, ihre Erben und langjährige Mitarbeitende der ersten Stunde – kein Großkonzern, keine Banken, das Unternehmen überwiegend in Göttinger Hand. „Es fühlt sich daher schon noch ein bisschen familiär an“, sagt Stefan Ilse.
Strukturen für morgen schaffen >>> Wer bei LaVision arbeitet, bleibt oft jahrzehntelang. Viele Mitarbeitende sind noch aus der Gründungsphase dabei und kennen jeden Winkel des Unternehmens, das seit Anfang der 2000er-Jahre auf der Göttinger Siekhöhe beheimatet ist. Diese Kontinuität ist Stärke und Herausforderung zugleich. „Wir wollen in eine neue Zeit aufbrechen“, sagt Thomas Berg. Konkret bedeutet das: neue Vertriebsstrukturen, eine eigene Betriebseinheit für industrielle Anwendungen, mehr standardisierte Abläufe und perspektivisch eine neue Fertigungshalle auf dem bereits erworbenen Nachbargrundstück. Derzeit ist LaVision noch eine Art Manufaktur: kleine Stückzahlen, viel Handarbeit, Feinmechanik, Elektronik, ein eigener Reinraum. „Bei uns passiert alles von Hand“, so Ilse. Mit dem Einstieg in industrielle Prozesse könnte sich das mittelfristig ändern – statt fünf vielleicht dreißig oder fünfzig Einheiten, wie Stefan Ilse erläutert. Keine Massenproduktion, aber ein anderes Denken in der Fertigung. Auch künstliche Intelligenz spielt dabei eine wachsende Rolle, aktuell etwa, um internes Know-how zugänglich zu machen, Handbücher und wissenschaftliche Veröffentlichungen auszuwerten oder künftig eventuell auch bei komplexeren Abläufen zu unterstützen.
Mit den Mitarbeitenden in die Zukunft >>> Dieser Wandel soll nicht über die Köpfe der Belegschaft hinweggehen. Im Rahmen eines Strategieprozesses wurden Mitarbeitende aus allen Bereichen aktiv eingebunden. In einer Zukunftswerkstatt entstanden gemeinsam Ideen, wie LaVision künftig aufgestellt sein soll. „Das hat auch psychologisch viel gemacht“, erklärt Berg. Eine zentrale Erkenntnis des Prozesses war unter anderem, wie man sich auf potenzielle Kunden zubewegen muss, um sie gezielter hinsichtlich ihrer Anforderungen anzusprechen. Ein Teil davon wurde bereits in Form eines gezielten Marketingausbaus und einer neu gestalteten Website erfolgreich umgesetzt. „Da hatten wir Nachholbedarf“, räumt Berg ein.
Zwei, die sich ergänzen >>> Thomas Berg ist seit 1999 bei LaVision, war lange Entwicklungsleiter und kennt das Unternehmen von innen wie kaum ein anderer. Stefan Ilse hingegen brachte den frischen Blick von außen mit. Er verfügte über Erfahrung im operativen Management, im Controlling und in der Transformation inhabergeführter Unternehmen. „Ich habe methodisches Wissen und eine andere Sichtweise eingebracht, Herr Berg die tiefe Kenntnis des Unternehmens. Zudem teilen wir beide die gleichen Werte“, sagt Ilse. Berg verantwortet als technischer Geschäftsführer Vertrieb, Entwicklung und Produktmanagement, Ilse den operativen Bereich und die Finanzen. Beide betreiben zudem einen gemeinsamen Podcast, um die Nähe zur Belegschaft zu erhalten.
Highlights und aktuelle Projekte >>> Was das Göttinger Unternehmen ebenfalls auszeichnet, zeigt sich besonders in der Bandbreite der Projekte. Ein aktuelles Highlight ist eine Klimaforschungsanlage in Indien: In einem elf Meter hohen Turm werden künstliche Wolken erzeugt, und mit der LaVision-Messtechnik werden die Strömungen in 3D aufwendig visualisiert. „Das gesamte Know-how kommt in diesem Projekt zusammen“, sagt Berg stolz. Eines seiner persönlichen Highlights war die aerodynamische Vermessung des ältesten noch existierenden Jaguar E-Type Prototyps, der durch einen historischen Eisenbahntunnel in England fuhr, um die Aerodynamik des klassischen Sportwagens zu vermessen. Besonders zukunftsträchtig ist aktuell hingegen das System Glass-SFR: Es prüft die optische Qualität von Windschutzscheiben. Diese ist relevant für das autonome Fahren, bei dem Kameras hinter modernen Windschutzscheiben einwandfrei „sehen“ müssen. LaVision arbeitet dabei mit Mobileye und Volkswagen zusammen. Weitere Felder sind die Messung von Unterwasserströmungen für effizientere Schiffsantriebe sowie eine Kamera zur Sichtbarmachung von Stickoxiden in Verbrennungsprozessen, relevant für die Optimierung nachhaltiger Kraftstoffe wie Wasserstoff. „Auch nachhaltige Brennstoffe sind noch nicht emissionsfrei“, erklärt Berg. „Da können wir helfen.“
Göttingen als Heimat und Netzwerk >>> Dass LaVision seinen Hauptsitz in Göttingen hat, ist kein Zufall. Die Universitätsstadt hat eine lange Tradition in der Strömungsforschung. Ludwig Prandtl begründete hier einst die moderne Strömungslehre, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sitzt quasi um die Ecke, ebenso Laserhersteller und weitere Technologieunternehmen. Rund zwei Drittel der Mitarbeitenden stammen aus der Region, viele Zulieferer sind mit dem Unternehmen gewachsen. „Enge Kontakte und ein vertrauter Umgang sind hier von großer Bedeutung. Die Kommunikationswege sind kurz“, sagen die beiden Geschäftsführer. Strategisch wächst die Bedeutung von Partnernetzwerken: Um an große Industriekunden heranzukommen, braucht es Verbündete. Die Strategie dahinter ist LaVision als hochspezialisierter Zulieferer, dessen intelligente Komponenten aus Göttingen in die Produkte globaler Player einfließen.
Wünsche für die Zukunft >>> Was wünschen sich die beiden Geschäftsführer für die kommenden Jahre? Stefan Ilse benennt ein typisches Phänomen bei einer Größe von 100-150 Mitarbeitenden, bei dem weiteres Wachstum aus organisatorischen Gründen eine Herausforderung darstellt. „Viele Unternehmen schaffen diesen nächsten Schritt nicht. Wir sind mit unseren rund 120 Mitarbeitenden genau dabei, und mein Wunsch ist, dass wir diese Hürde locker nehmen.“ Für Thomas Berg geht es um mehr als nur Wachstum: „Wir müssen den Sprung in moderne Strukturen schaffen, in denen auch die Mitarbeitenden eingebunden sind.“ Das eigentliche Ziel formulieren die Geschäftsführer so: „LaVision muss sich neuen Märkten zuwenden und dort mindestens ebenso erfolgreich sein, wie in den angestammten Märkten. Dazu müssen sich nicht nur unsere Produkte sondern die Firma als Ganzes kontinuierlich weiterentwickeln. Das wird uns durch aktive Beteiligung unserer kompetenten und befähigten Mitarbeitenden gelingen.“
Präzision beginnt im Detail. Jedes System wird entwickelt, getestet und optimiert, bevor es beim Kunden zum Einsatz kommt.
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