Bjarne und Prof. Dr. Carsten Hufenbach
Die Dr. Hufenbach Consulting GmbH wird zur Hufenbach Gruppe. Dabei verstehen Prof. Dr. Carsten Hufenbach und Bjarne Hufenbach Nachfolge bewusst als Verbindung aus Erfahrung, Qualität, Digitalisierung und kontrolliertem Wachstum.
Interview: Silke Jansen | Fotos: Hufenbach Gruppe
Herr Prof. Dr. Hufenbach, Sie haben das Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut. Was war Ihnen von Beginn an besonders wichtig?
C. H.: Für mich stand immer die Qualität im Mittelpunkt. Als ich angefangen habe, ging es nicht darum, möglichst schnell groß zu werden. Es ging darum, Arbeitssicherheit, Umweltschutz und später weitere Themen fachlich sauber, zuverlässig und praxisnah umzusetzen. Unsere Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass Beratung nicht nur theoretisch richtig ist, sondern im Betrieb funktioniert. Gerade in unseren Themenfeldern geht es um Verantwortung, Haftung, Sicherheit und Vertrauen.
Herr Hufenbach, als Nachfolger bezeichnen Sie den Prozess „Nachfolge mal anders“. Was meinen Sie damit?
B. H.: Eine klassische Nachfolge bedeutet häufig: Die nächste Generation übernimmt und führt das Bestehende fort. Bei uns war schnell klar, dass wir den Übergang als strategischen Neustart nutzen wollen. Mein Vater hat ein sehr starkes Fundament geschaffen. Die entscheidende Frage war: Machen wir einfach so weiter – oder bauen wir daraus eine Struktur, die auch in einem sich verändernden Markt langfristig Bestand hat? Wir haben uns bewusst für den zweiten Weg entschieden.
Warum reicht einfaches Weitermachen nicht aus?
B. H.: Weil sich der Markt deutlich verändert. Viele kleinere Spezialgesellschaften sind fachlich hervorragend, stoßen aber bei Digitalisierung, Recruiting, Vertrieb, Marketing oder Standortentwicklung irgendwann an Grenzen. Gleichzeitig konsolidiert sich der Markt. Größere Gruppen entstehen, auch Private-Equity-geprägte Plattformen werden aktiver. Wenn man als Familienunternehmen langfristig relevant bleiben will, darf man nicht nur reagieren. Man muss selbst gestalten. Außerdem brauchen Mitarbeitende Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten.
Welche Rolle spielt die Reputation von Hufenbach für den Nachfolgeprozess?
B. H.: Eine sehr große. Wir haben über die Jahre Kunden aus 37 Ländern betreut und viele dieser Beziehungen bestehen bis heute. Für unsere Unternehmensgröße hatten wir immer wieder sehr interessante, auch internationale Kunden. Dazu kommt unsere Nähe zu Gesetzesausschüssen, Normgremien und fachlichen Entwicklungen. In bestimmten Bereichen treten wir zudem deutschlandweit als exklusive Referenten für Konzerne und namhafte Bildungsträger auf. Diese Reputation ist ein enormer Vertrauensvorschuss. Gleichzeitig verpflichtet sie uns dazu, unseren Qualitätsanspruch bei allem Wachstum nicht zu verwässern.
Wie sieht das neue Gruppenmodell konkret aus?
B. H.: Die Hufenbach Gruppe wird Unternehmen mit neun spezialisierten Kompetenzzentren ganzheitlich bei EHS- und ESG-Themen begleiten (siehe Sidefact). Jedes dieser Zentren wird innerhalb der Gruppe über ein klares fachliches Profil als starke, eigenständige Marke funktionieren. Diese Markenbildung innerhalb der Gruppe ist uns wichtig. Wir werden nicht einfach Unternehmen übernehmen und anschließend glattziehen. Zukäufe werden als Spezialisten sichtbar bleiben, ihre Identität behalten und zugleich von gemeinsamen Strukturen profitieren. So verbinden wir fachliche Tiefe mit den Vorteilen einer gemeinsamen Organisation.
Vor der eigentlichen Nachfolge haben Sie gemeinsam mit Sebastian Litfin das Softwareunternehmen Envioteq Digital Engineering GmbH gegründet. Welche Rolle spielt das heute?
B. H.: Enivoteq ist ein zentraler Baustein der Hufenbachgruppe, denn viele Anforderungen in EHS und ESG lassen sich nur dann gut steuern, wenn Prozesse digital unterstützt werden. Audits, Maßnahmen, Dokumente, Rechtskataster, Schulungen, Nachweise und Kundenportale müssen übersichtlich, aktuell und verlässlich sein. Envioteq soll diese digitalen Themen innerhalb der Gruppe abbilden und weiterentwickeln. Digitalisierung ersetzt dabei keine Beratung. Sie entlastet unsere Fachleute und macht Qualität skalierbarer.
Die Gruppe wächst auch durch Zukäufe. Wie wählen Sie passende Unternehmen aus?
B. H.: Wir suchen Unternehmen mit gutem Ruf, fachlicher Substanz und einer Kultur, die zu uns passt. Dabei sind Sanierungsprojekte, abgesehen von einer einzelnen strategisch besonders sinnvollen Ausnahme, für uns grundsätzlich uninteressant. Jeder Zukauf muss vor allem ein Kompetenzzentrum stärken und zur Gruppe passen. Wir arbeiten dabei auch mit strukturierten Finanzierungsmodellen wie Leveraged-Buy-out-Ansätzen. Entscheidend ist aber nicht die Konstruktion, sondern die Disziplin dahinter. Wachstum darf nie Selbstzweck sein. Es muss kontrollierbar bleiben.
Was bedeutet „kontrollierbares Wachstum“ für Sie praktisch?
B. H.: Es bedeutet, dass die Organisation mitwachsen muss. Wir haben in diesem Jahr bereits eine betriebsärztliche Gesellschaft aus Göttingen sowie ein Ingenieurbüro aus dem Saarland mit einer weiteren Niederlassung in Stuttgart hinzugewonnen. Das stärkt vor allem Arbeitsmedizin und Brandschutz. Weitere Schritte sind denkbar und teils auch schon in der Pipeline, aber wir schauen sehr genau hin. Wachstum ist schön und gut, aber wenn Strukturen, Menschen und Prozesse nicht mitkommen, fliegt einem das Ganze schnell um die Ohren.
Herr Prof. Dr. Hufenbach, welche Rolle spielen Sie künftig in der Hufenbach Gruppe?
C. H.: Ich bin weiterhin vor allem im operativen Tagesgeschäft eingebunden. Dort liegt meine Erfahrung, dort kenne ich Kunden, Themen und Abläufe sehr genau. Mit dem Aufbau und Wandel der Gruppe selbst habe ich dagegen bewusst nur noch wenig zu tun. Das ist auch richtig so. Eine Nachfolge funktioniert nur, wenn die nächste Generation nicht nur formal übernimmt, sondern wirklich gestalten kann. Ich bringe mich ein, wenn mein Rat gefragt ist, aber die strategische Entwicklung der Gruppe liegt klar bei meinem Sohn.
Herr Hufenbach, wie wichtig ist Ihr Vater dennoch für den Übergang?
B. H.: Sehr wichtig. Mein Vater ist im operativen Geschäft nach wie vor ein zentraler Wissensträger und für viele Kunden ein vertrautes Gesicht. Beim Aufbau der Gruppe hält er sich weitgehend heraus, aber sein Wissen, sein Netzwerk und sein Ruf sind für uns enorm wertvoll. Gleichzeitig müssen wir den Übergang so gestalten, dass die Gruppe und auch die nächste Generation stärker als eigenes Gesicht wahrgenommen werden. Das braucht Fingerspitzengefühl und Respekt vor dem, was aufgebaut wurde.
Das Konzept der Hufenbach Gruppe hat bereits das Interesse von Investoren geweckt. Warum bleiben Sie Familienunternehmen?
B. H.: Weil das zu uns passt. Natürlich ist es eine Bestätigung, wenn Investoren Interesse zeigen. Wir haben sogar schon komplette Kaufangebote bekommen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem vieles gefühlt noch theoretisch war. Das zeigt, wie interessant der Markt zu sein scheint, erst recht mit dem Weg, den wir wählen. Aber wir wollen selbst gestalten. Wir wollen beweisen, dass ein Familienunternehmen professionell wachsen kann, ohne seine Werte aufzugeben.
Was ist Ihr langfristiges Ziel?
B. H.: Wir wollen eine anerkannte und mittelständische Qualitätsgruppe im EHS- und ESG-Umfeld aufbauen. Nicht die größte um jeden Preis, sondern eine Gruppe, die für Fachlichkeit, Vertrauen, digitale Stärke und nachhaltiges Wachstum steht. Für mich ist das der Kern von Nachfolge mal anders: Wir übernehmen nicht nur ein Unternehmen. Wir bauen aus einem starken Lebenswerk eine Plattform für die Zukunft.
Standorte: Deggendorf, Göttingen, Hamburg, Saarbrücken, Stuttgart
Neun Kompetenzzentren
Die neue Hufenbach Gruppe versteht sich als familiengeführter Zusammenschluss spezialisierter Kompetenzzentren für EHS- und ESG-Themen. Dabei steht EHS für Environment, Health & Safety, also Umwelt, Gesundheit und Sicherheit. Das Thema ESG erweitert diesen Blick um Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Unternehmensführung. Die einzelnen Kompetenzzentren spezialisieren sich auf neun unterschiedliche Bereiche: Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit, Brandschutz, Datenschutz & IT-Sicherheit, Energie & Klima, Qualitätsmanagement & Prozessoptimierung, Rechtskataster, Umwelt & Nachhaltigkeit sowie Software.
Hufenbach Gruppe GmbH
Düstere-Eichen-Weg 50
37073 Göttingen
Telefon: 05 51 / 383 31-0
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www.hufenbach-gruppe.de
