Rein­hild Jung und Oli­ver Seufer als Geschäfts­füh­rung bün­deln mit Koor­di­na­to­rin Saskia Ripp­lin­ger bei Ser­Net die vie­len Nach­hal­tig­keits-Ansät­ze

Wer nach­hal­ti­ger arbei­ten will, muss nicht auf den gro­ßen Wurf war­ten. Ent­schei­dend ist: anfan­gen, hin­schau­en und aus klei­nen Schrit­ten einen gemein­sa­men Weg machen.

Text: Clau­dia Krell | Fotos: Wil­lem Rothe, Saskia Ripp­lin­ger

Nach­hal­tig­keit wirkt für vie­le Unter­neh­men wie ein Berg, der einen erschlägt, bevor man los­geht: Zer­ti­fi­ka­te, Berichts­pflich­ten, Lie­fer­ket­ten, CO2-Bilan­zen. Dabei steckt der ers­te Schritt oft in Fra­gen, die jeder Betrieb kennt: War­um dru­cken wir das noch aus? Muss jemand zu dem Ter­min fah­ren? Wie lan­ge nut­zen wir Gerä­te? Wel­che Lie­fe­ran­ten pas­sen zu uns? Und wer im Team hat eine Idee zum Auf­grei­fen?
Hier setzt die Ser­Net GmbH an. „Nach­hal­tig­keit muss nicht mit einem gro­ßen Wurf begin­nen“, sagt Geschäfts­füh­re­rin Rein­hild Jung. „Vie­le wirk­sa­me Ver­än­de­run­gen ent­ste­hen im Tages­ge­schäft. Ent­schei­dend ist, die ein­zel­nen Puz­zle­tei­le bewusst zusam­men­zu­tra­gen und ihnen einen Rah­men zu geben.“ Für das Göt­tin­ger IT-Unter­neh­men heißt das: erst sicht­bar machen, was im All­tag längst pas­siert – und die­se Ansät­ze dann Schritt für Schritt bün­deln.
Ser­Net ist kein pro­du­zie­ren­des Unter­neh­men. „Wir haben kei­ne Fer­ti­gungs­hal­le, kei­ne Lie­fer­flot­te, kei­ne gro­ßen Mate­ri­al­strö­me. Unse­re Hebel lie­gen an ande­ren Stel­len im Arbeits­all­tag“, so Jung wei­ter: Stoff­hand­tü­cher, Öko-Toi­let­ten­pa­pier, Was­ser­spen­der, digi­ta­le Rech­nun­gen, papier­ar­me Pro­zes­se, LED-Beleuch­tung, Zeit­schal­tun­gen, E-Autos als Dienst­fahr­zeu­ge, regio­na­le Lie­fe­ran­ten und tech­ni­sche Gerä­te, die mög­lichst lan­ge genutzt wer­den. Ein­zeln betrach­tet kei­ne spek­ta­ku­lä­ren Maß­nah­men. Zusam­men zei­gen sie aber, wie Nach­hal­tig­keit Form annimmt: durch Hal­tung, Rou­ti­nen und Ent­schei­dun­gen, die gelebt wer­den.

Rei­sen, wenn es zählt >>> Eine beson­de­re Rol­le spielt Mobi­li­tät. Ser­Net setzt auf Bahn­rei­sen, Bahn­Cards und Bike-Lea­sing. In der Coro­na-Zeit stell­ten vie­le Unter­neh­men kurz­fris­tig auf Home­of­fice um. Ser­Net hat agi­le Prä­senz­kul­tur zur dau­er­haf­ten Pra­xis gemacht. Vie­le Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen arbei­ten wei­ter­hin fle­xi­bel, hybrid oder voll­stän­dig remo­te – pas­send zum Pro­jekt, zum Team und zur Lebens­si­tua­ti­on. „Digi­ta­le Mee­tings erset­zen kei­nen per­sön­li­chen Kon­takt“, sagt Jung. „Sie hel­fen aber, bewuss­ter zu ent­schei­den, wann ein Weg sinn­voll ist und wann eine Video­kon­fe­renz bes­ser passt.“
Damit wird Mobi­li­tät auch zum Arbeit­ge­ber­the­ma. Die­se Arbeits­kul­tur spie­gelt Ver­trau­en wider, erleich­tert Ver­ein­bar­keit und passt zu den Erwar­tun­gen vie­ler Fach­kräf­te. Den­noch blei­ben Begeg­nun­gen auch bei Ser­Net wich­tig: Teams brau­chen Aus­tausch, Büros blei­ben Orte der Zusam­men­ar­beit und sozia­ler Zusam­men­halt trägt zum Wohl­be­fin­den am Arbeits­platz bei.
Open Source und Nach­hal­tig­keit >>> Für ein IT-Unter­neh­men hat Nach­hal­tig­keit auch eine digi­ta­le Dimen­si­on. Ser­Net ent­wi­ckelt und pflegt seit Jah­ren Open-Source-Soft­ware, dar­un­ter Sam­ba und ver­inice. Quell­of­fe­ner Code lässt sich prü­fen, anpas­sen und über lan­ge Zeit nut­zen – das redu­ziert Abhän­gig­kei­ten und stärkt digi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät.
Dabei bleibt Ser­Net prag­ma­tisch. Open Source ist nicht nur The­ma der eige­nen Ent­wick­lung, son­dern auch der Arbeit beim Kun­den: Bei siche­ren Infra­struk­tu­ren und in der Sys­tem­in­te­gra­ti­on (SI) prüft das Unter­neh­men offe­ne Alter­na­ti­ven, wo sie fach­lich über­zeu­gen, und setzt pro­prie­tä­re Lösun­gen ein, wo sie bes­ser pas­sen. Ent­schei­dend ist nicht das Eti­kett, son­dern ob eine Lösung im kon­kre­ten Fall stim­mig ist.
Oli­ver Seufer, der gemein­sam mit Rein­hild Jung die Geschäfts­füh­rung der Ser­Net GmbH bil­det, sieht Nach­hal­tig­keit auch als Fra­ge lang­fris­tig trag­fä­hi­ger IT: „Offe­ne Stan­dards sowie lang­le­bi­ge Hard- und Soft­ware schaf­fen die Grund­la­ge für Sys­te­me, die auch in vie­len Jah­ren noch sinn­voll betrie­ben und wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kön­nen.“ Das ist Nach­hal­tig­keit dort, wo sie am meis­ten zählt: im Kern­ge­schäft

Vom Azu­bi-Pro­jekt zum Pro­zess >>> Das The­ma Nach­hal­tig­keit ist bei Ser­Net in der Geschäfts­füh­rung ange­sie­delt. Rein­hild Jung und Oiver Seufer haben dazu im ver­gan­ge­nen Jahr gezielt ein Azu­bi-Pro­jekt gestar­tet. Der Gedan­ke: Wenn es um Zukunft geht, soll auch die jun­ge Gene­ra­ti­on mit­ge­stal­ten, die mit den Fol­gen heu­ti­ger Ent­schei­dun­gen leben wird. „Die Aus­zu­bil­den­den haben zunächst aus gesam­mel­ten Beob­ach­tun­gen ein Gesamt­bild gemacht“, sagt Rein­hild Jung. „So wird sicht­bar, was bei Ser­Net bereits umge­setzt und gelebt wird – und wor­auf wir auf­bau­en kön­nen.“ Auch neue Ideen sind ent­stan­den: Ein Bie­nen­ho­tel hat bei­spiels­wei­se auf dem Dach des Göt­tin­ger Medi­en­hau­ses Ein­zug gehal­ten.
Außer­dem über­nimmt Saskia Ripp­lin­ger, die bei Ser­Net gera­de ihr dua­les Stu­di­um been­det, die Rol­le der Nach­hal­tig­keits­ko­or­di­na­to­rin. Bei­trä­ge zusam­men­füh­ren, aus vor­han­de­nen Ansät­zen einen nach­voll­zieh­ba­ren Pro­zess machen, Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aktiv ein­be­zie­hen: Das sind künf­tig ihre Auf­ga­ben.

Ver­netzt in Göt­tin­gen >>> Pas­send dazu ist Ser­Net der Liga nach­hal­ti­ge Betrie­be bei­getre­ten, einer Initia­ti­ve der GWG Gesell­schaft für Wirt­schafts­för­de­rung und Stadt­ent­wick­lung Göt­tin­gen. Sie bringt Betrie­be aus der Regi­on zusam­men, die Nach­hal­tig­keit prak­tisch ange­hen und von­ein­an­der ler­nen wol­len. Für ein inter­na­tio­nal arbei­ten­des und in Göt­tin­gen ver­wur­zel­tes Unter­neh­men ein nahe­lie­gen­der Schritt: Der Aus­tausch lie­fert Input, das ange­streb­te Nach­hal­tig­keits-Label gibt der eige­nen Ent­wick­lung einen ver­bind­li­chen Rah­men. „Vie­le unse­rer Fra­gen stel­len sich ande­ren ähn­lich“, sagt Jung. „Genau des­halb suchen wir den Aus­tausch.“ Seufer ergänzt: „Das Label ist eine gute Ziel­mar­ke. Der eigent­li­che Wert liegt aber im Pro­zess – und dar­in, dass Nach­hal­tig­keit dau­er­haft mit­ge­dacht wird und so Teil unse­rer Unter­neh­mens­kul­tur bleibt.“
Nach­hal­tig­keits­pro­jek­te, Nach­hal­tig­keits­be­richt, das ange­streb­te Label sowie stär­ke­re Betei­li­gung sind bei Ser­Net die nächs­ten Schrit­te. Die Bot­schaft reicht dar­über hin­aus: Nach­hal­tig­keit beginnt dort, wo Unter­neh­men ihre bestehen­den Ent­schei­dun­gen bewuss­ter betrach­ten. So kann aus vie­len klei­nen Initia­ti­ven ein gemein­sa­mer Weg wer­den.

Sicht­ba­re Initia­ti­ve: Das Bie­nen­ho­tel ist eine Idee aus dem Azu­bi-Pro­jekt

An der Lade­säu­le am Göt­tin­ger Medi­en­haus: Ser­Net-Nach­wuchs Vini­sha Raja­ku­mar und Janik Fre­se

Über die Ser­Net GmbH
Die Ser­Net GmbH ist Dienst­leis­te­rin im Bereich IT-Sicher­heit und Siche­re Infra­struk­tu­ren. Das Unter­neh­men ist mit Büros in Göt­tin­gen, Ber­lin und San Fran­cis­co welt­weit und rund um die Uhr für Kun­den tätig. Zum Ange­bot gehö­ren auch die Open-Source-Lösun­gen SAMBA+ und ver­inice.

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