Der Präsident des Golfclubs Hardenberg lebt heute vor allem auf Sylt. Bei einem seiner regelmäßigen Besuche in Göttingen traf ihn Charakter-Chefredakteur Ulrich Drees zu einem Gespräch.

Interview: Ulrich Drees | Fotos: Stephan Beuermann

Herr Bartels, wir besuchen Sie gerade in Schnedinghausen bei Ihrem besten Freund Christoph Hampe. Hier wohnen Sie, wenn Sie in der Region sind. Wie teilt sich Ihre Zeit auf?
Einmal abgesehen vom Winter, verbringe ich gegenwärtig ca. 80 Prozent meiner Zeit auf Sylt. Im Winter bin ich jedoch gern woanders, irgendwas mit Sonne, obwohl das Klima im November noch angenehm ist, kann es in den nächsten vier bis fünf Monaten wirklich anstrengend werden. Da ich weiter unfassbar gern nach Göttingen komme, freue ich mich dann immer besonders, dass mich Christoph hier in einer Art Friend­ship-WG – wie er es gern nennt – aufnimmt.

Seit wann leben Sie auf Sylt?
Seit 2016 verbringe ich dort ca. die Hälfe meiner Zeit, seit zwei Jahren den Großteil. Vor allem wegen des Golf Clubs Hardenberg e. V., dessen Präsident ich bin, bin ich aber auch regelmäßig hier vor Ort.

Warum sind Sie nach Sylt gezogen?
Nach dreißig Jahren als normaler Sylt-Urlauber fand ich es dort einfach schön. Ich spiele dort unheimlich gern Golf und mag außerdem den nordischen Lebensstil. Es gibt ja nicht das eine Sylt“. Kampen ist anders als Westerland ist anders als Keitum ist anders als Hörnum. Urlauber und Einheimische, bzw. Menschen mit Wohnungen auf der Insel, halten sich an ganz unterschiedlichen Orten auf. Diese Vielfalt reizt mich. Es gibt die Ruhe im Winter, selbst wenn das Wetter anstrengend ist, und den Trubel im Sommer mit seinem tollen Wetter, der alle Menschen an den Strand lockt.
Dann hatte ich vor acht Jahren das Glück, dort Eigentum erwerben zu können. Eher als Hobby, um etwas zu tun zu haben, wenn ich dort bin, habe ich dann auch eine zufällig verfügbare Werbeagentur gekauft. Ich habe dann ein besonderes Produkt entwickelt, das sogenannte Lichtschachtbild. Jetzt kümmere ich mich immer so ein paar Stunden um die Agentur, ein paar Beratungsmandate, die Zahnarztpraxis meiner Lebensgefährtin oder verbringe den Rest des Tages am Strand und beim Golfen.

Sind Sie ein Strandmensch?
Eigentlich mag ich weder das Wasser – denn da wird man nass –, noch mag ich den Strand besonders. Man hat nur Sand an den Füßen und überall an den Klamotten. Ich bin auch kein Hitzemensch, wobei – und das ist ein entscheidender Vorteil – das Sommerklima auf Sylt sehr viel angenehmer ist als in Göttingen. Wenn hier 35 bis 38 Grad nicht selten sind, bleiben die Temperaturen dort unter der 30er-Marke.

Mit Wohnsitz und Werbeagentur – gehört man auf Sylt dann „dazu“?
Sylt hat ca. 18.000 Einwohner, die ihren ersten Wohnsitz dort haben. Unter diesen Menschen entsteht schon eine Zusammengehörigkeit. Am Ende ist man auf einer Insel gefangen. Gleichzeitig gibt es natürlich verschiedene „Gemeinschaften“, wie den Golfclub, die Firma oder den Unternehmerverband, in denen man jedoch ganz von allein Anschluss findet.

Jetzt, wo Sie keiner mehr sind, nerven die Touristen?
Das ist sicher ein zweischneidiges Schwert. Zunächst mal leben viele von den Touristen – auch ich mit meiner Werbeagentur. Als Sylt in der Corona-Zeit quasi mit einem Betretungsverbot belegt war, war es auch im Sommer total ruhig, was sich dann noch einmal ganz anders genießen ließ. Aber dass die Touristen nerven, wäre zu viel gesagt. Außer vielleicht bei schlechtem Wetter, denn dann sitzen sie alle im Auto und bewegen sich zwischen den Einkaufszentren in List, Weserland und Hörnum hin und her. Da sie dabei die beiden Kreisverkehre Sylts passieren müssen und deutsche Autofahrer in Kreiseln oft überfordert sind, staut sich alles. Für acht Kilometer eine halbe Stunde zu brauchen, das ist dann schon anstrengend. Aber auch insgesamt sind die Menschen nach Corona ein wenig unentspannter geworden. Die angespannte, internationale Situation kommt noch hinzu. All das merkt man auch auf Sylt, und das macht mir Sorgen.

Ist der Sylt-Lifestyle in Gefahr?
Es gibt schon Bedrohungen – die schlechte Zugverbindung über den Hindenburgdamm zum Beispiel. Wegen der ständigen Verspätungen habe ich selbst schon Personal verloren. Mit einer anderen Brennweite hat Sylt darüber hinaus ähnliche Probleme wie Göttingen oder Berlin. Fachkräftemangel, Wohnraum und selbst die Migrationsproblematik sind auf Sylt allgegenwärtig. Die typische heile Welt der 90er-Jahre gibt es nicht mehr. Früher konnte man die Türen offen lassen. Das ist nicht mehr so. Gleichwohl bleibt Sylt eine Marke, und die wird am Ende auch niemals untergehen, weder tatsächlich, noch sinnbildlich. Deshalb glaube ich, dass sich das alles wieder regulieren wird.

Sicher ist für ein Leben auf Sylt auch ein gewisser Wohlstand nötig. Womit verdienen Sie Ihr Geld?
Nach meiner Ausbildung in der Steuerberatung hatte ich das Glück, kurz nach der Grenzöffnung viele Unternehmen im östlichen Eichsfeld bei ihren Steuern unterstützen zu können. Daraus ergab sich relativ schnell der Sprung in die Selbstständigkeit als Unternehmensberater, und mit Mitte Zwanzig habe ich begonnen, Unternehmen wirtschaftlich zu sanieren. Kurz darauf bin ich dann selbst ins Eichsfeld gezogen, wo ich eine schöne Immobilie kaufen konnte. Dass ich in der Folge so viele Unternehmen im Eichsfeld erfolgreich sanieren konnte, darauf bin ich schon ein wenig stolz. Es ist selten in der Unternehmenssanierung, dass die Anfragen aus der Nachbarschaft kommen, denn wie der Prophet im eigenen Land taugt man vor Ort meist nichts. Ich habe dann aber auch im Großraum Göttingen, Hamburg und Berlin verschiedene Beratungsmandate ausgeübt und bin bis heute regelmäßig in diesem Bereich tätig.

Arbeiten Sie bei Ihrer Beratungstätigkeit mit einem festen Team?
Das ist unterschiedlich. Bei Unternehmensgrößen bis ca. 200 Millionen Umsatz und 500 Mitarbeitern kann man mit der vorhandenen Struktur vieles auch allein abdecken. Bei Bedarf arbeite ich allerdings auch mit Partnern aus meinem Portfolio-Netzwerk zusammen. Grundsätzlich bin ich weniger der Akademiker als der Typ, der die Ärmel hochkrempelt, in die Verantwortung geht und auch ein Interims-Management macht. Mit Tabellen und Texten beschäftige ich mich weniger.
Vor 15 Jahren hatte ich noch 20 eigene Mitarbeiter in der Beratung und IT-Beratung, nach zehn Jahren bin ich allerdings aus diesen Strukturen raus und arbeite seither allein, nur noch die Hälfte, habe mehr Ruhe und verdiene unterm Strich auch nicht weniger.

Wie war das, im Eichsfeld Fuß zu fassen, dessen Menschen ja oft eine besondere Zusammengehörigkeit nachgesagt wird?
Ich kann nur bestätigen, dass die Eichsfelder ein im positiven Sinne besonderes Volk sind, das sich gegenseitig gern hilft. Früher wurden am Wochenende ganze Häuser gebaut, weil alle Nachbarn mithalfen. Ganz so ist es heute zwar nicht mehr, aber da ist immer noch eine spürbare Zusammengehörigkeit. Insofern hatte ich tatsächlich Glück, als außenstehender Göttinger dort sehr gut aufgenommen zu werden. Nachdem die ersten zwei, drei Mandate sehr gut gelaufen waren, hatte ich diesen Ruf: „Der Bartels kann helfen.“ Obwohl die Stimmung in Firmen, denen es wirtschaftlich nicht gut geht, oft angestrengt ist, hatte ich in den zwanzig Jahren im Eichsfeld nie das Gefühl, fremd zu sein. Sicher half es auch, dass ich dank meiner Mitgliedschaft in der richtigen Partei relativ schnell eingeladen wurde, mich politisch zu engagieren. und dann im Ortsrat aktiv war.
Ganz wichtig war vermutlich meine offene Art. Wenn man von selbst auf die Leute zugeht, hat man es einfacher. Es gab da so zwei Schlüsselerlebnisse. Noch völlig fremd in meinem neuen Wohnort ging ich mit einer Kiste Bier auf mein erstes Osterfeuer. Ich habe sie dann in die Mitte einer größeren Gruppe gestellt und gesagt: „Hallo, ich bin der Oliver, und ich bin der Neue. Bedient euch!“ Da brachen die Dämme gleich ein wenig ein. Das andere Beispiel: Ich hatte das einzige Haus im Dorf mit einem schwarzen Dach gekauft. Baurechtlich war das aber eigentlich verboten, und ich sollte auf rote Ziegel umrüsten. Es gab jedoch ein Urteil des Landesgerichts, dass Gemeinden die Farbe eines Einzeldachs nur vorschreiben dürfen, wenn eine gestalterische Gesamtkonzeption vorliegt, und so konnte ich das schwarze Dach behalten. Trotzdem – in einem 1.000-Seelen-Dorf kann so etwas schon mal zu einem Tumult führen. Als ich dann für den Ortsrat kandidierte, habe ich mich am Vorabend noch mal mit einer Flugblatt-Aktion vorgestellt. So was hatte es in dem Ort noch nicht gegeben, und am Ende sagten die Leute: „Das ist mal einer, der sich was traut.“ Ich habe dann auf Anhieb die viertmeisten Stimmen erhalten. Auf diese Weise Reizpunkte zu setzen – damit kann ich bis heute gut leben.

Ist an Ihnen ein Politiker verloren gegangen?
Wenn ich die Meinung anderer gut vertreten könnte, wäre ich möglicherweise in die Politik gegangen. Aber ich habe meine eigene Meinung und behalte die auch gern, deshalb bin ich, trotz meiner Mitgliedschaft in einer Partei, letztlich nicht in der Politik geblieben. Man muss damit leben können, dass einen nicht alle mögen. Damit komme ich gut klar.

Etwas, mit dem Sie in Göttingen besonders eng verbunden sind, ist das Golfen. Ist Golf für einen Unternehmensberater ein klassisches Netzwerk-Hobby?
Als ich zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand hatte, war ich dreißig und schon zehn Jahre selbstständig. Golf befand sich da gerade an der Schwelle, vom Sport für die Schönen und Reichen zu einem Sport für jedermann zu werden. Es gab noch Wartelisten, und man brauchte anders als heue einen Bürgen, um in einen Club aufgenommen zu werden. Für mich war Golf vor allem ein Sport, den ich bei Bedarf auch allein betreiben konnte. Erst nach ca. fünf Jahren packte mich das klassische Golf-Fieber.

Was muss man sich darunter vorstellen?
Wenn man den kleinen weißen Ball zum ersten Mal so gut trifft, dass er dorthin fliegt, wohin er soll, entsteht eine Gier nach dem nächsten guten Schlag. Bis der kommt, kann es zwar oft lange dauern, aber er kommt, und das erhält die Gier nach dem nächsten.

Inzwischen sind Sie Präsident des Golfclubs Hardenberg e.V. Hat das nicht doch wieder etwas mit Netzwerken zu tun?
Zu diesem Amt bin ich eigentlich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Gleichzeitig scheine ich dafür prädestiniert zu sein, gefragt zu werden, wenn irgendwo ein Job zu vergeben ist. Schon in der Schule war ich Klassensprecher, und diese Bereitschaft zum Ehrenamt hat sich erhalten. Dass man mir die Präsidentschaft anbot, dafür gab es vermutlich eine Reihe von Gründen. Ich war beispielsweise politisch engagiert und verfügte damit bereits über ein breites Netzwerk. Als Vorsitzender des Club-Beirats war ich außerdem bei den Vorstandssitzungen anwesend und habe dabei stets meine Meinung vertreten, wenn mich etwas störte.

Was war das zum Beispiel?
Aus Sicht eines Mitglieds ging mir die Entwicklung des Golfclubs schlicht nicht schnell genug. Das Golf Resort Hardenberg ist eine der größten Anlagen Deutschlands. Es gab so viel Potenzial, die Deutschen Meisterschaften und andere große Golf-Turniere waren bei uns, aber trotzdem fehlte es an Weiterentwicklung. Wir verwalteten uns hauptsächlich selbst, und die Infrastruktur war nicht gut. In diese Wunden habe ich immer wieder den Finger gelegt. Auch mein Vorgänger, Carl Graf von Hardenberg, merkte, dass der damalige Geschäftsführer nicht mit der ganz großen Dynamik an Veränderungen interessiert war. Und da ihm selbst oft die Zeit fehlte, sich intensiv um den Club zu kümmern, beschloss er, mich als Jüngeren quasi ranzulassen. Als er mich fragte, habe ich schon geschluckt. Mit Mitte 40 ist man eigentlich noch ein wenig jung für solch ein Amt. So eine Präsidentschaft ist aus meiner Sicht eine wichtige Verantwortung, egal, ob in einem Golfclub oder einem Taubenzüchterverein. Auf der nächsten Mitgliederversammlung habe ich mich dann natürlich ordentlich wählen lassen.

Warum haben Sie das Amt angenommen?
Nach zwei schlaflosen Nächten habe ich mich darauf besonnen, dass ich von Niemandem im Club abhängig war und auch zu Niemandem wirtschaftliche Beziehungen oder Abhängigkeiten hatte. Ich konnte also so handeln, wie ich es für den Club sinnvoll fand. Das war auch deshalb reizvoll, weil ich als Unternehmensberater natürlich stets die Interessen meiner Mandanten, der Bank und meine eigene Berater-Ethik berücksichtigen muss.

Wie sind Sie vorgegangen?
Um die Denkweisen zu verändern, haben wir sehr viel Personal angepasst, was – wie ich immer wieder höre – zu der guten Entwicklung beigetragen hat. Darüber hinaus haben wir die Infrastruktur modernisiert und konnten die Zahl der Mitglieder in den letzten fünf Jahren deutlich steigern. Die Corona-Zeit, wo nichts anderes möglich war, verhalf dem Golfsport, bei dem man in wunderschöner Natur draußen war, außerdem zu einem echten Boom. Dass wir im vergangenen Jahr vom Golfportal Golfamore – mit immerhin 125.000 Mitgliedern – in gleich drei Kategorien als bester Golf Course, bestes Restaurant und beste Hospitality ausgezeichnet wurden, freut mich ganz besonders. Die Entwicklung des Clubs ist zwar noch nicht ganz abgeschlossen, da wir noch viel Potenzial für große Turniere und tolle Events haben. Aber wir sind sehr zufrieden. Obwohl ich auch ganz persönlich stolz auf die Entwicklung bin, bin ich dem alten und neuen Vorstand sehr dankbar, die mich unterstützt haben, obwohl ich den Weg sehr konsequent gegangen bin.

Welche Vorteile genießt man als Golfclub-Präsident?
Man hat einen eigenen Parkplatz. Das ist in einem Golfclub so ziemlich das Wichtigste. Wegen meiner vermeintlich guten Arbeit für den Club hat man mir beispielsweise vor vier Jahren eine Position im Aufsichtsrat des Weender Krankenhauses angeboten – meine zweite, große ehrenamtliche Tätigkeit. Eine Aufgabe, die mich reizte, denn ich war schon immer ein großer Fan dieses Krankenhauses, in dem Mensch und Pflege so klar im Vordergrund stehen, wobei das Weender Krankenhaus der Universitätsklinik heute auch in der Intensiv- oder Operationsmedizin technisch absolut ebenbürtig ist. Das als Aufsichtsrat mitzugestalten, ist für mich etwas Besonderes, weil dort – ohne es vergleichen zu wollen – natürlich eine größere Leistung für die Gesellschaft erbracht wird als in einem Golfclub.

Unternehmen, ein Golfclub, ein Krankenhaus – mögen Sie es, Dinge zukunftsorientiert in Bewegung zu bringen?
Man sagt mir nach, dass ich Dinge gut vom Ende her denken könne. Deshalb ist es so wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben, wenn man den Weg gestalten will. Bei Unternehmen geht es um wirtschaftlichen Erfolg. Für den richtigen Weg dahin muss man den Inhaber, die Mitarbeiter und eventuell weitere Experten ins Boot holen. Für den Golfclub habe ich eine Vision auf Basis meiner eigenen Erfahrungen entwickelt, und natürlich gibt es auch in Weende eine klare Zielsetzung – hier spielen allerdings die täglichen Herausforderungen des Gesundheitswesens und der Politik eine wichtige Rolle. Dementsprechend müssen wir immer wieder neu definieren, welcher Weg zu unserem Ziel führt.
Solche Prozesse reizen mich einfach. Deshalb habe ich in meinem Leben auch selbst schon ganz unterschiedliche Firmen, wie einen Recycling-Betrieb und eine Handelsgesellschaft, geleitet. Immer so lange, bis sie entsprechend entwickelt waren. Dann trat so eine gewisse Unruhe ein, und ich habe sie wieder abgegeben, um das nächste Projekt zu beginnen.

Woher kommt diese Unruhe?
Mein Sternzeichen ist der Zwilling. Auf der einen Seite mag ich Kontinuität, auf der anderen Seite ist da die Neugier des Zwillings. Läuft etwas stetig, frage ich, was als Nächstes kommt. In den letzten Jahren bin ich allerdings viel ruhiger und auch besonnener geworden. Die Sanierungs-Jobs, die ich jetzt 30 Jahre mache, sind in gewisser Weise auch kräftezehrend. Nicht zuletzt, weil ich Menschen fordern und fördern, aber eben auch nicht überfordern will. Ich versuche deshalb, mehr auf mich selbst zu achten.

Womit wir bei Ihrer Work-Life-Balance wären. Wie stehen Sie zu diesem Thema?
Bis ich vierzig war, habe ich im Grunde selbst und ständig gearbeitet. In einem Sanierungs-Projekt, wenn es einer Firma schlecht geht, gibt es keinen Achtstunden-Tag. Da geht es um schnelle Ergebnisse. Dann habe ich angefangen, mehr auf meinen Energie-Level zu achten, wobei es am Ende ja um Work-Life-Balance geht. Gott sei Dank kann ich mir leisten, mir im Wesentlichen auszusuchen, was ich mache. Es ist eine wertvolle Freiheit, ein Mandat auch einmal nicht anzunehmen. Man wird dabei auch in der Beratung souveräner.

Und was bedeutet Ihnen Verantwortung?
Früher habe ich darüber weniger nachgedacht, sondern einfach gemacht. Heute fällt mir das schwerer, denn unsere Gesellschaft sucht heute immer gern nach Entschuldigungen. Wenn etwas gut läuft, ist das normal. Wenn etwas schiefgeht, war es ein anderer. Insofern ist Verantwortung heute mehr eine Last. Aber ich komme aus einer Unternehmerdenke, deshalb übernehme ich diese Verantwortung, weil ich neugierig bin und mitgestalten möchte. Das muss allerdings gegeben sein, denn ich bin nicht dafür zu haben, nur die Hand zu heben oder etwas willenlos mitzutragen.

Oliver Bartels neben seinem Freund und Gastgeber Christoph Hampe